Foto des Monats: »Ellie«, Broadmeadows Celebrity Skin
Foto des Monats: »Ellie«, Broad­me­a­dows Cele­bri­ty Skin

Frühling, Frühling – ruft’s aus dem Wald. Und aus den Wiesen? Da klingen ganz andere Töne. Von den ersten warmen Sonnenstrahlen und lästigen Krabbeltieren.

Ich habe lan­ge geschla­fen. Wie lan­ge, weiß ich nicht – allein, dass die Son­ne mich geweckt hat und ich ent­setz­li­chen Hun­ger habe. Sie müs­sen wis­sen, dass ich an und für sich nie­mand bin, der unmä­ßig viel isst und ich in schlech­ten Zei­ten auch gut über­le­ben kann, ohne etwas zu mir zu neh­men, mir der lan­ge Win­ter aber ganz schön zuge­setzt hat. Sie soll­ten mich ein­mal sehen – ich weiß, das tun Sie nicht, denn fast immer gehen Sie gruß­los an mir vor­bei –, so ein­ge­fal­len bin ich. Da ich nun aber wach bin und die Tage wie­der län­ger wer­den, wird sich das wohl bald ändern. »Man muss nur war­ten kön­nen«, lau­tet eine Redens­art, die unter mei­nes­glei­chen geläu­fig ist, und genau das wer­de ich nun tun. War­ten. Nichts, das ich bes­ser kann.

Foto des Monats: »Joey«, Broadmeadows Black Diamond
Foto des Monats: »Joey«, Broad­me­a­dows Black Dia­mond

Wenn der Schnee schmilzt und die ers­ten war­men Son­nen­strah­len die Wie­sen grü­nen, Schnee­glöck­chen und Kro­kus­se blü­hen las­sen, hat man­cher Hun­de­mensch sie ger­ne ver­ges­sen – das nicht, weil sie so klein und unschein­bar ist, und auch nicht, weil man sie leicht über­sieht, son­dern viel mehr, weil sie mit dem ers­ten Frost aus dem Bewusst­sein des Hun­de­freun­des ver­schwin­det und erst dann zurück­kehrt, wenn das Früh­jahr Ein­zug hält: die Zecke. Klein und gemein, ver­dirbt sie schnell den Spaß an einem Spa­zier­gang über sat­te Früh­lings­wie­sen, macht Streif­zü­ge durch das Unter­holz zum Spieß­ru­ten­lauf und ver­an­lasst man­chen, sich unter lau­tem Geschrei die Hosen her­un­ter zu rei­ßen, weil es an der Wade, in den Knie­keh­len oder am Ober­schen­kel so eigen­ar­tig gekrib­belt hat. Wäh­rend Hun­de­men­schen aber nur dann und wann einen der läs­ti­gen Para­si­ten vom Spa­zier­gang mit nach Hau­se neh­men, wer­den unse­re Hun­de deut­lich häu­fi­ger von Zecken befal­len: da die Spin­nen­tie­re nichts mehr lie­ben, als mil­de Tem­pe­ra­tu­ren und eine feuch­te Wit­te­rung – zwi­schen zehn und zwan­zig Grad (nicht viel mehr, nicht viel weni­ger) soll­ten es bit­te­schön sein –, ver­geht gera­de im Früh­ling kaum ein Tag, an dem sich, im dich­ten Fell des Hun­des gut ver­steckt, kei­ne Zecke ein­ge­nis­tet und zuge­bis­sen hat. Obschon sich nur eini­ge Erre­ger in den Spei­chel­drü­sen befin­den und gleich mit dem Ein­stich auf den Hund über­tra­gen wer­den, sind nach dem Spa­zier­gang doch immer Sorg­falt und schnel­les Han­deln ange­zeigt: ein gründ­li­ches Absu­chen ver­hin­dert, dass der Groß­teil der Kei­me, der im Darm der Zecke sitzt, in das Wirtstier gelangt – etwa 16 bis 24 Stun­den muss eine Zecke dazu Blut getrun­ken haben.

