04|11|2015 – Die letz­ten zehn Tage der Welpenzeit

Sin­ce you went away the days grow long
and soon I’ll hear old winter’s song.
But I miss you most of all my darling
when autumn lea­ves start to fall.
– John­ny Mercer, »Autumn Lea­ves« (1950)

Zwei Wochen lang ist der Gar­ten ein Aben­teu­er – und neun Qua­drat­me­ter (eben genau die Grö­ße, die der Wel­pen­aus­lauf hat) sind eine gan­ze Welt. Bald schon ist jeder Win­kel erkun­det, jeder Gras­halm bekannt und der Kirsch­baum, der sich alt und knor­rig in der Mit­te des Aus­laufs erhebt, bei­na­he tau­send Mal umrun­det. Bald schon wird das Klei­ne zu klein, die Klei­nen zu groß und der Aus­lauf, der mit Git­tern fest­zu­hal­ten sucht, was nicht fest­zu­hal­ten ist, ein Gefäng­nis. Die Welt dahin­ter war­tet, unauf­halt­sam, und weil zum Wach­sen und Wer­den immer auch das Los­las­sen gehört, herrscht in den letz­ten zehn Tagen, egal was man tut, immer mehr das Gefühl von Abschied vor. Dar­über rauscht der Kirsch­baum, die Blät­ter leuch­tend gelb – und dann und wann pflückt der Wind eines der Blät­ter von den Zwei­gen, weht es hier­hin, bald dort­hin, bis es schließ­lich aus den Augen und end­lich etwas ande­res ist.

Als Züch­ter ver­sucht man sich ger­ne ein­zu­re­den, dass man froh ist, nicht mehr fort­wäh­rend auf den Knien her­um­krie­chen zu müs­sen und nach neun Wochen, in denen man zum Wohl der Wel­pen alles ande­re ver­nach­läs­sigt hat, auch wie­der ein­mal an sich selbst den­ken zu dür­fen. Das mag in vie­len Momen­ten gelin­gen – in man­chen gelingt es aber nicht. Dann steht man da, hält einen Wel­pen auf dem Arm, ver­sucht an Auto­fahr­ten, das ers­te Hals­band, an Bürs­ten und Baden oder sonst etwas zu den­ken, das man den Wel­pen noch mit auf den Weg geben muss, spürt aber doch nur die­sen Kloß im Hals, der mit jedem Tag – ganz so wie die Wel­pen –, grö­ßer wird.

When autumn lea­ves start to fall …

© Johannes Willwacher

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