Zwei Border Collies im Sonnenaufgang
30|12|2019 – Ver­trau­en: was auch immer da kom­men mag

Woher weiß ich, wem ich vertrauen kann? Warum Vertrauen gerade für Hundemenschen ganz oben auf der Liste von Neujahrsvorsätzen stehen sollte.

You with the sad eyes, don’t be
dis­cou­ra­ged. Oh I rea­li­ze, it’s hard to
take cou­ra­ge, in a world full of peop­le
you can lose sight of it all – and the
darkness insi­de you can make
you feel so small.
True Colors, Cyn­di Lau­per (1986)

Jeder weiß, dass sich das Zusam­men­le­ben mit einem Hund sehr viel leich­ter gestal­tet, wenn das Ver­hält­nis auf gegen­sei­ti­gem Ver­trau­en grün­det. In der Hun­de­er­zie­hung wird in den ers­ten Lebens­mo­na­ten eines Wel­pen des­we­gen nicht umsonst die Bin­dungs­ar­beit in den Vor­der­grund gestellt: der Hund soll den Men­schen als ver­läss­li­chen Part­ner ver­ste­hen ler­nen – einen, bei dem er sich wohl­füh­len kann, und dem er vie­le sei­ner Ent­schei­dun­gen ger­ne über­lässt.

Man soll­te nun also davon aus­ge­hen dür­fen, dass es Hun­de­men­schen viel leich­ter gelingt, Ver­trau­en auf­zu­bau­en und ihrem Gegen­über mit Acht­sam­keit zu begeg­nen. Wer sich aber ein wenig län­ger in der Welt von Hun­de­züch­tern und Hun­de­trai­nern bewegt, wird schnell bemer­ken, dass zumeist eher das Gegen­teil der Fall ist. »Woher weiß ich, wem ich ver­trau­en kann?«, ist des­halb eine der Fra­gen, die nicht nur die­je­ni­gen ger­ne stel­len, die auf der Suche nach einem Wel­pen sind, son­dern die auch unter Züch­tern immer wie­der auf­ge­wor­fen wird. »Wer sich auf den ein­lässt, wird schon sehen, was er davon hat«, heißt es dann. Oder: »Der lügt doch, wenn er nur den Mund auf­macht«. Ist es nun tat­säch­lich so, dass in der Hun­de­welt stän­dig gelo­gen wird – dass Züch­ter bewusst Erkran­kun­gen ver­schwei­gen, dass die Feh­ler eines Deck­rü­den durch den Besit­zer sel­ten offen­ge­legt wer­den, dass manch ein kran­ker Wel­pe wis­sent­lich als gesund ver­kauft wird –, oder ist bei dem star­ken Miss­trau­en nicht auch die Wahr­neh­mung ent­schei­dend? Die Rück­kopp­lung zwi­schen Erwar­tung und Ver­hal­ten?

Aus dem All­tag kennt man viel­leicht fol­gen­de Situa­ti­on: auf einem schma­len Wald­weg kommt einem ein frem­der Spa­zier­gän­ger ent­ge­gen, der einen ange­lein­ten Hund mit sich führt. Dem eige­nen Hund ist der ent­ge­gen­kom­men­de natür­lich genau­so wenig ent­gan­gen, wie einem selbst – wäh­rend der Hund aber noch unent­schie­den ist, wie er dem ande­ren begeg­nen soll, nimmt der Mensch oft­mals schon unbe­wusst die laut­star­ke Kon­fron­ta­ti­on vor­weg, den Hund an die kur­ze Lei­ne, und sorgt durch sei­ne eige­ne, ange­spann­te Erwar­tungs­hal­tung dafür, dass die Kon­fron­ta­ti­on auch ein­tritt. Mit ande­ren Wor­ten: wer Betrug sucht, fin­det ihn – wer Ver­trau­ens­wür­dig­keit sucht, fin­det sie.

Viel­leicht soll­te man sich des­halb, statt der übli­chen guten Vor­sät­ze für das neue Jahr, Ver­trau­en ganz oben auf die Lis­te schrei­ben – und dem was kommt offen und mutig ent­ge­gen­tre­ten. Heißt ja nicht umsonst, das Ver­trau­en die schöns­te Form von Mut ist. Und wer will schon ein fei­ger Hund sein? #build­trust­not­walls.

2019
Unser Jahr in Bildern

© Johannes Willwacher