13|11|2015 – Die A’s fei­ern ihren 3. Geburts­tag

Ich bin zu früh dran, als ich am Mon­tag­mor­gen vor dem Laden­ge­schäft ein­par­ke. Durch die mit bun­ter Rekla­me bekleb­ten Schei­ben erken­ne ich zwar, dass das Decken­licht brennt und die schnur­ge­ra­den Gän­ge zwi­schen den Rega­len erhellt sind, blei­be aber vor ver­schlos­se­nen Türen ste­hen. Ein Auf­kle­ber am unte­ren Rand der Ein­gangs­tür weist mich dar­auf hin, dass das Geschäft erst gegen neun Uhr öff­net und ich mich dem­nach noch eine Vier­tel­stun­de gedul­den muss, also lau­fe ich zurück zum Auto, klop­fe im Vor­bei­ge­hen an das beschla­ge­ne Glas der Heck­klap­pe, hin­ter der mich drei Hun­de neu­gie­rig beäu­gen, und stei­ge wie­der ein. Wäh­rend die Hun­de in mei­nem Rücken ange­strengt hecheln und sich der Innen­raum des Fahr­zeugs bald mit allen Gerü­chen füllt, die das spät­herbst­li­che Feld zu bie­ten hat, fra­ge ich mich, ob unter all die­sen Gerü­chen auch noch etwas ist, das an die Geburt unse­rer ers­ten bei­den Wel­pen erin­nert – an Arix und Edda, die auf dem Hin- und dem Rück­weg zu unse­rem Tier­arzt in eben die­sem Auto gebo­ren wor­den sind. Ich weiß nicht, wie oft ich die­se Geschich­te erzählt habe, und mit­un­ter habe ich sogar selbst das Gefühl, sie gar nicht erlebt, son­dern nur erzählt bekom­men zu haben. Mit jedem Erzäh­len wird das, was wahr ist, mehr und mehr zur Erzäh­lung – aber viel­leicht ist das mit allen Erin­ne­run­gen so.

Viel­leicht gilt das auch für die Men­schen, die damals, vor drei Jah­ren, auf die Geburt ihres Wel­pen gewar­tet haben – viel­leicht ist auch dort an die Stel­le auf­ge­reg­ter Erwar­tung ein ande­res Gefühl gerückt, eines, das weder ganz im Hier und Jetzt, noch ganz im Ges­tern ist. Weder noch, weil es nie leicht fällt sich zu erin­nern, wie das eige­ne Leben aus­ge­se­hen haben mag, ohne die­sen Wel­pen – ohne einen Hund.

Drei Jah­re, den­ke ich, als ich schließ­lich die Licht­schran­ke pas­sie­re und die Ein­gangs­tür vor mir sich auto­ma­tisch auf­schiebt. Wäh­rend ich zwi­schen den meter­ho­hen Rega­len umher wan­de­re und sich mei­ne Arme nach und nach mit Lecke­rei­en fül­len, die zuhau­se ver­packt und mit Namens­schil­dern ver­se­hen wer­den sol­len, sehe ich in Gedan­ken sechs Wel­pen durch die Gän­ge tol­len: Arix und Edda, Lou und Zion, Gon­zo und Liv.

Alles Gute zum drit­ten Geburts­tag, mei­ne A’s! Die Ers­ten ver­gisst man nie.

© Johannes Willwacher