Border Collie Welpe
15|05|2021 – Danie­la und Levi, Broad­me­a­dows High Hopes

Zwei auf dem Weg: zwei weitere Abschiede, zwei weitere Abschiedsbriefe – aber auch zweimal die Gewissheit, dass es die Welpen besonders gut getroffen haben.

Liebe Daniela,

rück­bli­ckend fällt es mir schwer zu sagen, wann mir dein Name zum ers­ten Mal auf­ge­fal­len ist. Es mag wohl in die Zeit gefal­len sein, als Archie vor sie­ben Jah­ren bei dir ein­ge­zo­gen ist. Nicht nur sei­nen Ein­zug, auch sei­nen Lebens­weg habe ich seit­dem immer mit einem Auge ver­folgt – das wohl, weil er sich den Vater nicht nur mit unse­rem B-Wurf, son­dern auch dem E-Wurf geteilt hat –, und auch sei­nen plötz­li­chen, viel zu frü­hen Tod habe ich des­halb mit beson­de­rer Erschüt­te­rung wahrgenommen.

»Lei­der habe ich kei­nen Hund mehr, mit dem ich die Welt ent­de­cken kann – kei­nen der zu mir kuscheln kommt oder der sich in der Früh so freut, ein­fach nur, weil ich auf­ge­stan­den bin«, hast du in dei­ner ers­ten Nach­richt geschrie­ben. Die­se Gefüh­le nach­zu­voll­zie­hen ist mir nicht schwer gefal­len, habe ich mit dem Tod von Ida im ver­gan­ge­nen Jahr doch selbst erst einen ähn­li­chen Ver­lust ver­kraf­ten müs­sen. Und auch den Wunsch, der Lee­re in dei­nem Leben mög­lichst bald mit einem neu­en, vier­bei­ni­gen Beglei­ter zu begeg­nen, konn­te ich des­halb viel­leicht noch ein biss­chen bes­ser ver­ste­hen. »Ger­ne wie­der einen Rüden«, hast du in unse­rem ers­ten Gespräch gesagt, aber auch eine Hün­din nicht aus­ge­schlos­sen. Ein Rüde ist es gewor­den. Ein Levi, um genau zu sein.

Bevor er zu Levi wur­de, hat der besag­te Rüden­wel­pe schon vie­le ande­re Namen gehabt. »Prince Char­ming« hat er bei uns oft­mals gehei­ßen. Auch »Prin­zen­röll­chen« hat sich irgend­wann dazu­ge­sellt. Und als sich mit den Wochen immer deut­li­cher erah­nen ließ, dass er bei dir sein Zuhau­se fin­den könn­te, ist schließ­lich noch ein »Kron­prinz Rudolf« hin­zu­ge­kom­men. Wäh­rend zu hof­fen bleibt, dass ihn mit dem Letzt­ge­nann­ten nur der ade­li­ge Anspruch ver­bin­det, hat er an dem­sel­ben aber nie­mals zwei­feln las­sen: einen Wel­pen, der sich zu Beginn der Zufüt­te­rung hart­nä­ckig wei­ger­te, aus dem glei­chen Napf wie sei­ne Geschwis­ter zu fres­sen, und statt­des­sen auf den eige­nen Tel­ler mit Gold­rand bestand, hat­te es bei uns bis dahin auch noch nicht gege­ben. Gelegt hat sich das schnell – dass er in vie­len Belan­gen trotz­dem sein eige­nes Köpf­chen besitzt, hat er in den Wochen dar­auf aber immer wie­der bewie­sen. Gera­de bei den Lern­ein­hei­ten mit den Geschwis­tern ist mir auf­ge­fal­len, dass er nicht ganz so viel Aus­dau­er besitzt und – sei­ner Mut­ter nicht unähn­lich – dazu neigt, zu ande­ren Din­gen abzu­schwei­fen. »Macht’s ihr nur brav Sitz, der gnä­di­ge Herr geht schau­keln!«, hät­te man des­halb immer wie­der von ihm hören kön­nen. Den feh­len­den Lern­ei­fer macht er durch sei­nen gro­ßen Charme aber wie­der wett. »Küss die Hand, hätten’s amendt a Plat­zerl auf iahrm Schoß für mich frei?« Wer will da noch widerstehen?

