
Über Dinge, die man lieber nicht findet, Dinge, die man trotzdem bekommt – und einen ausgesprochen erfreulichen Befund.
Every little thing’s gonna be alright.
Bob Marley & The Wailers (1977)
Es gibt Dinge, die sehen besser aus, wenn man sie nicht versteht. Röntgenbilder gehören nicht dazu.
Als Dirk am Montag aus dem Dienst kam, war er krank. Eigentlich sagte er nur, dass er glaube, krank zu werden, aber nach fünfundzwanzig Jahren kennt man den Unterschied zwischen einer Vermutung und einer Ankündigung ziemlich genau. Ich wusste also, was passieren würde.
Dirk würde zwei Tage krank sein. Danach würde er wieder arbeiten gehen, Dinge erledigen und auf die Frage, wie es ihm gehe, mit »gut« antworten. Ich würde zwei Tage später krank werden und mindestens eine Woche brauchen. So ist es immer. Es gibt Paare, da bringt der eine dem anderen Blumen mit. Schokolade, vielleicht. Oder irgendetwas anderes, das die Romantik befeuert. Bei uns konzentrieren sich die Mitbringsel auf entzündete Nebenhöhlen und Magenkrämpfe. Auch das kann in einer Beziehung eine Konstante sein.
Heute Nacht lag ich wach, weil meine Bronchien brannten. Ich drehte mich nach links. Dann nach rechts. Dann wieder nach links. Irgendwann stand Love auf meinem Brustkorb und schaute mich an.
Love ist gesund. Vor zwei Wochen wurde sie geröntgt. Hüften, Ellenbogen, Schultern, Wirbelsäule. Man sediert einen Hund, legt ihn auf einen Tisch, zieht seine Beine in Position und macht Bilder von Dingen, die man normalerweise nicht sieht. Danach schaut man sich die Bilder an und hofft auf Abwesenheit. Keine Veränderungen. Keine Arthrose. Keine Dysplasie. Keine Übergangswirbel. Nichts ist in diesem Fall ziemlich viel.
Das Problem am Züchten ist nicht, dass man nichts weiß. Das Problem ist, dass man einiges weiß. Genug, um Risiken zu kennen. Genug, um Abstammungen zu verfolgen und Untersuchungsergebnisse miteinander zu vergleichen. Genug, um zu wissen, dass zwei gesunde Hunde keine Garantie für einen gesunden Welpen sind. Und niemals genug, um vorher zu wissen, was herauskommt.
Gestern kam Loves Auswertung. HD A. ED 0. OCD frei. LÜW Typ 0. Keine Spondylose. Ich freue mich darüber als Züchter. Natürlich tue ich das. Aber noch mehr freue ich mich für diesen einjährigen Hund, der von all diesen Buchstaben und Zahlen nichts weiß und hoffentlich sehr lange nichts von ihnen wissen muss.
Gesundheit lässt sich nicht garantieren. Man kann untersuchen, auswählen, Abstammungen studieren, Risiken abwägen und versuchen, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Danach mischt die Biologie die Karten. Manchmal bekommt man ein A. Und manchmal liegt man nachts um drei neben einem gesunden Hund und freut sich darüber, während die eigenen Bronchien brennen.
Das eine hat mit dem anderen nur zufällig zu tun. Aber genau so ist es.



© Johannes Willwacher