21|08|2013 – Schön, wenn man Hil­fe beim Foto­gra­fie­ren hat

Ever­y­bo­dy needs his memo­ries.
They keep the wolf of insi­gni­fi­can­ce from the door.
– Saul Bel­low

Schwer atmend und mit hoch­ro­tem Kopf ste­he ich vor dem Kühl­schrank. Ich öff­ne die Tür und mei­ne Hand greift ins Lee­re. An der Stel­le, an der ich eine Fla­sche kal­ten Was­sers zu fin­den glaub­te, ist nichts. Ich erin­ne­re, die Fla­sche auf dem Tisch im Gar­ten abge­stellt zu haben, schaue aus dem Fens­ter – da ist sie –, male mir den Geschmack von lau­war­mem Was­ser, das gut eine Stun­de in der Mit­tags­son­ne gestan­den hat aus und ärge­re mich. Wäh­rend ich den Hahn auf­dre­he, um zumin­dest mei­nem Kopf etwas Abküh­lung zu ver­schaf­fen, den­ke ich, dass man viel zu schnell ver­gisst, wie anstren­gend es ist, einen acht Wochen alten Wel­pen zu foto­gra­fie­ren.

Nells Wel­pen zu foto­gra­fie­ren war ver­gleichs­wei­se ein­fach, denn Nells Wel­pen waren alle ein wenig wie Nell. Weil Idas Wel­pen alle ein wenig wie Ida sind, haben sie – was zu erwar­ten war –, nicht nur sehr wenig Lust dar­auf, mir Modell zu ste­hen, son­dern zumeist auch ande­re Plä­ne. Zu ent­de­cken, was sich hin­ter der Hecke ver­birgt, viel­leicht. Oder zwei Mal um den Wel­pen­aus­lauf zu hüp­fen. Einen Strauß aus Kat­zen­min­ze zu pflü­cken. Oder aus­zu­pro­bie­ren, wie ein Tele­ob­jek­tiv schmeckt.

Man ver­gisst viel zu schnell, wie anstren­gend es ist, einen acht Wochen alten Wel­pen zu foto­gra­fie­ren. Aber man erin­nert sich immer an die­se acht Wochen.

© Johannes Willwacher