Aquarellierte Bleistiftzeichnung eines Border Collie Welpen zwischen Legosteinen
02|08|2026 – Der L-Wurf fei­ert sei­nen 1. Geburtstag

Unserem L-Wurf zum 1. Geburtstag: Warum manche Hunde schon erstaunlich erwachsen wirken – und andere noch mitten auf ihrer ganz eigenen Baustelle stehen.

Es gibt Hun­de, die man sich mit einem Jahr anschaut und denkt: »Da ist alles, wo es hin­ge­hört. Da passt alles zusam­men.« Und dann gibt es die, denen man ansieht, dass sie noch immer am liebs­ten mit Lego­stei­nen spie­len. Bei denen alles noch so unfer­tig, so ein­drucks­voll jugend­lich wirkt, als hät­te jemand beschlos­sen, sich aus den besag­ten Lego­stei­nen sein Traum­haus zu bau­en – und wäre mit­ten­drin zum Abend­essen geru­fen worden.

Es ist ja nicht so, dass etwas feh­len wür­de. Im Gegen­teil. Die Bei­ne sind da. Der Kopf auch. Die Ohren – meis­tens jeden­falls. Nur scheint der Bau­plan nicht jedem bekannt zu sein, der hier und da ein paar Stei­ne ergänzt. Heu­te wächst der Brust­korb. Mor­gen die Bei­ne. Über­mor­gen plötz­lich der Kopf. Und wäh­rend man sich gera­de dar­an gewöhnt hat, dass vor­ne jetzt alles erstaun­lich erwach­sen aus­sieht, erin­nert einen der Rest des Hun­des dar­an, dass man es doch immer noch mit einem Teen­ager zu tun hat. Mit einem, der manch­mal wirkt, als hät­te er end­lich begrif­fen, wie die­ser Kör­per funk­tio­niert – und im nächs­ten Moment erschro­cken fest­stellt, dass der eige­ne Schwanz hin­ter ihm herläuft.

Viel­leicht ist das über­haupt das Schöns­te am ers­ten Geburts­tag. Dass er noch kein Ver­spre­chen ein­lö­sen muss. Ein Jahr ist kein fer­ti­ger Hund. Es ist eher eine Zwi­schen­bi­lanz. Ein kur­zer Blick auf die Bau­stel­le, bei dem man schon ziem­lich gut erken­nen kann, was ein­mal dar­aus wer­den soll – auch wenn hier und da noch ein paar Lego­stei­ne feh­len, weil sie irgend­je­mand in die fal­sche Kis­te gepackt hat.

Roma uno die non est con­di­ta. Es hat ver­mut­lich einen guten Grund, war­um die Natur sich mit dem Erwach­sen­wer­den so viel Zeit lässt. Wer mit einem Jahr schon fer­tig wäre, hät­te danach schließ­lich nicht mehr viel vor. Also wach­sen Hun­de wei­ter. Erst in die Höhe. Dann in die Brei­te. Irgend­wann in den Kopf. Und mit etwas Glück irgend­wann auch in ihre Ohren.

Und jetzt: geht spie­len. Falls ihr Fünf über­haupt so lan­ge zuge­hört habt.

© Johannes Willwacher