Frau mit Border Collie Welpen
14|12|2019 – Jule und ihre Runa, Broad­me­a­dows Grace Kel­ly

Zeit, das Wurftagebuch zu schließen: mit Runa hat sich heute der letzte unserer sechs Border Collie Welpen auf den Weg in sein neues Leben gemacht.

I could be brown,
I could be blue, I could be vio­let sky,
I could be hurt­ful, I could be pur­ple,
I could be anything you like.
Grace Kel­ly, Mika (2007)

Liebe Jule,

schon in den ers­ten Minu­ten nach der Geburt, als ich allei­ne mit Hei­di in der Wurf­kis­te saß und ihrer erst­ge­bo­re­nen Toch­ter dabei zusah, wie sie sich mit ent­schlos­se­nen Bewe­gun­gen tief in das Fell ihrer Mut­ter grub, wuss­te ich, dass aus der klei­nen Hün­din ein­mal etwas Beson­de­res wer­den wür­de. »Wenn du einen Wel­pen aus die­sem Wurf behal­ten soll­test«, dach­te ich, »dann die­sen«. War­um ich gleich im nächs­ten Moment an dich den­ken muss­te und mir – kaum dass der letz­te Wel­pe gebo­ren wor­den war – schon so man­chen schlau­en Spruch zurecht­ge­legt hat­te, um dir den Rüden aus­zu­re­den, der es für dich eigent­lich hat­te wer­den sol­len? Nun, weil man einen Wel­pen, der so beson­ders ist, auch nur einem ganz beson­de­ren Men­schen anver­traut. Einem, dem man ver­trau­en kann. Die klei­ne Hün­din mag auf den ers­ten Blick bloß an ihre Mut­ter erin­nern. Wenn man sich zur Beur­tei­lung auf die gleich­mä­ßi­ge Zeich­nung und das vor­züg­li­che Gebäu­de beschränkt – auf die Stur­heit, die bei­de bis­wei­len zei­gen –, dann tut sie das viel­leicht auch. Wer einen zwei­ten Blick ris­kiert, der wird aber schnell bemer­ken, wie deut­lich die Züge sind, die von ihrem Vater stam­men – das ver­ein­nah­men­de Lächeln, die sanf­ten Augen und der federn­de Gang –, und der wird womög­lich auch her­aus­be­kom­men, wer hin­ter der schnel­len Auf­fas­sungs­ga­be, dem gro­ße Hun­ger und dem trot­zi­gen »Ich will aber!« steckt. Die Momen­te, in denen ich mich wäh­rend der Auf­zucht an ihre Groß­mutter erin­nert gefühlt habe, waren näm­lich gar nicht mal so sel­ten. Runa ver­eint also ein wenig von all unse­ren Hun­den in sich. Von Hei­di, Zion und Nell – und frag­los auch von Ida, die sich zuletzt stark in ihre Erzie­hung ein­ge­bracht, ihr Rück­sicht­nah­me und Zurück­hal­tung bei­gebracht hat. Als Züch­ter schaue ich des­halb mit Stolz auf die­se klei­ne Hün­din. Und freue mich auf den Weg, den wir gemein­sam gehen wer­den. Auf die gro­ßen und klei­nen Mög­lich­kei­ten, auf die Erfol­ge und Nie­der­la­gen – auf das Glück und das Leben, das nun wie­der bei dir ein­zie­hen darf.

Runa allein – die letzten Tage

© Johannes Willwacher