Acrylgemälde eines Border Collie Welpen im Schnee
06|01|2026 – Unser J-Wurf fei­ert sei­nen 2. Geburtstag

Zwei Jahre alt sein heißt: unterwegs sein. Über Hunde, Könige und Spuren – und warum Gewissheit überschätzt wird.

Der sechs­te Janu­ar. Man sagt, an die­sem Tag sei­en drei Köni­ge unter­wegs gewe­sen. Kei­ne Herr­scher. Rei­sen­de. Men­schen, die etwas gesucht haben, von dem sie nicht wuss­ten, ob es wirk­lich existiert.

Die Geschich­te ist dabei nicht ganz ein­deu­tig. Zum einen ist nicht gesi­chert, dass es tat­säch­lich drei waren. Zum ande­ren ist unklar, ob sie wirk­lich Köni­ge waren. Und zum Drit­ten bleibt die Fra­ge, war­um aus­ge­rech­net sie die Ver­ant­wor­tung über­nom­men haben, einer unge­wöhn­lich hel­len Him­mels­er­schei­nung hin­ter­her­zu­lau­fen, ohne vor­her jeman­den zu fra­gen, der sich damit womög­lich bes­ser aus­kann­te. Oder zumin­dest ein sehr lan­ges, sehr sach­li­ches Gespräch dar­über zu führen.

His­to­risch betrach­tet ist das erstaun­lich. Mensch­lich betrach­tet hin­ge­gen voll­kom­men plau­si­bel. Men­schen fol­gen stän­dig Din­gen, die leuch­ten, sich bewe­gen oder den Ein­druck erwe­cken, dass man sich spä­ter vor­wer­fen könn­te, nicht hin­ge­gan­gen zu sein.

In die­sem Punkt unter­schei­den sie sich kaum von Hun­den. Auch Hun­de fol­gen Spu­ren, ohne sicher zu wis­sen, ob am Ende tat­säch­lich etwas war­tet. Sie gehen los, weil etwas da war. Weil etwas gero­chen hat. Weil es sich rich­tig ange­fühlt hat, selbst wenn sich spä­ter her­aus­stellt, dass es ledig­lich ein sehr inter­es­san­ter Irr­tum war.

Neh­men wir bei­spiels­wei­se ein­mal einen zwei­jäh­ri­gen Hund. Man könn­te sagen, dass der sich in einem Über­gangs­zu­stand befin­det: Alt genug, um über­zeugt zu sein. Jung genug, um falsch zu lie­gen. Er hat inzwi­schen eine Rich­tung. Aber noch kei­nen Über­blick. Er weiß, was er will – nur nicht immer, warum.

Viel­leicht ist das die eigent­li­che Gemein­sam­keit mit einer sehr alten Legen­de: Unter­wegs zu sein, ohne Gewiss­heit. Mit Gaben, die man noch nicht so ganz ver­steht. Aber mit der lei­sen Ahnung, dass das Wich­tigs­te nicht das Ziel ist, son­dern: unter­wegs zu sein.

Unse­rem J-Wurf die bes­ten Wün­sche. Zum zwei­ten Geburtstag!

© Johannes Willwacher