
Zehn Jahre sind viele Erinnerungen. Manche gehören uns. Die meisten gehören längst anderen. Dem D-Wurf zum Geburtstag.
There are places I remember
all my life, though some have changed.
The Beatles (1965)
Es sind immer wieder die gleichen Dinge, die man erinnert. Dass es Nacht war – wie so oft. Dass der erste Welpe schon ganz grau war, als man ihn endlich in den Händen hielt. Dass man ihn wieder und wieder mit dem rauen Handtuch abgerieben hat, um ihn zum Atmen zu bringen. Dass man mit ihm ins Badezimmer gerannt ist, den Hahn aufgedreht und den kleinen Körper darunter gehalten hat. Dass aus dem Grau mit einem schrillen Schrei schliesslich Rosa wurde. Und dass man die Erleichterung darüber auch nach zehn Jahren noch spüren kann – während die Erinnerung sich längst aus den eigenen Händen gelöst und zusammen mit dem Welpen den Besitzer gewechselt hat.
Zehn Jahre. Das sind viele Erinnerungen. Solche, von denen man hört – manchmal beiläufig, manchmal zwischen zwei Sätzen. Sie liegen wie Spielzeug in fremden Wohnzimmern, lugen auf dem Sofa zwischen den Kissen hervor. Sie erzählen von Alltag, von Nähe. Von Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben. Von Momenten, in denen man innehält, weil etwas fehlt oder weil etwas genau richtig ist. Und von Hunden, die irgendwann beinahe selbstverständlich geworden sind. Die morgens da sind und abends wiederkommen. Die Platz einnehmen, ohne zu fragen. Und Lücken hinterlassen, ohne es zu wollen.
Mir bleibt die Erinnerung an diese erste Nacht. Und für euch der Wunsch: noch viele Erinnerungen mehr.



© Johannes Willwacher