06|11|2016 – Zion: schon wieder sauber, noch nicht ganz trocken
06|11|2016 – Zion: schon wie­der sau­ber, noch nicht ganz tro­cken

Der Herbst ist: die beste Jahreszeit für Schmutzfinken. Und Humor, so heißt es: wenn man trotzdem lacht. In diesem Sinne: Hunde, Herbst und – womöglich nicht ganz ernstzunehmende – harsche Worte.

Wir müs­sen reden. Weil – so geht es nicht wei­ter. Wir müs­sen reden, du und ich. Und auch wenn ich weiß, dass du bloß Bruch­stü­cke von dem ver­stehst, was ich zu sagen habe – das weiß letzt­end­lich wohl jeder, der schon ein­mal einen die­ser wich­tig­tue­ri­schen Erzie­hungs­ratge­ber in der Hand gehal­ten hat, von denen heu­te immer wie­der die Rede ist –, und es mir den­noch kaum gelingt, das, was ich mir von dir wün­sche, mit weni­gen Wor­ten aus­zu­drü­cken – Drei-Wort-Sät­ze wer­den im Rat­ge­ber-Deutsch dazu emp­foh­len –, hilft es doch nichts. Nein, wir müs­sen reden. Selbst, wenn nur ich dabei rede, und du bloß brummst und knurrst, dich mit ver­dreh­tem Blick hin­ter den Ohren kratzt, oder sonst etwas tust, das dei­ner Art ent­spricht, – selbst, wenn mich trotz der vie­len Jah­re, die wir zusam­men­le­ben, noch immer Zwei­fel beschlei­chen, ob du uns auf die glei­che Wei­se, uns wie ich als »Wir« begreifst. Begnü­ge dich also, wenn du magst, damit zuzu­hö­ren, und wenn nicht, gib mir zumin­dest das Gefühl, dass du mei­nen Wor­ten folgst und nicht über dei­nen Lieb­lings­platz im Gar­ten, den nächs­ten Spa­zier­gang oder das Abend­essen nach­denkst. Sitzt du gemüt­lich? Dann bleib.

Es ist – wie soll ich es sagen –, es ist der Dreck, den du von drau­ßen her­ein­trägst, die klei­nen Blät­ter und Stöck­chen, die von dir her­un­ter rie­seln, wenn du dich schüt­telst, das Gras, die feuch­te Erde, – kurz: der Dreck, den du in einem fort auf den Die­len ver­teilst.

Es ist – und ich kann wohl kaum anders, als dir Berech­nung zu unter­stel­len – die­se eigen­tüm­li­che Ange­wohn­heit, immer genau dann in die Küche zu plat­zen, wenn gera­de geputzt wor­den ist. Wann immer ich den Lap­pen aus der Hand lege, weiß ich dich schon in der Tür – bei­na­he so, als wür­de der blank polier­te Flie­sen­spie­gel dei­nen Appe­tit befeu­ern, als sei an den Geruch schar­fer Putz­mit­tel das hef­ti­ge Ver­lan­gen geknüpft, zu kau­en, zu schlür­fen und zu kle­ckern. Weil es näm­lich unter dei­ner Wür­de wäre, einen win­zi­gen Tel­ler zu benut­zen – mei­net­we­gen auch eine Scha­le oder einen Napf –, benutzt du statt­des­sen grund­sätz­lich den Gro­ßen, will hei­ßen: den Fuß­bo­den, scharrst und streckst dich, und ver­krü­melst dich schließ­lich, ohne auch nur ein­mal auf, mich an oder zurück­zu­schau­en. Die Krü­mel blei­ben lie­gen.

16|11|2016 – Fußboden in Herbststimmung
16|11|2016 – Fuß­bo­den in Herbst­stim­mung

Es ist – und ver­ste­he mich bit­te nicht falsch – all das, was du lie­gen lässt, was von dir aus Schub­la­den und Schrän­ken her­aus­ge­zerrt und – kaum benutzt – ver­ges­sen wird, um an Ort und Stel­le Staub anzu­set­zen. Ich bin müde dir hin­ter­her zu räu­men, nachts über Din­ge zu stol­pern, die dort nicht hin­ge­hö­ren – und selbst wenn es Kno­chen sind, die ich dir hin­ge­wor­fen habe, bin ich es leid dar­über zu fal­len.

Weil – Dirk – das selbst die Hun­de bes­ser hin­be­kom­men und du frag­los alles ande­re bist, als ein Hund.

Jetzt schau doch nicht so. Wer ist ein Fei­ner?

© Johannes Willwacher