
Zwei Jahre alt sein heißt: unterwegs sein. Über Hunde, Könige und Spuren – und warum Gewissheit überschätzt wird.
Der sechste Januar. Man sagt, an diesem Tag seien drei Könige unterwegs gewesen. Keine Herrscher. Reisende. Menschen, die etwas gesucht haben, von dem sie nicht wussten, ob es wirklich existiert.
Die Geschichte ist dabei nicht ganz eindeutig. Zum einen ist nicht gesichert, dass es tatsächlich drei waren. Zum anderen ist unklar, ob sie wirklich Könige waren. Und zum Dritten bleibt die Frage, warum ausgerechnet sie die Verantwortung übernommen haben, einer ungewöhnlich hellen Himmelserscheinung hinterherzulaufen, ohne vorher jemanden zu fragen, der sich damit womöglich besser auskannte. Oder zumindest ein sehr langes, sehr sachliches Gespräch darüber zu führen.
Historisch betrachtet ist das erstaunlich. Menschlich betrachtet hingegen vollkommen plausibel. Menschen folgen ständig Dingen, die leuchten, sich bewegen oder den Eindruck erwecken, dass man sich später vorwerfen könnte, nicht hingegangen zu sein.
In diesem Punkt unterscheiden sie sich kaum von Hunden. Auch Hunde folgen Spuren, ohne sicher zu wissen, ob am Ende tatsächlich etwas wartet. Sie gehen los, weil etwas da war. Weil etwas gerochen hat. Weil es sich richtig angefühlt hat, selbst wenn sich später herausstellt, dass es lediglich ein sehr interessanter Irrtum war.
Nehmen wir beispielsweise einmal einen zweijährigen Hund. Man könnte sagen, dass der sich in einem Übergangszustand befindet: Alt genug, um überzeugt zu sein. Jung genug, um falsch zu liegen. Er hat inzwischen eine Richtung. Aber noch keinen Überblick. Er weiß, was er will – nur nicht immer, warum.
Vielleicht ist das die eigentliche Gemeinsamkeit mit einer sehr alten Legende: Unterwegs zu sein, ohne Gewissheit. Mit Gaben, die man noch nicht so ganz versteht. Aber mit der leisen Ahnung, dass das Wichtigste nicht das Ziel ist, sondern: unterwegs zu sein.
Unserem J-Wurf die besten Wünsche. Zum zweiten Geburtstag!



© Johannes Willwacher