Wir erwarten Welpen
Wir erwar­ten Wel­pen

Viele Dinge beginnen mit »E«: Egon, Erkenntnis, Eis und Schnee – aber auch der erste Blick auf unsere Border Collie Welpen!

Es ist gera­de zehn Uhr durch, als wir die Tier­arzt­pra­xis betre­ten – Nell schüt­telt sich aus­gie­big, wei­ße Flo­cken wir­beln aus ihrem Fell, und auch ich klop­fe auf der Fuß­mat­te mit fes­ten Schrit­ten den Schnee ab, der an mei­nen knie­ho­hen Gum­mi­stie­feln klebt. Die Tier­arzt­hel­fe­rin ruft mir im Vor­bei­ge­hen zu, dass der Behand­lungs­raum noch her­ge­rich­tet wer­den muss, ich mit Nell des­halb noch einen Augen­blick im War­te­zim­mer platz­neh­men soll, die dar­auf fol­gen­de Fra­ge gilt dem Wet­ter. »Um neun hät­te ich es wohl kaum geschafft«, ant­wor­te ich, »die Stra­ßen sind noch immer nicht geräumt und zwi­schen Ren­nerod und Bad Mari­en­berg sind gleich meh­re­re Last­wa­gen lie­gen geblie­ben, leicht zu fah­ren war das nicht«. Sie nickt. »Jetzt haben Sie es ja geschafft«, sagt sie und ver­schwin­det hin­ter einer der Türen auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Flu­res. »Bei­na­he«, den­ke ich und schie­be die Tür zum War­te­zim­mer auf. Der Raum ist leer. »Es muss sich wohl schon um Wich­ti­ges han­deln«, sage ich zu mir selbst, »wenn man bei die­sem Wet­ter frei­wil­lig das Haus ver­lässt«.

Das Sturm­tief, das in der Nacht zum Frei­tag mit Eis und Schnee auch über den Wes­ter­wald gezo­gen ist, hat man »Egon« getauft. Kein Name, der beson­ders schön oder sel­ten ist, zuge­ge­ben, und wohl eben­so wenig einer, den man sich aus­su­chen wür­de, um sein Kind, sei­nen Hund oder sei­ne Schnee­schau­fel danach zu benen­nen – mir ent­lockt er am Frei­tag­mor­gen aber doch ein Lächeln. War­um? Nun – weil er mit »E« beginnt.

13|01|2017 – Ultraschalltermin

»Die sie­ben Jah­re sieht man ihr gar nicht an«, sagt der Tier­arzt, wäh­rend er mit dem Rasie­rer behut­sam am Bauch der auf dem Rücken lie­gen­den Hün­din ent­lang fährt. Ich knie am ande­ren Ende des Behand­lungs­tischs, hal­te die Vor­der­pfo­ten der Hün­din fest in mei­nen Hän­den und ver­su­che beru­hi­gend auf sie ein­zu­re­den, bis das Brum­men des Rasie­rers ver­stummt. Dort, wo das Fell ent­fernt wor­den ist, liegt der Blick nun frei auf eine Rei­he gerö­te­ter Zit­zen, die gut ent­wi­ckelt und schon deut­lich ange­schwol­len sind, und weil der Tier­arzt gera­de nach mei­nem Gefühl – träch­tig oder nicht – fragt, erwäh­ne ich auch das. Er nickt, legt den Rasie­rer bei­sei­te und nimmt eine wei­ße Fla­sche zur Hand, die zu sei­ner Lin­ken kopf­über in einer Hal­te­rung des Ultra­schall­ge­räts steckt, kreist damit über dem Bauch der Hün­din und drückt zwei­mal fest zu. Nell zuckt kurz zusam­men, lässt es sich dann aber ger­ne gefal­len – unter dem Druck des Schall­kopfs, der gleich dar­auf auf­ge­setzt wird, wird das kal­te Gel schnell warm. Auf ein Zei­chen wird das Licht gelöscht, nur noch der blau leuch­ten­de Moni­tor erhellt den Raum – und kaum einen Moment spä­ter schiebt sich die ers­te sicht­ba­re Frucht­bla­se in den tra­pez­för­mi­gen Aus­schnitt des Ultra­schall­bilds. »Hal­lo, Egon«, sage ich in Gedan­ken zu einem der win­zi­gen, wild schla­gen­den Her­zen, »schön, dass du da bist«.

Der Ultra­schall hat es also bestä­tigt: Mit­te Febru­ar erwar­ten wir Nells letz­te Wel­pen – unse­ren E-Wurf. Weil Egon aber wirk­lich kein all­zu schö­ner Name ist, wir außer­dem ger­ne dem Prin­zip treu blei­ben wol­len, die Wel­pen nach Musik­stü­cken zu benen­nen, und unser eige­ner Fun­dus doch eher begrenzt aus­fällt, freu­en wir uns bei der Namens­su­che auch über jeden eurer Vor­schlä­ge!

© Johannes Willwacher