Von seiner zweibeinigen Mama weiß ich, dass »Lou« ziemlich fassungslos drein geblickt hat, als all seine Spielsachen vor etwas mehr als einer Woche in einem Reisekoffer verschwanden. Während sein Blick wohl versuchte zu verstehen zu geben, dass man verrückt geworden sein müsse und es ihm unmöglich sei auf diese Dinge zu verzichten, verschwand dagegen nach und nach immer mehr, und statt seinen bohrenden Blick zu bemerken, klappte man, nachdem noch ein Badehandtuch als Oberstes hinein gelegt wurde, den Kofferdeckel zu. Weil aber kein Ritsch-ratsch folgte, die Zähne des Reißverschlusses also ins Leere bissen, und man es schon mit einem sehr dummen Hund hätte zu tun haben müssen, um anzunehmen, dieser würde untätig zusehen und neben dem Koffer liegen bleiben, schob sich die kluge Hundenase darauf unter den Kofferdeckel, das Handtuch beiseite, und reihte die Lieblingsdinge dort wieder auf, wo sie augenfällig besser aufgehoben waren: Neben dem Koffer.

Zum Ende der Woche lag besagter Koffer auf dem Bett eines Strandhotels in Graal-Müritz. Durch die offene Terrassentür wehte eine leichte Brise, am Strand hinter der Promenade rollten die Wellen träge an Land. »Lou« döste zufrieden am Fuß des Bettes und überließ es seiner zweibeinigen Mama gerne, besagten Koffer alleine zu packen. Seinen eigenen, den in seinem Kopf, hatte er längst selbst gepackt und sehr genau darauf geachtet, nichts zu vergessen: Nicht den Strand mit den großen und kleinen Hunden. Nicht das Meer, das einen kleinen Hund, wenn er zu weit hinaus geschwommen wäre, vielleicht hätte verschlucken können (weshalb man sich das tiefe Blau doch lieber vom sicheren Ufer aus besah). Nicht die klingelnden Radfahrer, die spielenden Kinder, den Sand und das Meer von Füßen im Frühstücksraum, nicht den Postboten, die gruseligen Alten oder das Geräusch, das Sand macht, wenn er aus dem Fell rieselt …

Vielen lieben Dank an Tom und Sindy für die tollen Fotos!