Skizzenbuch mit aquarellierter Bleistiftzeichnung dreier Border Collie Welpen
19|02|2026 – Unser E-Wurf fei­ert sei­nen 9. Geburtstag

Warum ein Wurf nicht nur Hunde in Familien, sondern auch Menschen in das eigene Leben bringt. Dem E-Wurf zum neunten Geburtstag.

Bevor ein Wel­pe gebo­ren wird, pas­siert immer das­sel­be: Man liest Mails. Sehr vie­le Mails. 

Man sitzt abends am Küchen­tisch, liest, unter­streicht inner­lich, inter­pre­tiert For­mu­lie­run­gen, ach­tet auf Ton­fall, Län­ge, Begeis­te­rung, Recht­schrei­bung, Erfah­rung, Grund­stücks­grö­ße, Kin­der­zahl, Arbeits­zei­ten und den klei­nen Neben­satz, der angeb­lich alles ver­rät. Man glaubt wirk­lich, man kön­ne in zwölf Zei­len erken­nen, wie ein Mensch die nächs­ten fünf­zehn Jah­re mit einem Hund ver­brin­gen wird. Obwohl man eigent­lich weiß, dass die ent­schei­den­de Infor­ma­ti­on nie im Text steht.

»Ich habe Ihre Wurf­an­kün­di­gung gele­sen und wür­de mich über mehr Infor­ma­tio­nen und einen Rück­ruf freu­en.« Mehr stand da nicht. In der ers­ten Mail, vor etwa neun Jah­ren. Kein Gar­ten, kei­ne Erfah­rung, kein Kon­zept. Eine ande­re war meh­re­re Sei­ten lang. Mit Geschich­te, Hun­den, Ver­lus­ten. »Vor 7 Jah­ren beka­men wir einen Anruf über den Tier­schutz­ver­ein Nord­ei­fel, dass zwei Bor­der Col­lies aus Ver­wahr­lo­sung drin­gend ein neu­es zu Hau­se suchen. Wir haben die­se Hun­de ohne wenn und aber auf­ge­nom­men, umsorgt, geför­dert, unser Leben auf sie ein­ge­rich­tet und die Jah­re mit ihnen genos­sen.« Dann gab es Vor­freu­de: »Ich wün­sche mir eine Hün­din. Der Preis ist sicher im nor­ma­len Wel­pen­rah­men? Ich wün­sche Euch eine super duper Geburt!« Und Heim­lich­keit: »Ich schrei­be Euch (vor­erst) des­halb nicht ins Gäs­te­buch, weil mei­ne Frau nichts davon wis­sen soll.« Und schließ­lich, an einem Sams­tag­mor­gen, eine Whats­App: »Guten Mor­gen, ich möch­te Sie nicht beim Wochen­end­früh­stück stö­ren. Des­halb mei­ne Fra­ge, wann kann ich sie am bes­ten bezüg­lich eines Wel­pen anru­fen?« 

Vor neun Jah­ren dach­te ich, ich müss­te aus die­sen Nach­rich­ten her­aus­fin­den, wer zu einem Wel­pen passt. Heu­te weiß ich: Die Mails waren nie der ent­schei­den­de Teil. Denn was danach kam, konn­te man dar­in nicht lesen.

Ein Wurf hin­ter­lässt nicht nur Hun­de in fünf Fami­li­en. Er bringt Men­schen in ein gemein­sa­mes Leben.

Über die Jah­re sind aus Anfra­gen Gesprä­che gewor­den, aus Gesprä­chen Ver­trau­en, aus Ver­trau­en Freund­schaf­ten. Man beglei­tet ein­an­der durch All­täg­li­ches und durch Erns­tes. Durch Gesund­heit, Krank­heit, Abschie­de, neue Hun­de, neue Lebens­ab­schnit­te. Und irgend­wann merkt man, dass man nicht mehr »der Züch­ter« ist und dort auch kei­ne »Wel­pen­käu­fer« leben. Son­dern Men­schen, die zum eige­nen Leben gehören.

Der E-Wurf ist neun Jah­re alt. Die Hun­de waren der Anfang. Das größ­te Glück, das sie hin­ter­las­sen haben, sind die Menschen.

© Johannes Willwacher