Foto des Monats: »Iska«, Broadmeadows Beauty Queen
Foto des Monats: »Iska«, Broad­me­a­dows Beau­ty Queen

Ich habe in mei­nem Leben schon so man­chen Spa­zier­gän­ger belauscht, vie­le belä­chelt. Beson­ders jene, die mit über dem Kopf ver­schränk­ten Armen unter Bäu­men umher lau­fen, weil sie befürch­ten, eine mei­ner Schwes­tern könn­te von dort auf sie her­un­ter fal­len, belus­ti­gen mich. Bis­wei­len mag sich zwar wohl wirk­lich eine von uns in das Geäst eines Bau­mes ver­ir­ren – ich könn­te Ihnen da Geschich­ten erzäh­len, die ganz unglaub­lich sind –, da wir aber kaum mehr als fünf Meter in der Stun­de bewäl­ti­gen, lohnt der Weg den meis­ten nicht. Ich für mei­nen Teil bevor­zu­ge einen ordent­li­chen Gras­halm – nen­nen Sie mich ruhig kon­ser­va­tiv, aber mei­ne Erfah­rung sagt mir, dass im knie­ho­hen Gras die Wahr­schein­lich­keit am größ­ten ist, dass jemand vor­bei­streift und mich unbe­merkt mit sich nimmt –, einen fein geglie­der­ten, lan­gen Halm, auf dem es sich gut schau­keln lässt. Und dann war­te ich. Bis es nach Essen riecht. Dabei ist es voll­kom­men gleich­gül­tig, ob das Essen zwei oder vier Bei­ne hat, denn der Geruch ist immer gleich: ein wenig Urin, ein wenig Schweiß, ein wenig war­me Atem­luft. Jetzt dürf­te aber so lang­sam mal jemand kom­men. Ich bin schon ganz krank vor Hun­ger.

Foto des Monats: »Buddy«, Broadmeadows Body and Soul
Foto des Monats: »Bud­dy«, Broad­me­a­dows Body and Soul

Die häu­figs­te durch Zecken über­tra­ge­ne Krank­heit beim Hund ist die Bor­re­lio­se, die durch spi­ral­för­mi­ge Bak­te­ri­en – die Bor­re­li­en – aus­ge­löst und nach Schät­zun­gen von etwa einem Drit­tel aller Zecken über­tra­gen wird. Wäh­rend sich zwar vie­le Hun­de durch einen Zecken­biss mit den Bak­te­ri­en infi­zie­ren – nach sta­tis­ti­schen Anga­ben kommt etwa jeder fünf­te Hund in sei­nem Leben mit dem Erre­ger in Berüh­rung –, ent­wi­ckeln nur weni­ge deut­li­che oder zeit­wei­se Krank­heits­sym­pto­me. Über den Blut­kreis­lauf brei­ten sich die Bak­te­ri­en nach dem Biss rasch im Kör­per des Hun­des aus und befal­len neben den Gelen­ken auch Orga­ne, Gewe­be und Ner­ven – eine Immun­re­ak­ti­on tritt aber erst spät (etwa vier bis sechs Wochen nach der Infek­ti­on) und mit eher unspe­zi­fi­schen Sym­pto­men auf (betrof­fe­ne Hun­de zei­gen sich zumeist antriebs- und appe­tit­los, auch kann Fie­ber auf­tre­ten), und wird des­halb häu­fig nicht als sol­che erkannt. Gelingt es dem Immun­sys­tem nicht, den Erre­ger zu bekämp­fen, folgt nach Wochen oder Mona­ten ein zwei­ter Krank­heits­schub, der mit schmerz­haf­ten Ent­zün­dun­gen der Gelen­ke ein­her­geht.

Neben der Bor­re­lio­se kom­men in Deutsch­land vor allen Din­gen zwei wei­te­re, durch Zecken­bis­se über­tra­ge­ne Erkran­kun­gen vor: die Ana­plas­mo­se und die Babe­sio­se. Wäh­rend die Ana­plas­mo­se sym­pto­ma­tisch der Bor­re­lio­se ähnelt und auf­grund des zumeist mil­den Ver­laufs auch eben­so häu­fig uner­kannt bleibt, ver­läuft die Babe­sio­se-Erkran­kung, bei der die roten Blut­kör­per­chen des Hun­des zer­stört wer­den, nicht sel­ten akut: nach star­ken Fie­ber­schü­ben, die Tage bis Wochen nach dem Zecken­biss ein­set­zen, fal­len blas­se Schleim­häu­te und nied­ri­ger Blut­druck auf, in schwe­ren Fäl­len kann es außer­dem zu einer sys­te­mi­schen Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on kom­men, die zu einem Ver­sa­gen der Orga­ne und inner­halb weni­ger Tage zum Tod des Hun­des führt.

