»Wenn ich mir den Blau­en neh­me, wür­de dir das miss­fal­len?«, frag­te Ida, und tat zögernd einen Schritt auf Iska zu, ohne den Blick dabei jedoch von dem Ball zu neh­men, der zwi­schen bei­den am Boden lag. »Es ist ja nicht so, dass ich ihn behal­ten wol­len wür­de«, sag­te sie, »nur aus­bor­gen, viel­leicht«.
+++++Nach­denk­lich kniff Iska die Augen zusam­men und ließ den hell­gel­ben Ball, der an einer bunt gemus­ter­ten Schnur aus ihrer Schnau­ze bau­mel­te, hin und her schau­keln. »Aus­bor­gen«, press­te sie zwi­schen den Zäh­nen her­vor, »aus­bor­gen geht nicht«.
+++++Ida blick­te sie ver­ständ­nis­los an. »Aber sicher geht das«, sag­te sie, »du kannst ja nicht mit zwei Bäl­len gleich­zei­tig spie­len«.
+++++Lächelnd ließ sich Iska ins Gras sin­ken und leg­te den hell­gel­ben Ball zwi­schen ihren Pfo­ten ab. »Man kann alles, wenn man es nur rich­tig begrün­det«, ant­wor­te­te sie, und stups­te den Ball vor ihr zag­haft mit der Nase an, so dass er wei­ter ins Gras hin­ein roll­te und schließ­lich neben dem blau­en Ball zu lie­gen kam. »Der hier«, sag­te sie und blick­te auf den gel­ben Ball, »der ist zum Wer­fen, und der ande­re«, und mein­te damit den blau­en Ball, »der ist zum Tra­gen«.
+++++»Aber … «, woll­te Ida erwi­dern.
+++++»Schau, es ist ganz ein­fach«, fiel ihr Iska ins Wort, »hat man nur einen, dann kann man auch nur eines. Also braucht man zwei«. Und damit stand sie auf, nahm erst den einen, dann auch den ande­ren Ball in die Schnau­ze und stol­zier­te mit hoch erho­be­ner Rute an Ida vor­bei …

Zu Besuch in Bre­men: Ges­tern habe ich mit Ida einen schö­nen Tag bei Iska (Broad­me­a­dows Beau­ty Queen) und Hol­le ver­bracht – und wäh­rend sich die Zwei­bei­ner mit guten Gesprä­chen, Kaf­fee und Kuchen die Zeit ver­trie­ben haben, konn­ten sich Mut­ter und Toch­ter nicht nur von allen Sei­ten beschnup­pern, son­dern auch ler­nen, dass der bes­te Grund, nur mit einem Ball zu spie­len, manch­mal ein­fach der ist, den Besuch glück­lich zu machen. Und glück­lich – ja, glück­lich war Ida ganz bestimmt. Und ich sowie­so …

© Johannes Willwacher