Gerahmte Zeichnung eines Border Collie Welpen
27|07|2026 – Unser K-Wurf fei­ert sei­nen 2. Geburtstag

Unserem K-Wurf zum zweiten Geburtstag: von gehetzten ersten Jahren, vernünftigen zweiten – und einer Theorie, die biologisch vermutlich völliger Unsinn ist.

Viel­leicht ist es so, dass das ers­te Jahr im Leben eines Hun­des immer auf der Suche nach dem zwei­ten ist. Weil sich ein Jahr – so wie ein Mensch, ein Hund, ein Frucht­jo­ghurt – ganz furcht­bar allei­ne fühlt, so lan­ge kein zwei­tes dane­ben steht. Viel­leicht kann ein ein­zel­nes Jahr des­halb gar nicht rich­tig Jahr sein. Ein gutes Jahr. Ein ver­nünf­ti­ges Jahr. Ein Jahr, mit dem man etwas anfan­gen kann. Viel­leicht wirkt das ers­te des­halb immer ein wenig gehetzt, ein wenig suchend, ein wenig unzu­frie­den. Weil es sich erst dann ganz, erst dann kom­plett fühlt, wenn das zwei­te mit einer bren­nen­den Geburts­tags­ker­ze neben ihm steht.

Das wür­de vie­les erklä­ren. Zumin­dest, war­um ein zwei­jäh­ri­ger Hund ganz plötz­lich viel ver­nünf­ti­ger wirkt, als noch vor drei­hun­dert­fünf­und­sech­zig Tagen. Men­schen brau­chen deut­lich län­ger, bis sich aus eins und eins so etwas wie geis­ti­ge Rei­fe ergibt. Und beim Frucht­jo­ghurt schei­tert die Theo­rie schon am Min­dest­halt­bar­keits­da­tum. Blei­ben wir also bei den Hun­den. Blei­ben wir beim zwei­ten Geburts­tag. Oder bes­ser: bei dem, was sich mit einem Mal rich­tig anfühlt.

Denn irgend­et­was pas­siert tat­säch­lich. Nicht bei jedem Hund gleich. Nicht am Mor­gen des Geburts­tags, pünkt­lich um halb acht. Aber wer vie­le jun­ge Hun­de erlebt hat, der kennt die­sen Moment. Nicht den Tag. Den Moment.

Plötz­lich ist da ein Hund, der nicht mehr auf jede Bewe­gung reagiert, als hin­ge das Schick­sal der Welt davon ab. Einer, der sich selbst einen Augen­blick län­ger Zeit lässt, bevor er ent­schei­det. Der nicht weni­ger neu­gie­rig ist als vor­her, aber ein klei­nes biss­chen siche­rer. Ein klei­nes biss­chen gelas­se­ner. Als hät­te irgend­wo tief drin­nen jemand einen Schal­ter umge­legt, von des­sen Exis­tenz nie­mand etwas wusste.

Natür­lich stimmt das bio­lo­gisch alles nicht. Da wird kein zwei­tes Jahr fer­tig mon­tiert und neben das ers­te gestellt. Hor­mo­ne, Erfah­run­gen, Rei­fung – die Erklä­run­gen sind deut­lich weni­ger poe­tisch. Aber sie sind auch ein gutes Stück langweiliger.

Des­halb belas­sen wir es dabei, dass mit Zwei Romeo end­lich sei­ne Julia fin­det. Hol­mes sei­nen Wat­son. The­re­se Gieh­se ihre Eri­ka Mann. Und dass man das am bes­ten fei­ert. Mit einem Frucht­jo­ghurt, vielleicht.

© Johannes Willwacher