Wohin euch der gemein­sa­me Weg von hier aus führt – für wel­chen Sport ihr euch begeis­tern könnt und wie vie­le Aus­stel­lun­gen ihr gemein­sam besucht –, wird sich zei­gen. Eines ist aber ganz gewiss: den Platz auf dei­nem Kopf­kis­sen wird er im Hand­um­dre­hen erobert haben. Und des­halb ist auch mein ein­zi­ger Wunsch, dass er eben jenen nicht mehr her­ge­ben muss. Für ein lan­ges, glück­li­ches Leben.

Border Collie Welpen
15|05|2021 – Michae­la mit Juna, Broad­me­a­dows Hallelujah

Liebe Michaela,

wenn ich einen Ver­gleich zie­hen möch­te, der Juna gerecht wer­den kann, dann fällt mir zuvor­derst »Die unend­li­che Geschich­te« ein. Das nicht nur, weil die Namens­fin­dung für die klei­ne Hün­din dir und dei­ner Fami­lie fast genau­so viel Kraft abver­langt hat, wie Bas­ti­an Bal­tha­sar Bux, als er sich dar­in ver­such­te, einen Namen für die kind­li­che Kai­se­rin zu fin­den. Nein, viel eher noch, weil die besag­te Hün­din selbst mich ein wenig an die Letzt­ge­nann­te erin­nert. Kind­lich, zart und klein ist sie näm­lich ganz ohne Zwei­fel. Dafür aber mit einem Selbst­be­wusst­sein aus­ge­stat­tet, das man nur kai­ser­lich nen­nen kann.

Schon nach den ers­ten Wochen war mir des­halb klar, dass sie ein sta­bi­les Rudel braucht, um zu einer glück­li­chen jun­gen Hün­din her­an­wach­sen zu kön­nen. Eines, das ihr Gren­zen setzt. Das ihr immer wie­der bewusst macht, nicht bei jeder Ent­schei­dung mit dem Kopf durch die Wand wol­len zu müs­sen. Das ihr einer­seits Füh­rung und Sicher­heit gibt, ihr ande­rer­seits aber auch das Ver­trau­en schenkt, um ihren Weg selbst­stän­dig fin­den und ihr Poten­ti­al voll ent­wi­ckeln zu kön­nen. An Poten­ti­al und Mög­lich­kei­ten man­gelt es ihr näm­lich nicht – weder im Hin­blick auf eine sport­li­che Füh­rung, noch auf Aus­stel­lun­gen, auf denen sie zwei­fels­oh­ne mit ihrem Gebäu­de und Gang­werk glän­zen kann. Für bei­des braucht sie Durch­hal­te­ver­mö­gen und lie­be­vol­le Kon­se­quenz – braucht neben dem sou­ve­rä­nen vier­bei­ni­gen Rudel einen Men­schen, der ihr gedank­lich immer einen Schritt vor­aus sein und das kai­ser­li­che Selbst­be­wusst­sein in gesun­de Bah­nen len­ken kann. Kurz und gut: sie braucht dich.

Der Vor­teil, den Weg zu uns auf Emp­feh­lung einer über­zeug­ten Wie­der­ho­lungs­tä­te­rin gefun­den zu haben, hät­te wohl schnell auch zu dei­nem Nach­teil aus­fal­len kön­nen. Wo man sich regel­mä­ßig aus­tauscht, kom­men bekannt­lich nicht sel­ten auch eher unan­ge­neh­me Din­ge zur Spra­che. Das unan­ge­nehms­te, das Jule und ich dabei haben her­aus­ar­bei­ten kön­nen, ist aller­dings die schwie­ri­ge Namens­fin­dung geblie­ben. Und weil man man­chem am bes­ten mit Humor bei­kommt, haben wir beschlos­sen, dass »Gaia«, »Hai­ley« oder »Juna« für uns fort­an ganz ein­fach »Din­gens« hei­ßen wird. »Din­gens« aus dem Elfen­bein­turm (aus dem sie wahr­schein­lich eben­so leicht aus­zu­bre­chen ver­stün­de, wie aus dem ver­meint­lich wel­pen­si­che­ren Nacht­aus­lauf). Das hat doch was, oder?

© Johannes Willwacher