
Ein bisschen Chaos, ein bisschen Können – und trotzdem stimmt manchmal ganz einfach alles: in der Jüngstenklasse zeigt sich, was werden kann.
Die Jüngstenklasse ist etwas Merkwürdiges. Im Grunde beschreibt sie keinen Wettbewerb – auch wenn sie innerhalb eines solchen stattfindet –, sondern einen Zustand. Einen, bei dem alle Beteiligten so tun, als ginge es um Bewertung, obwohl jeder weiß, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht.
Da ist zuerst der Hund: ein halbfertiges Wesen. Zu weich im Kopf, zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu begreifen, warum er jetzt im Kreis laufen soll.
Und dann ist da der Mensch. Ein Wesen, das zu einem Teil aus Hoffnung (»Vielleicht läuft heute ja alles richtig gut!«), zum anderen aus Verzweiflung (»Warum läuft der ausgerechnet heute wie ein Einkaufswagen mit kaputtem Rad?«) besteht. Eines, das geübt hat – natürlich hat es geübt. Im Garten, auf dem Parkplatz, zwischen Futternapf und Sofakante. Und trotzdem bleibt der Hund im Ring plötzlich stehen. Er springt. Jammert. Kläfft. Oder findet, dass genau jetzt eine ganz hervorragende Gelegenheit ist, um über den Sinn und Zweck einer Ausstellungsleine zu diskutieren.
Die Jüngstenklasse ist voll von solchen Momenten. Von kleinen Aussetzern, großen Gesten und dieser eigentümlichen Mischung aus Ehrgeiz und Nachsicht. Niemand erwartet Perfektion – selbst der Richter nicht. Weil hier keine fertigen Hunde zu sehen sind, sondern Versprechen. Oder: Möglichkeiten. Oder auch: sehr charmante Katastrophen.
Doch manchmal, mitten im Durcheinander, stimmt plötzlich alles. Und der Mensch steht daneben und staunt.

26|04|2026 – CACIB Lingen
Richter: Mark Wibier (NL)
Broadmeadows Love Supreme, Caspar
Jüngstenklasse Rüden (1) VV1
Broadmeadows Love at First Sight, Love
Jüngstenklasse Hündinnen (2) VV1



© Johannes Willwacher