Meine Arbeitstage laufen, abgesehen von den beiden Tagen, die ich im Büro in Frankfurt verbringe, meist ähnlich ab. Gegen fünf weckt mich meine innere Uhr, an Umdrehen und Weiterschlafen ist, ganz im Gegensatz zu den drei Wesen mit denen ich das Bett teile, nicht zu denken – wenn wach, dann wach. Bis ich mich gegen acht mit den Hunden auf den Weg über die Felder mache, habe ich so zumeist schon einen Teil meiner Arbeit erledigt – der Rechner steht schließlich auf wann ich will und stört sich außerdem nicht daran, dass ich nicht in Anzug und Krawatte, sondern in der Jogginghose am Küchentisch sitze. Während die Kollegen gegen zehn nach und nach im Büro ankommen, habe ich bereits die Hunde gefüttert und mich wieder hinter mein Macbook geklemmt, um die Arbeit fortzusetzen – oder um darauf zu warten, was der Tag sonst bringen mag. Die Mittagspause, die an und für sich lieber Nachmittagspause genannt werden möchte, gehört dann endlich wieder ganz den Hunden. Zeit, um an diesem oder jenem Trick zu feilen oder das Haus zum Gegenstand von Suchspielen zu machen findet sich zwar auch zwischendurch, reicht aber nicht aus, um den zweiten Spaziergang, der mal mehr, mal weniger dringend erwartet wird, in Angriff zu nehmen. Zweifelsohne: Schön sind Spaziergänge immer. Dass ein Spaziergang auch lehrreich sein kann, durfte ich heute morgen erfahren.

»Das sind doch keine Border Collies«, schnitt es durch die kalte Morgenluft. »Die sind doch viel zu klein, echte Border Collies sind viel größer«, fuhr die Stimme fort und bedeutete mit einem – trotz tief sitzender Kapuze – vielsagenden Blick, doch einmal das andere Ende ihrer Leine in Augenschein zu nehmen. »Wenn überhaupt, dann sind ihre noch nicht ausgewachsen. Wie alt meinten sie, dass ihre Hunde sind?«. Zugegeben, der Hund, der sich scheu ans Bein der Frau lehnte, die gerade wild auf mich einredete, erinnerte tatsächlich entfernt an einen Border Collie. Entfernt, weil nicht nur die Länge von Kopf und Schnauze, sondern auch die Fülle der Statur eher an die Liaison eines lüsternen Australian Shepherds mit einer läufigen Colliehündin denken ließen. »Da mögen sie recht haben«, entgegnete ich schließlich und schaute wie zum Beweis traurig die beiden Hunde an meiner Leine an, die gerade ihre Identität eingebüßt hatten. »Man kann den Leuten eben immer nur vor den Kopf gucken«, sagte die Frau und tätschelte ihrem Hund versonnen die schneebesetzte Schnauze, »nehmen sie es nicht so schwer, sie sind bestimmt nicht der Erste, der einem solchen Schwindel aufsitzt, es gibt Züchter, die haben den Namen nicht verdient und sind nur auf das schnelle Geld aus«. Das Lachen, das ich längst hatte unterdrücken müssen, konnte schlussendlich nichts mehr halten. »Wie recht sie haben«, erwiderte ich und wünschte der Frau, deren Gesichtszüge ein wenig verirrt zwischen Unsicherheit und Verwirrung pendelten, einen guten Tag.