Zucht

Züch­ter sein

Die Ent­schei­dung, den Weg in die Hun­de­zucht ein­zu­schla­gen, habe ich nicht leicht­fer­tig getrof­fen. Zehn Jah­re haben mich Bor­der Col­lies auf mei­nem Weg beglei­tet. Ich habe nicht nur die beson­de­ren Eigen­schaf­ten der Ras­se zu lie­ben gelernt, gele­sen, an mir gear­bei­tet und die nai­ve Freu­de am Zusam­men­le­ben mit einem Hund aus­ge­kos­tet, son­dern auch ganz all­mäh­lich eige­ne Vor­stel­lun­gen davon ent­wi­ckelt, wel­cher Weg der Ras­se an sich bestimmt sein soll­te. Nach lan­gen Gesprä­chen mit Alt­züch­tern, einem kri­ti­schen Blick auf unse­re Lebens­um­stän­de und der erklär­ten Bereit­schaft mei­nes Part­ners, die Ver­ant­wor­tung mit tra­gen zu wol­len, bean­trag­te ich im Som­mer 2010 schluss­end­lich den inter­na­tio­na­len Zwin­ger­na­men­schutz (VDH/FCI) für den Zwin­ger­na­men »Broad­me­a­dows«. Im Früh­jahr 2011 folg­te ein Neu­züch­ter­se­mi­nar des Club für Bri­ti­sche Hüte­hun­de e.V mit abschlie­ßen­dem Sach­kun­de­nach­weis und im Herbst 2011 konn­te schließ­lich die Zucht­stät­ten­ab­nah­me durch Bea­te Steinz, die Lan­des­grup­pen­vor­sit­zen­de des Club für Bri­ti­sche Hüte­hun­de in Hes­sen, erfol­gen. Aber was bedeu­tet es eigent­lich, Züch­ter zu sein?

Ver­ant­wor­tung

Denkt man über den All­tag und die Auf­ga­ben eines Hun­de­züch­ters nach, so ist »Ver­ant­wor­tung« ganz ohne Zwei­fel eines der Schlüs­sel­wor­te, die des­sen Han­deln beschrei­ben soll­ten. »Ver­ant­wor­tung« meint dabei nicht nur die Aneig­nung und ste­te Über­prü­fung von sach­be­zo­ge­nem Wis­sen, son­dern auch, das eige­ne Zucht­ziel immer wie­der ent­spre­chend zu hin­ter­fra­gen und lang­fris­tig ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Ein Augen­merk liegt dabei auf der Erhal­tung und Ver­bes­se­rung eines defi­nier­ten Stan­dards – dem äuße­ren Erschei­nungs­bild – an ers­ter Stel­le soll­te jedoch immer der Anspruch ste­hen, gesun­de, intel­li­gen­te und leis­tungs­fä­hi­ge Hun­de zu züch­ten, denen die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für ein mög­lichst lan­ges und beschwer­de­frei­es Leben gege­ben wor­den sind. Als wei­te­re Schwer­punk­te dürf­ten ein hohes Maß an Sen­si­bi­li­tät und Trai­nier­bar­keit, sowie, bei aus­rei­chen­der geis­ti­ger und kör­per­li­cher Aus­las­tung, auch die All­tags­taug­lich­keit gel­ten – Fami­li­en­mit­glie­der auf vier Pfo­ten.

Lang­fris­ti­ge Ent­schei­dun­gen

Die Arbeit des Züch­ters beginnt schon mit dem Ein­zug der zukünf­ti­gen Zucht­hün­din. So müs­sen nicht nur wesent­li­che Fra­gen zur Gesund­heit beant­wor­tet und ras­se­spe­zi­fi­sche Erb­krank­hei­ten aus­ge­schlos­sen wer­den, son­dern auch die Wesens­ent­wick­lung der Hün­din beob­ach­tet und im Hin­blick auf eine Eig­nung für die Zucht über­prüft wer­den. Glei­ches gilt für die Aus­wahl des geeig­ne­ten Deck­rü­den: Ahnen­ta­feln wol­len ver­gli­chen, Ver­paa­run­gen durch­dacht und Ent­schei­dun­gen plan­voll getrof­fen wer­den.

Wel­pen­auf­zucht

Zeit, räum­li­che Nähe und die Bereit­schaft, sich aus­gie­big mit den Wel­pen zu beschäf­ti­gen, dürf­ten als Grund­vor­aus­set­zung für eine opti­ma­le Prä­gung gel­ten. In den ers­ten acht Wochen ler­nen die Wel­pen so nicht nur alle Geräu­sche ken­nen die im Haus­halt vor­kom­men und wer­den durch Begeg­nun­gen mit Mensch und Tier lie­be­voll auf ihr spä­te­res Leben vor­be­rei­tet, son­dern unter­neh­men auch ers­te Aus­flü­ge in den Gar­ten, Auto­fahr­ten und Spa­zier­gän­ge. Bis zur Abga­be in der neun­ten Woche sind die Wel­pen mehr­fach ent­wurmt, gechipt und auf erb­li­che Augen­er­kran­kun­gen unter­sucht.