Gera­de des­halb ist beim Absu­chen des Hun­des täg­lich Gründ­lich­keit ange­zeigt – und ein mög­lichst effek­ti­ver Schutz, damit der acht­bei­ni­ge Pla­ge­geist gar nicht erst zubeißt. Aber wie stellt man das an? Und für wel­ches Mit­tel ent­schei­det man sich? Natur, Che­mie oder Hokus­po­kus?

Foto des Monats: »Nana«, Broadmeadows Desert Rose
Foto des Monats: »Nana«, Broad­me­a­dows Desert Rose

Es riecht nach Knob­lauch und Kokos, nach Laven­del und Zitro­nen – und selbst wenn man, so wie ich, gar kei­ne Nase hat, bloß mit den Vor­der­bei­nen riecht, stinkt es auf der Früh­lings­wie­se doch gewal­tig. Wer will bei solch einem Gestank noch an eine schö­ne Blut­mahl­zeit den­ken? Und wenn dann doch mal jemand kommt, der kein Par­füm trägt – der nur nach Haut und nicht nach Ölen riecht –, und man sich leicht­sin­nig dazu hin­rei­ßen lässt, den schau­keln­den Gras­halm zu ver­las­sen, ist es doch wie­der nur jemand, der nicht schmeckt. Davon gibt es vie­le – und man­che schme­cken so scheuß­lich, dass man sich nach zwei oder drei Schlu­cken wünscht, man habe statt­des­sen ins Gras gebis­sen (da sage noch ein­mal jemand, Zecken hät­ten kei­nen Sinn für Humor!). Auch die Selbst­hil­fe­grup­pe, die ich seit gerau­mer Zeit auf­su­che – die AHA, kurz für Anony­me Hämo­glo­bin-Abhän­gi­ge – steht dem rat­los gegen­über. Was will man also ande­res tun, als abzu­war­ten? Das kön­nen wir – wie gesagt – wirk­lich gut. Und das Früh­jahr hat ja gera­de erst begon­nen.

Foto des Monats: »Fly«, Broadmeadows Cornflake Girl
Foto des Monats: »Fly«, Broad­me­a­dows Corn­fla­ke Girl

Kei­ne Tipps und Rat­schlä­ge, wie Zecken am sichers­ten, ver­träg­lichs­ten, natür­lichs­ten abge­wehrt wer­den kön­nen? Kei­ne Wer­tung, was gut und sinn­voll, was gefähr­lich, was bloß nai­ves Wunsch­den­ken ist? Ich den­ke, es steht mir aus meh­re­ren Grün­den nicht zu, mich wer­tend aus­zu­las­sen – selbst wenn wir schon man­ches Mit­tel aus­pro­biert und mit dem einen sehr gute, mit dem ande­ren wenig zufrie­den­stel­len­de Erfah­run­gen gemacht haben. Grund­sätz­lich gilt – so mei­ne Mei­nung: Was bei dem einen Hund Erfol­ge zeigt, muss es bei dem nächs­ten noch lan­ge nicht tun.

Statt­des­sen: Zei­gen unse­re Nach­zuch­ten, wie schön der Früh­ling sein kann – ganz ohne die läs­ti­gen Blut­sauger.

Foto des Monats: »Bran«, Broadmeadows Cloud Rider
Foto des Monats: »Bran«, Broad­me­a­dows Cloud Rider
Foto des Monats: »Zoe«, Broadmeadows Cheek to Cheek
Foto des Monats: »Zoe«, Broad­me­a­dows Cheek to Cheek
Foto des Monats: »Crazy«, Broadmeadows Crazy in Love
Foto des Monats: »Cra­zy«, Broad­me­a­dows Cra­zy in Love

© Johannes Willwacher