Wo bitte geht es nach Woodstock? Über Welpen und Welpeninteressenten – und Entscheidungen, die man nicht leichtfertig trifft.

»Damals waren wir fest davon über­zeugt, Wood­stock könn­te nicht mehr als ein mie­ser Abklatsch des Mon­te­rey Pop wer­den, des­halb haben wir unse­ren Auf­tritt kurz vor dem Fes­ti­val abge­sagt«, hat Rob­by Krie­ger, der Gitar­rist der Doors, vor Jah­ren in einem Inter­view zum Bes­ten gege­ben, »wie sich her­aus­stell­te, war das eine ziem­lich dum­me Ent­schei­dung«. Ähn­li­ches hät­te auch ich selbst sagen kön­nen, als ich vor gut zwan­zig Jah­ren zusam­men mit einer Freun­din über den Cime­tiè­re du Père-Lachai­se lief – anläss­lich des drei­ßigs­ten Todes­ta­ges von Jim Mor­ri­son, dem Sän­ger der Doors –, und gera­de­wegs in den bewuss­ten Rob­by Krie­ger hin­ein krach­te. Allein, dass ich kein ein­zi­ges Wort her­aus­brach­te, weil wir kurz zuvor – ver­steckt zwi­schen den Grä­bern von Moliè­re und La Fon­tai­ne – ein wenig zu viel Hasch zer­brö­selt und uns weit in den wol­ken­lo­sen Juli­him­mel hin­auf geschos­sen hat­ten. Ehe ich mich im Stan­de sah, mir ein hei­se­res »Sor­ry!« aus der staub­tro­cke­nen Keh­le zu pres­sen, war der Pulk um die ver­blie­be­nen Band­mit­glie­der auch schon wei­ter­ge­zo­gen, und erst, als uns kurz dar­auf eini­ge Papa­raz­zi mit grell auf­leuch­ten­den Blitz­lich­tern ent­ge­gen­ka­men, däm­mer­te es mir, in wen wir da hin­ein­ge­rannt waren. »Eine ziem­lich dum­me Ent­schei­dung«, den­ke ich des­halb auch noch heu­te. Man­ches ent­schei­det man eben bes­ser mit kla­rem Kopf. 

Border Collie Welpe in der 6. Lebenswoche

Wer meint, dass die Zeit es leich­ter macht und dass ein Züch­ter nur die ent­spre­chen­de Erfah­rung braucht, um die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, der irrt. Tat­säch­lich machen es die Zeit und die Erfah­rung näm­lich nur noch schwe­rer. Man wird zöger­li­cher, wo man anfangs viel­leicht noch aus dem Bauch her­aus ent­schie­den hat. Man wägt ab, ob ein Wel­pen­in­ter­es­sent den ent­ge­gen­ge­brach­ten Ver­trau­ens­vor­schuss wirk­lich ver­dient. Man ver­sucht, die Wesens­ent­wick­lung jedes Wel­pen mög­lichst ehr­lich und umfas­send zu beur­tei­len, und bei jedem Wel­pen­in­ter­es­sen­ten zu hin­ter­fra­gen, ob er den Ansprü­chen die­ses oder jenes Wel­pen auch künf­tig genü­gen kann. Weil jede Ent­schei­dung auch ein Urteil ist. Und jedes schlech­te, halb­her­zi­ge, vor­schnell getrof­fe­ne Urteil über ein gan­zes – ein gutes – Hun­de­le­ben entscheidet.

Also: wo bit­te geht es nach Wood­stock? Nichts bereu­en. That’s it!

In der ver­gan­ge­nen Woche hat sich bei den meis­ten Wel­pen ent­schie­den, bei wem sie ihr Zuhau­se fin­den wer­den. Weil aber in der kom­men­den Woche noch der eine oder ande­re Besuch ansteht – und bei man­chem Wel­pen noch die Namens­fra­ge geklärt wer­den will –, las­sen die Ruf­na­men unse­rer sechs Wel­pen noch eine Woche län­ger auf sich warten.

© Johannes Willwacher