Ausschnitt aus einem Skizzenbuch, aquarellierte Bleistiftzeichung eines Border Collie Welpen
14|03|2026 – Unser H-Wurf fei­ert sei­nen fünf­ten Geburtstag

Im ersten Jahr dehnt sie sich. Später wird sie kleiner. Vielleicht funktioniert Zeit wirklich ein bisschen wie Kaugummi. Unserem H-Wurf zum fünften Geburtstag.

Das ers­te Jahr mit einem jun­gen Hund kommt einem oft erstaun­lich lang vor. Zu lang, wür­den man­che sagen. Aber um die geht es an die­ser Stel­le nicht. 

Trotz­dem bleibt der Ein­druck, dass die­ses ers­te Jahr eine merk­wür­di­ge Eigen­schaft hat: Es dehnt sich. So wie eine Kau­gum­mi­bla­se sich dehnt. Immer mehr, immer wei­ter. Bis sie irgend­wann hauch­dünn gespannt ist – unge­fähr so wie die Ner­ven, die im ers­ten Jahr ziem­lich stra­pa­ziert wer­den. Das nicht nur, weil alles zum ers­ten Mal pas­siert. Son­dern auch, weil viel beob­ach­tet, viel über­legt, viel inter­pre­tiert wer­den muss. Weil der Kopf arbei­tet. Nicht bei allen. Aber um die geht es an die­ser Stel­le nicht. 

Viel­leicht funk­tio­niert Zeit tat­säch­lich ein biss­chen wie Kau­gum­mi. Denn Zeit ent­steht wohl eher neben­bei – aus der Men­ge der Din­ge, über die man nach­denkt. Wo viel gedacht wird, dehnt sie sich. Wo wenig gedacht wird, zieht sie sich zusammen.

Man kann das leicht beob­ach­ten. Der Weg zu einem unbe­kann­ten Ort erscheint fast immer län­ger als der Rück­weg, obwohl die Stre­cke iden­tisch ist. Beim ers­ten Mal ach­tet man auf jedes Schild, jede Abzwei­gung. Auf dem Rück­weg weiß man längst, wo man ist. Der Kopf arbei­tet weni­ger. Das Kau­gum­mi wird klei­ner. Viel­leicht schmeckt es nicht mal mehr nach irgend­was. Man kaut, weil man kaut. Wer denkt schon groß über Kau­gum­mi nach?

Mit einem Hund ver­hält es sich ähn­lich. Auch der ist irgend­wann ganz ein­fach da. Mor­gens. Abends. Auf den­sel­ben Wegen, zu den­sel­ben Zei­ten. Man kennt sei­ne Gewohn­hei­ten, sei­ne klei­nen Umwe­ge, die Stel­len, an denen er grund­sätz­lich noch ein­mal ste­hen bleibt. Er kennt die eige­nen auch.

Vie­les geschieht, ohne dass man es noch bemerkt. Und dann stellt man plötz­lich fest, dass fünf Jah­re ver­gan­gen sind.

Viel­leicht ist genau das der Moment, in dem man wie­der anfan­gen soll­te, Kau­gum­mi­bla­sen zu machen. Gro­ße Bla­sen. Die, bei denen man genau weiß, dass sie gleich plat­zen wer­den. Nicht, weil man plötz­lich mehr Zeit hät­te. Son­dern weil man­che Din­ge es wert sind, dass sie sich ein biss­chen deh­nen dür­fen. 

Man­che fin­den so etwas über­trie­ben. Zu lang, zu laut, zu albern. 

Aber um die geht es an die­ser Stel­le ja nicht.

© Johannes Willwacher