Unterwegs mit den Hunden, die Kamera im Gepäck: Während unsere drei Border Collies nur baden wollen, streiten wir uns über die richtige Wurftechnik. Kennen Sie das auch?

»Du musst wei­ter nach rechts wer­fen«, rufe ich so laut es geht vom schräg gegen­über lie­gen­den Ufer her­über, kom­me aber kaum gegen das Bel­len an, das sich an den stei­len Basalt­wän­den des Stein­bruchs bricht und – hun­dert­fach ver­stärkt – über dem See wider­hallt. Hier und da lässt ein lei­ser Wind sich die Ober­flä­che kräu­seln, so dass das dunk­le Grün des Wal­des, das sich dar­in spie­gelt, fei­ne Ris­se bekommt, die gleich wie­der zer­flie­ßen. Nur dort, wo die Hun­de bis zum Bauch im Was­ser ste­hen, schäumt es.

»Wenn du zu weit nach links wirfst, kann ich nicht fokus­sie­ren«, rufe ich noch ein­mal, »links fällt das Ufer zu steil ab und bevor ich den Schär­fe­punkt set­zen kann, hat das Was­ser die Hun­de ver­schluckt«. Das Fris­bee fliegt in einer kon­stan­ten Kur­ve an mir vor­bei und kommt mit einem Klat­schen, viel zu weit vom Ufer ent­fernt, auf der Ober­flä­che auf. Die Hun­de rüh­ren sich nicht, der Mann in ihrer Mit­te brüllt. Ich las­se den Objek­tiv­de­ckel kli­cken, ver­staue die Kame­ra in der gut gepols­ter­ten, grau­en Umhän­ge­ta­sche, und schlu­cke gera­de so ein unter­drück­tes »Hab’ ich doch gesagt!« herunter.

Dass wir den ein­sam gele­ge­nen Stein­bruch­see ganz für uns haben, mag an der Tages­zeit lie­gen, denn im Gegen­satz zu den frü­hen Mor­gen­stun­den ist jener in den Som­mer­mo­na­ten ab der Mit­tags­zeit meist gut besucht – davon zeu­gen nicht nur halb ein­ge­drück­te Geträn­ke­do­sen, die ver­ges­sen zwi­schen den gelb auf­ge­flamm­ten Gins­ter­bü­schen lie­gen, auch aus­ge­brann­te Feu­er­stel­len und Res­te von Grill­gut fin­den sich auf dem schma­len Grün­strei­fen, der den See zum Wald hin beschließt: Ver­bots­schil­der sind immer auch eine Ein­la­dung, das Ver­bo­te­ne trotz­dem zu tun.

Das bringt mich auf eine Idee. »Wirf das Fris­bee doch ein­mal über die Stei­ne nach links«, rufe ich, zücke die Kame­ra und stüt­ze das gut ein­ein­halb Kilo­gramm schwe­re Objek­tiv auf dem frei­en Arm ab, »stell dir ein­fach eine gera­de Linie als Ver­län­ge­rung der Stei­ne vor – das soll­te schon pas­sen – auf kei­nen Fall nach rechts«. Das Fris­bee segelt nach rechts und ich drü­cke ab. Mit­un­ter sind es nicht die Hun­de, die erzo­gen wer­den müssen.

© Johannes Willwacher

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