Joey (Broadmeadows Black Diamond) und Susanne als Jack und Rose

Hunde sind von Grund auf ehrlich und des Menschen bester, treuester, aufrichtigster Freund. Über schlechte Lügner und noch schlechtere Schauspieler. Und über einen Hund, der Hunger hat.

»War ich nicht«, soll mir die­ser Blick bedeu­ten – und wäre da nicht die­ses dum­me, ver­rä­te­ri­sche Schmat­zen, ich wür­de wohl kaum einen Gedan­ken dar­an ver­schwen­den, dass mich der Unschulds­blick des Vier­bei­ners, der da vor mir auf dem Küchen­bo­den hockt, nur von der Tat­sa­che ablen­ken soll, dass ich den Übel­tä­ter, der sich heim­lich aus der Fut­ter­ton­ne bedient hat, gera­de gestellt habe. Dass die Ton­ne eigent­lich fest ver­schlos­sen ist und es dem besag­ten Vier­bei­ner irgend­wie gelun­gen sein muss, die bei­den blass­grau­en Schnapp­grif­fe auf­zu­he­beln, die den Deckel auf der Ton­ne hal­ten, nötigt mir – dem Ärger zum Trotz – dann aber doch erst mal ein wenig Respekt ab. »So blöd bist du also gar nicht!«, sage ich, und schütt­le den Kopf. Der Übel­tä­ter zün­gelt. »Aber ein ver­dammt schlech­te Lüg­ner bist du, mein lie­ber Freund!«

Hun­de lügen nicht, mei­nen Sie? Hun­de sind von Grund auf ehr­lich? Des Men­schen bes­ter, treu­es­ter und auf­rich­tigs­ter Freund? Dann möch­te ich Ihnen ger­ne zu ihrer Ver­trau­ens­se­lig­keit gra­tu­lie­ren! Und dem wider­spre­chen. Hun­de lügen näm­lich sehr wohl – und immer dann, wenn sie sich einen Vor­teil davon ver­spre­chen. Dass Hun­de tat­säch­lich sehr schlech­te Lüg­ner sind und sich – viel öfter noch, als wir Men­schen – durch eine gegen­tei­li­ge Kör­per­spra­che ver­ra­ten, steht auf einem ande­ren Blatt. Hun­de lügen. Mit vol­ler Absicht. Mehr Bei­spie­le? Viel­leicht eines noch.

Border Collie Illustration

Mon­tag­abend, ich kom­me gera­de aus dem Büro, mei­ne bes­se­re Hälf­te hat sich eine Stun­de zuvor in den Nacht­dienst ver­ab­schie­det. Ich stel­le mei­ne Tasche auf einem der Küchen­stüh­le ab, set­ze mich auf einen zwei­ten und begin­ne – immer wie­der gestört von der lie­be­vol­len Auf­dring­lich­keit drei­er Hun­de – mei­ne Schnür­sen­kel auf­zu­kno­ten. Auf dem Küchen­tisch erbli­cke ich einen Zet­tel, der mir mit­teilt, dass die Hun­de schon gefüt­tert wor­den sind – ein Wis­sens­vor­sprung, der nicht unbe­deu­tend ist. Hund Num­mer Vier liegt näm­lich mit Lei­dens­mie­ne hin­ter sei­nem lee­ren Fut­ter­napf. »Ich bin heu­te noch gar nicht gefüt­tert wor­den«, sagt sein Blick. Er kann ja nicht wis­sen, dass ich es längst bes­ser weiß. Weil aber die­ses Ver­hal­ten viel­leicht irgend­wann ein­mal zum Erfolg geführt hat (Erfolg meint in die­sem Fall mehr Fut­ter, in ande­ren Fäl­len – »Schau doch, mei­ne Pfo­te tut weh!« – viel­leicht aber bloß mehr Auf­merk­sam­keit), führt der besag­te Hund sein klei­nes Schau­spiel hem­mungs­los wei­ter. Tritt zuerst lei­se mit der Pfo­te gegen den Napf (»Hal­lo, Hun­ger!«), dann lau­ter (»Also, echt jetzt!«) und wirft sich mir schließ­lich mit größt­mög­li­cher Dra­ma­tik vor die – mitt­ler­wei­le unbe­schuh­ten – Füße (»Ich ver­hun­ge­re gera­de!«). Hun­de lügen nicht?

»Ganz gro­ßes Kino« habe ich mir im ver­gan­ge­nen Monat auch von den Besit­zern unse­rer Nach­zuch­ten gewünscht und dar­um gebe­ten, mit ihren Vier­bei­nern die berühm­tes­ten Sze­nen der Film­ge­schich­te nach­zu­stel­len. Pate für die Idee hat eine Kat­ze gestan­den – oder viel­mehr: eine Kat­ze und ihr Mensch, die unter dem Hash­tag #movie­cats gera­de auf Insta­gram für Auf­se­hen sor­gen. Ich fin­de ja, unse­re Nach­zuch­ten machen sich dabei min­des­tens genau­so gut!

Jill (Broadmeadows Edge of Glory) ist Audrey Hepburn
Jill (Broad­me­a­dows Edge of Glo­ry) ist Audrey Hepburn
Zoe (Broadmeadows Cheek to Cheek) und Barbara: »Schau mir in die Augen, Kleines!«
Zoe (Broad­me­a­dows Cheek to Cheek) und Bar­ba­ra: »Schau mir in die Augen, Klei­nes!«
Spencer (Broadmeadows Disco Inferno) auf dem Eisernen Thron
Spen­cer (Broad­me­a­dows Dis­co Infer­no) auf dem Eiser­nen Thron
Edda (Broadmeadows Almost Rosey) in »Scarface«
Edda (Broad­me­a­dows Almost Rosey) in »Scar­face«
Buddy (CH Broadmeadows Body and Soul) als »Phantom der Oper«
Bud­dy (CH Broad­me­a­dows Body and Soul) als »Phan­tom der Oper«

© Johannes Willwacher