»Du musst weiter nach rechts werfen«, rufe ich so laut es geht vom schräg gegenüber liegenden Ufer herüber, komme aber kaum gegen das Bellen an, das sich an den steilen Basaltwänden des Steinbruchs bricht und – hundertfach verstärkt – über dem See widerhallt. Hier und da lässt ein leiser Wind sich die Oberfläche kräuseln, so dass das dunkle Grün des Waldes, das sich darin spiegelt, feine Risse bekommt, die gleich wieder zerfließen. Nur dort, wo die Hunde bis zum Bauch im Wasser stehen, schäumt es.

»Wenn du zu weit nach links wirfst, kann ich nicht fokussieren«, rufe ich noch einmal, »links fällt das Ufer zu steil ab und bevor ich den Schärfepunkt setzen kann, hat das Wasser die Hunde verschluckt«. Das Frisbee fliegt in einer konstanten Kurve an mir vorbei und kommt mit einem Klatschen, viel zu weit vom Ufer entfernt, auf der Oberfläche auf. Die Hunde rühren sich nicht, der Mann in ihrer Mitte brüllt. Ich lasse den Objektivdeckel klicken, verstaue die Kamera in der gut gepolsterten, grauen Umhängetasche, und schlucke gerade so ein unterdrücktes »Hab’ ich doch gesagt!« herunter.

Dass wir den einsam gelegenen Steinbruchsee ganz für uns haben, mag an der Tageszeit liegen, denn im Gegensatz zu den frühen Morgenstunden ist jener in den Sommermonaten ab der Mittagszeit meist gut besucht – davon zeugen nicht nur halb eingedrückte Getränkedosen, die vergessen zwischen den gelb aufgeflammten Ginsterbüschen liegen, auch ausgebrannte Feuerstellen und Reste von Grillgut finden sich auf dem schmalen Grünstreifen, der den See zum Wald hin beschließt: Verbotsschilder sind immer auch eine Einladung, das Verbotene trotzdem zu tun.

Das bringt mich auf eine Idee. »Wirf das Frisbee doch einmal über die Steine nach links«, rufe ich, zücke die Kamera und stütze das gut eineinhalb Kilogramm schwere Objektiv auf dem freien Arm ab, »stell dir einfach eine gerade Linie als Verlängerung der Steine vor – das sollte schon passen – auf keinen Fall nach rechts«. Das Frisbee segelt nach rechts und ich drücke ab. Mitunter sind es nicht die Hunde, die erzogen werden müssen.