02|04|2017 – Abenteuer im Wald: unsere Welpen in der 6. Lebenswoche
02|04|2017 – Aben­teu­er im Wald: unse­re Wel­pen in der 6. Lebens­wo­che

Es gibt nicht wenige Märchen, denen der Wald als Kulisse dient. Und in ebenso vielen zieht jemand in die Welt, um etwas zu lernen. Mit unseren Welpen haben wir einmal beides versucht …

Fast zwei­hun­dert Jah­re bevor die Brü­der Grimm den ers­ten Band ihrer »Kin­der- und Haus­mär­chen« her­aus­brach­ten, hat­te der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Giam­bat­tis­ta Basi­le mit dem »Pen­ta­me­ron« – dem Mär­chen der Mär­chen – bereits eine ähn­li­che Samm­lung begon­nen, die von sei­ner Schwes­ter nach sei­nem Tod ver­öf­fent­licht wur­de. Wäh­rend man­che der gesam­mel­ten Mär­chen auf­fäl­li­ge Ähn­lich­kei­ten zu denen der bei­den hes­si­schen Brü­der auf­wei­sen mögen und man sich bei der einen oder ande­ren Erzäh­lung an »Aschen­put­tel«, »Rapun­zel« oder den »König Dros­sel­bart« erin­nert fühlt, ist doch man­che dar­un­ter, die ganz neu, ganz unbe­kannt klingt. Eine davon ist die sieb­te Erzäh­lung des fünf­ten Tages: das »Mär­chen von den fünf Söh­nen«. Und das lau­tet in etwa so …

02|04|2017 – Abenteuer im Wald: unsere Welpen in der 6. Lebenswoche
02|04|2017 – Aben­teu­er im Wald: unse­re Wel­pen in der 6. Lebens­wo­che

In einer wind­schie­fen Hüt­te im Wald leb­te ein Vater, der hat­te fünf Söh­ne. Der Vater war schon alt, hat­te sich sein Leben lang geplagt, bemüht, die Söh­ne gut zu ver­sor­gen und es ihnen an nichts feh­len zu las­sen – die Söh­ne aber waren bloß faul und gefrä­ßig, lagen den lie­ben, lan­gen Tag in der Son­ne und dach­ten nicht im Traum dar­an, dem Vater bei der Arbeit zu hel­fen. Als der Vater eines Tages zu der wind­schie­fen Hüt­te zurück­kam – die Kie­pe mit vie­len Klaf­tern Holz bela­den, die er im Wald geschla­gen hat­te –, und sah, dass die Fünf nicht nur die Vor­rä­te auf­ge­ges­sen, den Milch­krug zer­bro­chen und sich einen Spaß dar­aus gemacht hat­ten, mit erd­brau­nen Füßen durch die Bet­ten zu sprin­gen, son­dern auch noch immer ihre Nacht­ge­wän­der tru­gen, reich­te es ihm und mit gro­ßem Don­ner­wet­ter rief er sei­ne Söh­ne her­bei. Dass er sie lie­be, ließ er sie wis­sen, dass es aber so nicht wei­ter­ge­hen kön­ne, sie für ein Jahr hin­aus in die Welt und etwas ler­nen müss­ten, das dem Vater zuträg­lich sei. Mur­rend pack­ten die Fünf also ihre Bün­del, umarm­ten den Vater ein letz­tes Mal – und nach­dem der Vater jedem noch ein­mal guten Mut zuge­spro­chen und Glück gewünscht hat­te, zog jeder von ihnen aus in den Wald, jeder in eine ande­re Rich­tung davon.

Kurz und gut: nach Jah­res­frist kehr­ten die fünf Söh­ne zum Vater zurück und ein jeder berich­te­te mit stolz­ge­schwell­ter Brust, wel­che Aben­teu­er er auf sei­nen Rei­sen erlebt, was man ihm gelehrt hat­te. Der Ältes­te war unter die Die­be gegan­gen und hat­te sich dar­in geübt, die Man­tel­ta­schen rei­cher Bür­ger um die Geld­bör­sen zu erleich­tern, hat­te Läden aus­ge­raubt und man­chem Wirt die Wurst vom Tisch gestoh­len. Der Zwei­te und der Drit­te hat­ten gelernt Schif­fe zu bau­en und mit der Arm­brust zu schie­ßen, der Vier­te ein Kraut gefun­den, das Tote zum Leben erweckt, und der Jüngs­te es sich schließ­lich zu eigen gemacht, die Spra­che der Vögel zu ver­ste­hen.

Der Rest der Geschich­te ist schnell erzählt. Dem Jüngs­ten zwit­scher­te ein Vogel von einer schö­nen Prin­zes­sin zu, die ein wil­der Mann ent­führt und auf einen ein­sa­men Fels im Meer gebracht hat­te – der Piep­matz erzähl­te außer­dem, dass der König in gro­ßer Sor­ge sei und dem­je­ni­gen, der ihm die Toch­ter wie­der bräch­te, deren Hand ver­sprä­che. Wäh­rend die Din­ge, die man den Fün­fen gelehrt hat­te, für sich genom­men kaum beson­ders waren, erfüll­ten ver­eint doch alle ihren Zweck: gemein­sam gelang es ihnen zu dem ein­sa­men Fel­sen zu segeln, den wil­den Mann zu über­lis­ten, ihn mit Pfeil und Bogen auf den Mee­res­grund zu schi­cken und die Prin­zes­sin, die aus lau­ter Angst die Lebens­geis­ter aus­ge­haucht hat­te, zurück ins Leben zu holen. Die Söh­ne beka­men ihren Lohn, der Vater die Prin­zes­sin. Ende gut, alles gut.

02|04|2017 – Abenteuer im Wald: unsere Welpen in der 6. Lebenswoche
02|04|2017 – Aben­teu­er im Wald: unse­re Wel­pen in der 6. Lebens­wo­che

Ein ver­wun­sche­ner Wald – und fünf Wel­pen, die gemein­sam mit ihrer Mut­ter die Welt erkun­den: es wird jedem ein­leuch­ten, war­um mir gera­de die­se Geschich­te – die ich, zuge­ge­ben, ziem­lich nach­läs­sig nach­er­zählt habe – nach unse­rem gemein­sa­men Aus­flug in den Wald ein­ge­fal­len ist. Wie für die fünf Brü­der, wird es auch für unse­re fünf Wel­pen lang­sam Zeit, mehr von der Welt zu ent­de­cken – zu ler­nen, sich aus­zu­pro­bie­ren und zu erfah­ren, was noch in ihnen steckt. Der eine hat es dabei viel­leicht ein­fa­cher, als der ande­re – ist wage­mu­ti­ger und neu­gie­ri­ger, wo sich der ande­re eher zurück­hal­tend und schüch­tern zeigt, sich noch ein wenig mehr auf den Schutz und die Für­sor­ge der Mut­ter ver­lässt. In den letz­ten Wochen der Wel­pen­zeit tun wir unser bes­tes, um jeden unse­rer Wel­pen ent­spre­chend sei­ner Anla­gen zu för­dern, ihm die Angst zu neh­men und mög­lichst viel von der Welt, die auf ihn war­tet, zu zei­gen. Auch wenn uns dafür nicht – wie dem Alten in der Geschich­te – die Hand der Prin­zes­sin winkt.

© Johannes Willwacher