Gedanken zum Jahresende – was wünscht man diesem, was jenem für das neue Jahr?

Der Rück­spie­gel scheint beschla­gen, über mei­ne Schul­ter hin­weg schau­en mich zwei Paar Augen an. Schwei­gend fun­kelt aus den einen der Schalk, wäh­rend die ande­ren sich, fast sehn­süch­tig, an das schwin­de­li­ge Hin und Her des Schei­ben­wi­schers hef­ten. Kaum unter­schied­li­cher könn­ten zwei Hun­de sein – kaum eini­ger aber in dem Stand­punkt, dass der eine nicht ohne den ande­ren besteht. Das wun­dert nicht, wenn es, wie man sagt, sie­ben Men­schen­jah­re braucht, um dem eines Hun­des zu ent­spre­chen: Wer sie­ben Jah­re mit dem einen Ande­ren lebt, rück­fäl­lig dem Wun­der treu, sich ein­nis­tet in der immer glei­chen Abfol­ge von Mona­ten, Wochen und Tagen, der wächst zusam­men. Wäh­rend das Auto lang­sam über den Wald­weg rum­pelt, vor­bei an einem Spa­zier­gän­ger mit Hund, der flüch­tig unter sei­ner Kapu­ze grüßt, bestä­ti­gen die bei­den Stim­men hin­ter mei­nem Rücken, wie einig man sich ist. Durch das Bel­len hin­durch klingt aus dem Ort das Läu­ten von Glo­cken – die letz­ten Stun­den des alten Jah­res. Es wird hell.

Das Gute für das Neue wün­schen – grü­belnd stap­fe ich durch den Schnee, vor mir wir­beln die Hun­de schwe­re Flo­cken auf. Das Gute – war das Ver­gan­ge­ne so schlecht, dass man mehr Gutes wün­schen soll­te, mehr Zuver­sicht statt gedämpf­ter Erwar­tung? Gro­ße und klei­ne Über­gän­ge lie­gen hin­ter uns, man­ches ging ver­lo­ren, man­ches uner­war­tet, zu früh und schmerz­lich ver­misst. Zurück hin­ter dem Steu­er fällt mein Blick wie­der auf den Rück­spie­gel, auf die bei­den Gegen­sät­ze, die – nun müde und zufrie­den – ihre Schnau­zen auf der Leh­ne des Rück­sit­zes aus­ru­hen. Von bei­den etwas, den­ke ich: Mehr Sehn­sucht, mehr Per­spek­ti­ven, mehr erreich­te Zie­le – es leicht zu neh­men, wenn etwas nicht gelingt. Und jeman­den zu haben, der im Hin und Her von Mona­ten, Wochen und Tagen ein Zuhau­se ist. Das wün­sche ich.

31|12|2011 – Was wird es brin­gen, das neue Jahr?

© Johannes Willwacher