Ein Wurf. Eine Entscheidung. Ein Welpe, der ging. Und zwei Menschen, die an das geglaubt haben, was man in einem jungen Hund sehen kann.

Eigent­lich war das gar nicht vor­ge­se­hen, den­ke ich und schaue vom Bild­schirm auf. Dabei fällt mein Blick auf das Fens­ter, in dem sich die Zwei­ge der Kirsch­bäu­me abzeich­nen. An man­chen hängt noch das Laub vom Vor­jahr – wie eine Erin­ne­rung, die sich nicht lösen will. Es däm­mert, ist aber noch dun­kel. Auch mir däm­mert in die­sem Moment etwas. Etwas, das grö­ßer ist als die Kirsch­bäu­me. Und doch genau dar­un­ter begon­nen hat – im März vor zwei Jahren.

Als Hei­dis letz­ter Wurf vor etwas mehr als zwei Jah­ren gebo­ren wur­de, war die War­te­lis­te lang. Vie­le Namen stan­den dar­auf – die Besit­zer des Deck­rü­den nicht. Obwohl ich wuss­te, dass sie die Hün­din moch­ten. Obwohl wir dar­über gespro­chen hat­ten, wie viel Poten­zi­al in die­ser Ver­paa­rung steck­te. Dafür stand eine Züch­ter­kol­le­gin dar­auf, die eine Hün­din zum Aus­stel­len suchte.

Wäh­rend die Wel­pen her­an­wuch­sen, wur­de mir schnell klar, dass die Hün­din, die ich behal­ten wür­de, genau die war, die sie such­te. Dann sag­te sie ab. Die Wel­pen waren vier Wochen alt. Und plötz­lich stand ich da und dach­te: Viel­leicht bleibt sie doch. Viel­leicht muss sie blei­ben. Mein Herz hing ohne­hin schon an ihr. Wenn sich nie­mand fin­det, der ver­steht, was man in einem jun­gen Hund sieht – dann soll es doch viel­leicht auch so sein?

Dann sprach ich mit der Besit­ze­rin des Deck­rü­den dar­über. Sie hat­te den Wurf ver­folgt, ihren Blick aber auf eine ande­re Hün­din gelegt. Ich blieb hart­nä­ckig. Schrieb: Die da, die ist die Bes­te. Und sie ver­trau­te dar­auf, als die Ent­schei­dung Wochen spä­ter unter den Kirsch­bäu­men fiel.

Heu­te hat die­ser Wel­pe – Nina, Broad­me­a­dows Jaz-O-Mine – auf der Crufts das Reser­ve CC gewon­nen. Die Zweit­bes­te unter fast zwei­hun­dert Hün­din­nen aus der gan­zen Welt.

Als Züch­ter lernt man früh, dass man manch­mal gera­de die Wel­pen gehen las­sen muss, von denen man glaubt, dass sie ein­mal glän­zen könn­ten. Und wäh­rend ich jetzt aus dem Fens­ter auf die Kirsch­bäu­me schaue, wird mir klar: Man erkennt das Poten­zi­al viel­leicht. Aber man besitzt es nicht.

Manch­mal braucht es jeman­den, der es sieht. Und jeman­den, der dar­an glaubt.

Dan­ke, Paul und Isa­bel.

05|03|2026 – Crufts: Nina, Broadmeadows Jaz-o-mine

© Johannes Willwacher