
Unserem L-Wurf zum 1. Geburtstag: Warum manche Hunde schon erstaunlich erwachsen wirken – und andere noch mitten auf ihrer ganz eigenen Baustelle stehen.
I don’t wanna go to school
I just wanna break the rules.
Charli xcx (2014)
Es gibt Hunde, die man sich mit einem Jahr anschaut und denkt: »Da ist alles, wo es hingehört. Da passt alles zusammen.« Und dann gibt es die, denen man ansieht, dass sie noch immer am liebsten mit Legosteinen spielen. Bei denen alles noch so unfertig, so eindrucksvoll jugendlich wirkt, als hätte jemand beschlossen, sich aus den besagten Legosteinen sein Traumhaus zu bauen – und wäre mittendrin zum Abendessen gerufen worden.
Es ist ja nicht so, dass etwas fehlen würde. Im Gegenteil. Die Beine sind da. Der Kopf auch. Die Ohren – meistens jedenfalls. Nur scheint der Bauplan nicht jedem bekannt zu sein, der hier und da ein paar Steine ergänzt. Heute wächst der Brustkorb. Morgen die Beine. Übermorgen plötzlich der Kopf. Und während man sich gerade daran gewöhnt hat, dass vorne jetzt alles erstaunlich erwachsen aussieht, erinnert einen der Rest des Hundes daran, dass man es doch immer noch mit einem Teenager zu tun hat. Mit einem, der manchmal wirkt, als hätte er endlich begriffen, wie dieser Körper funktioniert – und im nächsten Moment erschrocken feststellt, dass der eigene Schwanz hinter ihm herläuft.
Vielleicht ist das überhaupt das Schönste am ersten Geburtstag. Dass er noch kein Versprechen einlösen muss. Ein Jahr ist kein fertiger Hund. Es ist eher eine Zwischenbilanz. Ein kurzer Blick auf die Baustelle, bei dem man schon ziemlich gut erkennen kann, was einmal daraus werden soll – auch wenn hier und da noch ein paar Legosteine fehlen, weil sie irgendjemand in die falsche Kiste gepackt hat.
Roma uno die non est condita. Es hat vermutlich einen guten Grund, warum die Natur sich mit dem Erwachsenwerden so viel Zeit lässt. Wer mit einem Jahr schon fertig wäre, hätte danach schließlich nicht mehr viel vor. Also wachsen Hunde weiter. Erst in die Höhe. Dann in die Breite. Irgendwann in den Kopf. Und mit etwas Glück irgendwann auch in ihre Ohren.
Und jetzt: geht spielen. Falls ihr Fünf überhaupt so lange zugehört habt.



© Johannes Willwacher