Foto des Monats: Dream­team – Sam­my und Nana (Broad­me­a­dows Desert Rose)

Gleich und gleich gesellt sich gern? Über Ersthunde und die schwierige Wahl des passenden Zweiten.

Wer einen Hund hat, dem stellt sich frü­her oder spä­ter viel­leicht die Fra­ge nach einem zwei­ten. Nach Bru­der oder Schwes­ter, Rüde oder Hün­din, Gegen­satz oder »gleich und gleich gesellt sich gern«. Leicht zu beant­wor­ten ist das nicht – den Hund selbst fra­gen, mit wem er sein Leben lie­ber tei­len möch­te, kann man schließ­lich nicht, und selbst wenn man es könn­te, blie­be immer noch die Fra­ge, ob die­ser oder jener Vier­bei­ner der rich­ti­ge, nein, ob jener der pas­sen­de ist.

Kin­der streu­en Salz und Zucker auf die Fens­ter­bän­ke – und wenn man sie fragt, war­um sie das tun, dann ant­wor­ten sie, man habe ihnen gesagt, dass sich so der Storch bestechen lie­ße, der das neue Geschwis­ter­kind brin­gen wird, und man doch ger­ne sicher gehen möch­te, das jenes den eige­nen Wün­schen ent­spricht – will hei­ßen: wer lie­ber einen Salz­jun­gen zum Bru­der oder ein Zucker­mäd­chen zur Schwes­ter will, der wählt kur­zer­hand zwi­schen süß und sal­zig und kriegt am Ende dann, was er begehrt. Ich selbst habe des­halb gleich tüten­wei­se Zucker von der Bal­kon­brüs­tung gewor­fen und mich, damals kaum vier Jah­re alt, auch schon im Vor­aus auf einen Namen für das Mäd­chen ein­ge­schwo­ren, das der Storch statt des Zuckers auf den Bal­kon legen soll­te. Der Name selbst ist eine ande­re Geschich­te, die Schwes­ter aber habe ich bekom­men. Gepasst hat sie, den vie­len Strei­te­rei­en nach zu urtei­len, die wir als Kin­der aus­ge­tra­gen haben, oft­mals den­noch nicht – aber auch das ist eine ande­re Geschich­te. Wie also stellt man das bei Hun­den an?

Foto des Monats: Wer zuerst da war, isst zuerst

Die Fra­ge, ob der Zweit­hund männ­li­chen oder weib­li­chen Geschlechts sein soll­te, dürf­te erst ein­mal zweit­ran­gig sein – von grö­ße­rer Bedeu­tung ist der Zeit­punkt, zu dem man ent­schei­det, das eige­ne Rudel zu ver­grö­ßern: steht der ers­te Hund bereits gut im Gehor­sam, spricht eigent­lich nichts dage­gen, bald einen uner­zo­ge­nen Wel­pen ein­zie­hen zu las­sen – ist das nicht der Fall, kann aus dem Traum vom vier­bei­ni­gen Duo aber schnell ein Alb­traum wer­den. Wäh­rend näm­lich ein bereits gut erzo­ge­ner, ers­ter Hund dem Neu­ling als Vor­bild die­nen und schnell bewusst machen kann, was erlaubt ist und was nicht, mag sich das schlech­te Beneh­men des Ers­ten durch den Zwei­ten noch ver­dop­peln, und statt nur einen zu erzie­hen, heißt es zwei Hun­den bei­zu­kom­men, die nicht gehor­chen und – weil sie ein­an­der haben – alles hün­disch, alles allei­ne klä­ren.

Wenn­gleich der Zeit­punkt also wich­tig ist, wol­len zuvor­derst aber die Eigen­schaf­ten des ers­ten Hun­des berück­sich­tigt, wol­len Tem­pe­ra­ment und Cha­rak­ter rich­tig ein­ge­schätzt wer­den, um die­se durch den Zwei­ten sinn­voll zu ergän­zen. Das nicht jeder Hund mit jedem kann und man gut dar­an tut, mög­lichst früh ein unver­bind­li­ches Ken­nen­ler­nen zu arran­gie­ren, bedarf dabei wohl eben­so wenig einer Erklä­rung, wie die Fest­stel­lung, dass ein freund­li­cher, ers­ter Kon­takt gut, ein vom Erst­hund zur Schau gestell­tes Distanz- oder Abwehr­ver­hal­ten aber ein ziem­lich schlech­tes Zei­chen ist: wo auch nach dem zwei­ten und drit­ten Besuch noch Droh­ge­bär­den gezeigt wer­den, wird wahr­schein­lich nie eine Freund­schaft ent­ste­hen – bleibt der Ers­te viel­leicht bes­ser allei­ne und der Traum vom zwei­ten Hund wohl bes­ser ein Traum.

© Johannes Willwacher