»Was machst du da?« Mit Nach­druck schiebt sich eine Schnau­ze unter mei­nen Ell­bo­gen und lässt den rech­ten Arm, der ange­win­kelt eine Par­al­le­le zur Tisch­plat­te bil­det und mit dem Hand­ge­lenk auf dem metal­lisch glän­zen­den Gehäu­se des Rech­ners auf­ge­stützt ist, ruck­ar­tig hoch­schnel­len.
+++++»Jetzt nicht, Zion«, sage ich, und wische die auf­dring­li­che Hun­de­schnau­ze mit einer unbe­wuss­ten Hand­be­we­gung weg – nur um die­se, kaum einen Moment spä­ter, erneut und deut­lich bewuss­ter unter mei­nem Am zu spü­ren. Bevor ich mich ver­se­he, fol­gen der Schnau­ze zwei Pfo­ten, und kurz dar­auf schiebt sich ein Hun­de­kopf tri­um­phie­rend zwi­schen mich und den Bild­schirm.
+++++»Was machst du da?«, fragt er, streckt sich, und wäh­rend er gähnt schlägt mir der sau­re Geruch von halb­ver­dau­tem Fisch ent­ge­gen.
+++++»Auf jeden Fall fra­ge ich mich nicht mehr, was du zum Früh­stück geges­sen hast.«
+++++»Das woll­te ich aber gar nicht wis­sen«, sagt er und beißt sich gespielt auf die Ober­lip­pe.
+++++»Wenn du es genau wis­sen willst«, ant­wor­te ich, »ich schrei­be«.
+++++»Was denn?«
+++++»Dass du mor­gen zwei Jah­re alt wirst«, sage ich, »auch wenn es mir gera­de wirk­lich schwer fällt, das zu glau­ben«. Kurz schaut er mich fra­gend an, dann kral­len sich sei­ne bei­den Vor­der­pfo­ten in mei­nen Ober­schen­kel und er zieht, halb im Sprung, die Hin­ter­läu­fe nach. Ich stöh­ne auf. »Och, Zion, meinst du nicht, dass man mit zwei Jah­ren viel­leicht ein biss­chen zu groß ist, um noch auf dem Schoß zu sit­zen?«
+++++»Ich find’s pri­ma«, sagt er und grinst.
+++++»Stimmt, du fin­dest es ja auch pri­ma, wenn man dich Baby nennt«, kon­te­re ich, »viel­leicht soll­te ich dar­über etwas schrei­ben?« Ver­gnügt beob­ach­te ich, wie sein Grin­sen gefriert.
+++++»Das … das kannst du nicht.« Ent­schlos­sen springt er von mei­nem Schoß und läuft zur Tür.
+++++»Doch, kann ich. Hab’ ich gra­de.« Auf dem Bild­schirm vor mir blin­ken vier Buch­sta­ben.
+++++»Wer soll mich denn da noch ernst neh­men?« Er bleibt im Tür­rah­men ste­hen, rollt sich seuf­zend zusam­men und lässt, mir den Rücken zuge­kehrt, den Kopf zwi­schen den Pfo­ten ver­schwin­den. Nur die wei­ße Schwanz­spit­ze lugt noch neu­gie­rig um die Ecke.
+++++»Wer ist das Ba-by?«, fra­ge ich mit bass­tö­nen­der Stim­me. Nichts pas­siert. »Wer ist das Baaa-by?«, ver­su­che ich es erneut. Die wei­ße Schwanz­spit­ze zuckt, dann trap­peln Pfo­ten auf den Die­len.
+++++»Ich?«, fragt er und legt den Kopf auf mein Knie.
+++++»Nur du«, sage ich, »und das wirst du auch immer blei­ben«.

Arix, Edda, Lou, Zion, Gon­zo und Liv – mei­ne A’s – fei­ern heu­te ihren 2. Geburts­tag. Und auch wenn die Sechs längst kei­ne Babies mehr sind, wer­den sie es für mich doch immer blei­ben. Weil sie mei­ne ers­ten waren. Ihr Sechs – wie auch immer ihr euren Tag mit euren Men­schen ver­bringt – ihr bleibt ein­zig­ar­tig, ihr bleibt beson­ders!

© Johannes Willwacher