28|10|2015 – Klei­ne Men­schen, klei­ne Hun­de

Als es Abend wird, ste­he ich mit Nell an mei­ner Sei­te in dem schma­len Durch­gang zum Zim­mer der Wel­pen, rei­che erst die­sen, bald jenen über das Git­ter, und schaue ganz ruhig zu, wie der Wel­pe zunächst von allen Sei­ten geputzt und durch eine ange­deu­te­te Ver­beu­gung schließ­lich zum Spie­len auf­ge­for­dert wird. Seit Nell die Wel­pen end­gül­tig abge­setzt hat, sind erst weni­ge Tage ver­gan­gen, und oft­mals muss sie das Spiel unter­bre­chen, um den Wel­pen mit einem sanf­ten Schnau­zen­griff von ihren Zit­zen abzu­weh­ren. Der eine ver­steht sogleich, dass die Tage von Milch und Honig augen­schein­lich gezählt sind, lässt ab und beschwich­tigt, der ande­re ver­sucht es den­noch ein zwei­tes und auch ein drit­tes Mal. Nell bleibt gedul­dig und genießt – ganz anders, als wenn alle Sie­ben sie bestür­men – die gemein­sa­me Zeit, wirft mir nur dann und wann einen Blick zu, um anzu­zei­gen, dass der nächs­te Wel­pe an der Rei­he ist.

Nach­dem auch der letz­te der Sie­ben geputzt und zurück hin­ter das Git­ter gesetzt wor­den ist, sit­zen wir noch eini­ge Zeit neben­ein­an­der davor, mei­ne Hand in ihr Fell ver­gra­ben, das nach und nach dün­ner wird, und für einen Moment gibt es nichts ande­res mehr. Kein Gedan­ke an die letz­ten Ter­mi­ne, die bereits aus­ge­macht wor­den sind, an Unter­su­chun­gen und den Aus­zug, der mit jedem Tag näher rückt. Nur Glück – so gegen­wär­tig, dass man meint, es grei­fen zu kön­nen.

© Johannes Willwacher