21|10|2015 – Die Sie­ben erkun­den den Gar­ten

Nichts ist so erfri­schend wie ein
beherz­ter Schritt über die Gren­zen.
– Keith Haring

Die ers­ten Minu­ten ver­strei­chen, ohne dass es einer der Wel­pen wagt, sich zu bewe­gen. Dort, wo die Hasel­sträu­cher den Gar­ten vom Geh­weg tren­nen, wühlt eine Amsel im feuch­ten Laub, dahin­ter don­nert ein Last­wa­gen die unebe­ne Stra­ße hin­un­ter. In einem der Nach­bar­gär­ten bellt ein Hund, Fuß­gän­ger eilen im Gespräch vor­bei, ein Motor­rad wird gestar­tet und säuft knat­ternd wie­der ab. Die Sie­ben lie­gen dicht anein­an­der gedrückt auf dem schwar­zen Filz, auf dem ich sie abge­setzt habe, und las­sen die pel­zi­gen Ohren flat­tern – lie­gen so lan­ge, bis sich der Ers­te traut, eine Pfo­te auf den mit Blät­tern über­sä­ten Rasen zu set­zen und zögernd der Neu­gier den Vor­zug zu geben. Schnell folgt der Zwei­te, steckt die Nase ins Laub und atmet ein.

Man müss­te wohl ein Wel­pe sein, um zu ver­ste­hen, dass manch­mal ein Geruch allein aus­reicht, um die Gren­zen der eige­nen Welt ein­zu­rei­ßen. Dem Frem­den mit Neu­gier zu begeg­nen, sich ein­zu­las­sen auf das, was Unbe­kannt ist, gelingt uns Men­schen viel zu oft nicht.

© Johannes Willwacher