Border Collie beim Hüten
20|09|2026 – Leev (Broad­me­a­dows Love Shi­ne a Light) hat den NHAT bestanden

Das Berufsbild des Border Collies hat sich in den vergangenen hundert Jahren erheblich erweitert. Im Kleingedruckten steht allerdings noch immer dasselbe.

Der Bor­der Col­lie ist ein Hüte­hund. Das klingt zunächst nach einer voll­kom­men über­flüs­si­gen Infor­ma­ti­on, unge­fähr so wie der Hin­weis, dass ein Dackel eher läng­lich ist oder Was­ser bei ent­spre­chen­der Nut­zung nass sein kann.

Trotz­dem kann man es gele­gent­lich ver­ges­sen. Das liegt ver­mut­lich dar­an, dass sich die Berufs­be­schrei­bung des Bor­der Col­lies in den ver­gan­ge­nen hun­dert Jah­ren erheb­lich erwei­tert hat. Heu­te arbei­tet er als Agi­li­ty­hund, Obe­dien­ce­hund, Ret­tungs­hund, Man­trai­ler, The­ra­pie­hund, Aus­stel­lungs­hund und gele­gent­lich als hoch spe­zia­li­sier­ter Mit­ar­bei­ter für die Über­wa­chung von Eich­hörn­chen am Gar­ten­zaun. Man­che ver­wal­ten Ten­nis­bäl­le. Ande­re haben es sich zur Lebens­auf­ga­be gemacht, Men­schen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es 18.03 Uhr ist und das Abend­essen bis­lang nicht statt­ge­fun­den hat.

Ursprüng­lich war die Sache über­sicht­li­cher. Da waren Scha­fe. Sie stan­den an einem Ort, an dem sie nicht ste­hen soll­ten, und der Bor­der Col­lie hat­te dafür zu sor­gen, dass sie anschlie­ßend an einem ande­ren Ort stan­den. Dafür brauch­te es Aus­dau­er, Geschwin­dig­keit, Intel­li­genz, eine gewis­se Bereit­schaft zur Zusam­men­ar­beit und jene beson­de­re Art, ande­re Lebe­we­sen allein durch einen Blick davon zu über­zeu­gen, ihre bis­he­ri­gen Lebens­ent­schei­dun­gen noch ein­mal grund­sätz­lich zu überdenken.

Über Gene­ra­tio­nen wur­de genau danach selek­tiert. Nicht danach, ob die wei­ße Hals­krau­se sym­me­trisch war. Nicht danach, ob jemand beson­ders ele­gant um einen roten Plas­tik­ke­gel lau­fen konn­te. Und ziem­lich sicher hat sich kein Schä­fer in den schot­ti­schen Bor­ders sei­nen Hund ange­se­hen und gedacht: Ein biss­chen mehr Vor­brust wäre schön.

Das Inter­es­san­te an alten Berufs­be­schrei­bun­gen ist aller­dings, dass sie nicht auto­ma­tisch ver­schwin­den, nur weil die meis­ten Stel­len inzwi­schen ander­wei­tig besetzt wur­den. Sie ste­hen noch irgend­wo im Klein­ge­druck­ten. In Abstam­mun­gen, Bewe­gungs­mus­tern, Reak­tio­nen. Manch­mal deut­li­cher, manch­mal kaum noch les­bar. Und natür­lich genügt es nicht, »Bor­der Col­lie« auf einen Hund zu schrei­ben und anschlie­ßend dar­auf zu war­ten, dass er weiß, was mit zwei­hun­dert Scha­fen zu tun ist. Talent ersetzt kei­ne Aus­bil­dung. Her­kunft kei­ne Erfah­rung. Und Instinkt ist noch lan­ge kei­ne fer­ti­ge Gebrauchsanweisung.

Viel­leicht ist es gera­de des­halb schön, wenn ein Bor­der Col­lie Gele­gen­heit bekommt, sich mit sei­ner ursprüng­li­chen Berufs­be­schrei­bung tat­säch­lich zu beschäftigen.

Leev hat die­se Gele­gen­heit schon früh bekom­men: Bei San­dra gehö­ren Scha­fe und Zie­gen zum All­tag, ihr Inter­es­se dar­an war früh erkenn­bar und wur­de seit­her im Trai­ning wei­ter­ent­wi­ckelt. Ges­tern gab es dafür in Blan­ken­heim unter Rich­ter Horst Lud­wig (FCI/CfBrH) nun auch den ers­ten offi­zi­el­len Haken: Broad­me­a­dows Love Shi­ne a Light hat ihren NHAT bestanden.

Herz­li­chen Glück­wunsch, Leev – und natür­lich auch Sandra.

© Johannes Willwacher