Foto des Monats: Laufig, nicht läufig – Joey findet’s trotzdem lecker!

Das Wegstück, das der Bürohund zur Mittagszeit zurücklegen muss, führt von der Münchener- über die Moselstraße zum Main. Dabei kreuzt er drei Querstraßen, sitzt an Ampeln ab und kommt an einer ganzen Reihe von Stromkästen, Laternenmasten und mehrreihigen Gehwegbegrenzungen vorbei, die ansonsten kaum bemerkt werden – wenn überhaupt dazu einladen Slalom zu laufen –, mir heute aber alle Überredungskünste abverlangen; die wie Mahnmale scheinen, vor denen stehen geblieben und die eigene Existenz hinterfragt werden muss. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, warum es läufig heißt, und ob es nicht andere Begriffe gäbe, die zutreffender wären – denn wenn der Bürohund während der Läufigkeit eines ganz bestimmt nicht ist, dann ist es läufig: Nell steht. Und riecht. Und ich stehe – mir bleibt schließlich nichts anderes übrig – daneben. Die zweite Frage, die sich mir beim Warten aufdrängt (die Beantwortung der ersten vertage ich, weil stehig einfach blöd klingt), beschäftigt sich mit dem Informationsgehalt der allgegenwärtigen Pinkelbotschaften – und ich schätze, ich bin nicht der erste Hundebesitzer, der solche Überlegungen anstellt.

Halben Hydrant großer Er,
zwei Mahlzeiten täglich,
sucht ungebundene Sie mit Lust
auf Spiel und Spaß.

oder

Labrador, reinrassig,
mit Niveau und
Begleithundeprüfung,
sucht dufte Sie mit gleichen
Attributen für heiße Tage.

oder

Er, Südländer, mit bewegter
Vergangenheit, sucht
Sie, für feste Beziehung.
Möpse bevorzugt.

Nell blickt auf und streckt den Rücken, als uns ein schwarzer Zwergpudel überholt. Der blickt zurück. Es braucht keine Kontaktanzeigen mehr, um mich daran zu erinnern, warum es läufig heißt. Denn auf einmal sind wir doch sehr schnell am Main.