Ein Wurf. Eine Entscheidung. Ein Welpe, der ging. Und zwei Menschen, die an das geglaubt haben, was man in einem jungen Hund sehen kann.
Sometimes I feel like
throwing my hands up in the air.
I know I can count on you.
Candi Staton (1997)
Eigentlich war das gar nicht vorgesehen, denke ich und schaue vom Bildschirm auf. Dabei fällt mein Blick auf das Fenster, in dem sich die Zweige der Kirschbäume abzeichnen. An manchen hängt noch das Laub vom Vorjahr – wie eine Erinnerung, die sich nicht lösen will. Es dämmert, ist aber noch dunkel. Auch mir dämmert in diesem Moment etwas. Etwas, das größer ist als die Kirschbäume. Und doch genau darunter begonnen hat – im März vor zwei Jahren.
Als Heidis letzter Wurf vor etwas mehr als zwei Jahren geboren wurde, war die Warteliste lang. Viele Namen standen darauf – die Besitzer des Deckrüden nicht. Obwohl ich wusste, dass sie die Hündin mochten. Obwohl wir darüber gesprochen hatten, wie viel Potenzial in dieser Verpaarung steckte. Dafür stand eine Züchterkollegin darauf, die eine Hündin zum Ausstellen suchte.
Während die Welpen heranwuchsen, wurde mir schnell klar, dass die Hündin, die ich behalten würde, genau die war, die sie suchte. Dann sagte sie ab. Die Welpen waren vier Wochen alt. Und plötzlich stand ich da und dachte: Vielleicht bleibt sie doch. Vielleicht muss sie bleiben. Mein Herz hing ohnehin schon an ihr. Wenn sich niemand findet, der versteht, was man in einem jungen Hund sieht – dann soll es doch vielleicht auch so sein?
Dann sprach ich mit der Besitzerin des Deckrüden darüber. Sie hatte den Wurf verfolgt, ihren Blick aber auf eine andere Hündin gelegt. Ich blieb hartnäckig. Schrieb: Die da, die ist die Beste. Und sie vertraute darauf, als die Entscheidung Wochen später unter den Kirschbäumen fiel.
Heute hat dieser Welpe – Nina, Broadmeadows Jaz-O-Mine – auf der Crufts das Reserve CC gewonnen. Die Zweitbeste unter fast zweihundert Hündinnen aus der ganzen Welt.
Als Züchter lernt man früh, dass man manchmal gerade die Welpen gehen lassen muss, von denen man glaubt, dass sie einmal glänzen könnten. Und während ich jetzt aus dem Fenster auf die Kirschbäume schaue, wird mir klar: Man erkennt das Potenzial vielleicht. Aber man besitzt es nicht.
Manchmal braucht es jemanden, der es sieht. Und jemanden, der daran glaubt.
Danke, Paul und Isabel.





© Johannes Willwacher