I’ll protect you from the hooded claw,
keep the vampires from your door.
– »The Power of Love«, Frankie goes to Hollywood

Das Pfefferkuchenmädchen hielt ein Bündel Reisig umklammert. Den ganzen Morgen hatte es dünne Zweige gesammelt, die von den Bäumen in ihrem Garten gefallen waren, und einen nach dem anderen von den Blättern befreit. Der Wind hatte die gelben und braunen Blätter längst fortgetragen, das Bündel selbst war nackt und glatt, und nur an manchen Stellen – dort, wo das Mädchen die Blätter und Stiele abgezupft hatte –, gruben sich Spalten und Kerben in das junge Holz. Das Pfefferkuchenmädchen war zufrieden. Wenn der Winter käme – und er würde kommen, mit Eis und Schnee, so hoch, dass der schöne Garten ganz unter einen dichten, weißen Decke verschwände –, wäre mit den dünnen Zweigen leicht ein Feuer zu entfachen, an dem es sich gemütlich sitzen ließe. Als es mit seiner Last vor dem Tor angekommen war, das den Garten vom Haus trennte, legte es das Bündel ab und warf einen letzten Blick über seine Schulter, um dem Garten und allem, was darin lebte, Lebewohl zu sagen. Dort, im Schatten der hohen Bäume, hatte es gespielt. Dahinter lagen die Blumenbeete, die in der Hitze des Sommers längst vertrocknet waren, und die von Wegen und Tunneln aus langen, gelben Stielen durchzogen wurden, die immer ein gutes Versteck abgegeben hatten. Das Ende des Gartens beschrieb schließlich die Hecke, die »Nein« hieß, und in der – so hatte man es dem Pfefferkuchenmädchen eingeschärft –, schon manch anderes Kind für immer verschwunden war. »Die Hecke ist ein böser, dunkler Ort«, hatte es gehießen, »und an bösen, dunklen Orten findet sich in jedem Märchen jemand, der nichts lieber tut, als Pfefferkuchen zu essen«. Das Mädchen schüttelte sich, nahm das Bündel vom Boden und kletterte beherzt über das Gartentor. Kaum fünf Schritte trennten es vom Haus.

Wenn das Leben ein Märchen wäre, in dem es kein Geld und keine Arbeit, keine Krankheiten und Sorgen gäbe, in dem es nur darum ginge, lange und glücklich zu leben, dann wäre das Pfefferkuchenmädchen nun ins Haus gestürzt, hätte sich an den Tisch gesetzt und gefragt, was es zu Essen gäbe. Es hätte vom Haus aus zugeschaut, wie auch das letzte Blatt von den Bäumen und schließlich der erste Schnee gefallen wäre. Es wäre einfach da geblieben. Und ich – ich hätte seine Geschichten aufgeschrieben. Das hätte ich gerne getan.

In jedem Wurf gibt es einen Welpen, an dem das eigene Herz ganz besonders hängt. Einen Welpen, der genau das mit sich zu bringen scheint, was man sich als Züchter erhofft hat. Pepper war für mich vom ersten Tag an so ein Welpe. Wenn ich heute das Gartentor hinter ihr schließe, dann weiß ich aber, dass ich das beste Zuhause für sie ausgesucht habe. Ich weiß, dass sie geliebt und umsorgt werden, dass es ihr ein Leben lang an nichts fehlen wird.

So enden, so beginnen Märchen.