Abga­be­be­din­gun­gen

Nicht nur der Kauf eines Wel­pen bedeu­tet eine gro­ße, lebens­lan­ge Ver­pflich­tung, auch die Ver­ant­wor­tung des Züch­ters endet nicht mit dem Zeit­punkt, an dem ein Zög­ling sei­ne Obhut ver­lässt. Es soll­te des­halb zum einen selbst­ver­ständ­lich sein, ein vor­he­ri­ges Ken­nen­ler­nen zu ver­ein­ba­ren und zu prü­fen, ob sich die Vor­stel­lun­gen auf bei­den Sei­ten ent­spre­chen: Einem Bor­der Col­lie gerecht zu wer­den setzt immer – auch als Fami­li­en­hund – die Bereit­schaft vor­aus, die­sen der Ras­se ent­spre­chend zu for­dern und zu för­dern. Zum ande­ren ist aus­drück­lich gewünscht, auch nach der Abga­be Kon­takt zum Züch­ter zu hal­ten und die­sen über den Wer­de­gang und das Wohl­erge­hen des Hun­des zu infor­mie­ren. Soll­ten sich die Lebens­um­stän­de eines Wel­pen­käu­fers im Lau­fe der Jah­re zu Unguns­ten des Tie­res ver­än­dern und es nicht mög­lich sein, den Hund wei­ter­hin zu hal­ten, so ist der Züch­ter umge­hend dar­über zu infor­mie­ren und der Hund zur Wei­ter­ver­mitt­lung an die­sen zurück­zu­füh­ren.

»Ich gehe doch nicht mit Papie­ren spa­zie­ren«

In Gesprä­chen mit ande­ren Hun­de­hal­tern fällt immer wie­der auf, wie stark das Bild des Ver­eins­züch­ters in der Öffent­lich­keit durch Halb­wis­sen und Fehl­in­for­ma­tio­nen geprägt ist. Das »Papier« wird so nicht nur lapi­dar zum eit­len Gegen­stand der Selbst­be­weih­räu­che­rung ver­ar­gu­men­tiert und des­sen eigent­li­che Aus­sa­ge – eine Kennt­nis der Lini­en ist immer Grund­vor­aus­set­zung für eine, dem Tier und dem Käu­fer gegen­über, ver­ant­wor­tungs­vol­le Zucht – falsch ver­stan­den, son­dern auch dem Züch­ter blo­ße Pro­fit­gier unter­stellt.

Das »Pro­fit« eines der schla­gen­den Argu­men­te sein muss, um die zahl­rei­chen Ange­bo­te zu beschrei­ben, die – aus ver­meint­lich »lie­be­vol­ler Fami­li­en­auf­zucht« – in Zei­tungs­an­non­cen und im Inter­net locken, liegt auf der Hand: Sofort abga­be­be­reit, kos­ten die nied­li­chen Wel­pen aus papier­lo­ser Zucht oft nur die Hälf­te – nicht nur den Käu­fer, son­dern auch den Ver­käu­fer. Wäh­rend der eine die Augen ver­schließt, zu wes­sen Las­ten sein Schnäpp­chen zustan­de gekom­men ist, nimmt der ande­re die­sen Man­gel, bewusst oder unbe­wusst, nur zu ger­ne in Kauf. Wäh­rend der eine nicht wahr­zu­neh­men scheint, dass die Kos­ten für die Anschaf­fung eines Ras­se­hun­des ver­gli­chen mit den Fol­ge­kos­ten für die Hal­tung (Fut­ter, Hun­de­steu­er, Ver­si­che­rung und Tier­arzt­kos­ten) nur einen Bruch­teil aus­ma­chen, ver­zich­tet der ande­re aus man­geln­der Sach­kennt­nis auf wesent­li­che Unter­su­chun­gen oder ver­lässt sich auf das ober­fläch­li­che Urteil eines Tier­arz­tes: Ein guter All­ge­mein­zu­stand beschei­nigt jedoch noch längst kei­ne Zucht­taug­lich­keit.

Als Wel­pen­käu­fer ist es an Ihnen, eine ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dung zu tref­fen: Ihr neu­es Fami­li­en­mit­glied wird eine lan­ge Stre­cke des Weges mit Ihnen gemein­sam gehen. Schen­ken Sie ihm die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen – von Anfang an!