24|05|2019 – Welpe No. 1: Rüde Hellblau
24|05|2019 – Wel­pe No. 1: Rüde Hell­blau

Eine Geburt ohne Wehen und eine Hündin, die uns keine andere Wahl lässt: unsere Border Collie Welpen werden per Kaiserschnitt geboren.

Es ist gera­de zwan­zig nach acht, als bei Ellie am Don­ners­tag­abend die Frucht­bla­se platzt. Wir sit­zen mit den Hun­den vor dem Fern­se­her – Hei­di hat sich eng an mich geku­schelt, Ida in mei­nen Knie­keh­len ein­ge­rollt –, bloß Ellie läuft unru­hig im Wohn­zim­mer auf und ab, dreht Run­de um Run­de, bis sie schließ­lich mit einem Satz ver­sucht, auf das Sofa zu sprin­gen und sich das Frucht­was­ser in einem Schwall auf die Die­len und das Pols­ter ergießt. Ich wische noch schnell die Lache auf, gebe Mela­nie Bescheid, die angibt, um neun da sein zu wol­len, dann zie­hen wir in die Wurf­kis­te um.

Fast zwei Stun­den spä­ter begin­ne ich ner­vös zu wer­den. Auch im Wel­pen­zim­mer läuft Ellie laut hechelnd hin und her, leckt sich immer wie­der die Scham, ver­sucht zu ver­ste­hen, was mit ihr geschieht. Allein, die Press­we­hen blei­ben aus. Von außen kann ich füh­len, dass sich eine Frucht­bla­se vor dem Schei­den­ein­gang befin­det, mit zwei Fin­gern in der Hün­din tas­te ich aber ins Nichts. Zwei Stun­den nach dem Abgang des Frucht­was­sers dürf­te das nicht sein, müss­te der ers­te Wel­pe längst im Geburts­ka­nal, lan­ge schon gebo­ren sein! Ich rufe den Tier­arzt an, der mich in mei­ner Annah­me bestä­tigt und an die Gie­ße­ner Vete­ri­när­me­di­zin ver­weist, tau­sche die Jog­ging­ho­se noch schnell gegen die Jeans, und dann sit­zen wir schon im Auto auf dem Weg nach Gie­ßen.

»Die Herz­tö­ne sind nur noch mit­tel­mä­ßig«, sagt der dienst­ha­ben­de Arzt, der uns aus dem OP ent­ge­gen­kommt und gera­de ein Schaf ent­bun­den hat – mitt­ler­wei­le ist es kurz nach elf. »Sie kön­nen zwar abwar­ten, ob die Wehen doch noch ein­set­zen, für mein Dafür­hal­ten ist das Risi­ko für die Wel­pen dabei aber ein­deu­tig zu groß und sie soll­ten unbe­dingt einen Kai­ser­schnitt in Betracht zie­hen.« Ich nicke, unter­schrei­be eini­ge Papie­re, dann drü­cke ich einer der Vete­ri­nä­rin­nen Ellies Lei­ne in die Hand. Wie­der heißt es war­ten.

Wel­pe No. 1, Rüde b/w – 345 Gramm
Wel­pe No. 2, Hün­din b/w tan – 315 Gramm
Wel­pe No. 3, Rüde b/w – 328 Gramm
Wel­pe No. 4, Hün­din b/w – 266 Gramm
Wel­pe No. 5, Hün­din b/w – 353 Gramm

Von fünf Wel­pen wird Ellie kurz dar­auf ent­bun­den. Das erfah­ren wir selbst aber erst ein­ein­halb Stun­den danach, als wir in den Auf­wach­raum geru­fen wer­den. Ellie ist von der Nar­ko­se noch sicht­lich mit­ge­nom­men, die fünf Wel­pen, die sich unter der Wär­me­lam­pe im Brut­kas­ten befin­den, aber alle­samt wohl­auf. Die Wel­pen­ge­wich­te, die sich deut­lich im unte­ren Durch­schnitt befin­den, bestä­ti­gen die Annah­me, dass die Befruch­tung weit nach dem Deck­akt statt­ge­fun­den haben muss – die Geburt selbst also gar nicht über­fäl­lig, viel­leicht sogar noch eini­ge Tage zu früh gewe­sen ist. Wir legen der noch immer benom­me­nen Hün­din die Wel­pen zum Trin­ken an – und wäh­rend es rund um sie her­um quiekt und quietscht, zeigt sich auch wie­der Leben in ihren Augen. Oder ist das Mut­ter­glück?

Ganz bestimmt, schrei­be ich jetzt, am Mor­gen danach – kaum zwei Stun­den geschla­fen, aber trotz­dem glück­lich. Glück­lich über fünf wun­der­schö­ne Wel­pen, glück­lich, alles gut über­stan­den zu haben. Und glück­lich, mich gleich wie­der Schla­fen zu legen, wäh­rend es neben­an genüss­lich schmatzt. Aber das kann man viel­leicht nur ver­ste­hen, wenn man es selbst erlebt hat.

© Johannes Willwacher