I’d give all wealth that years have
piled, the slow result of life’s decay,
to be once more a little child for
one bright summer day.
– »Solitude«, Lewis Carroll

Bausteine, spuckige Küsse und Hunde, die ihrem Schwanz nachjagen. Wer versucht, sich seine ersten bewussten Erinnerungen ins Gedächtnis zu rufen, wird nicht selten ähnliche Bilder sehen, wie diese. Und sich dabei früher oder später die Frage stellen, ob diese Bilder tatsächlich dem eigenen Gedächtnis entstammen, oder viel mehr nur Beiwerk sind zu Begebenheiten, die sehr viel später von den Eltern oder Großeltern erzählt worden sind. An den Umstand, dass ich, kaum das ich sprechen konnte, unsere beinahe gleichaltrige Schäferhündin befehligt haben soll, meine ich mich zwar zur erinnern, weiß aber nicht, wie viel davon ich tatsächlich selbst erlebt und wie viel nur selbst erfunden habe. In meiner Erinnerung liege ich bäuchlings vor dem Fernseher, die Nachmittagssonne wirft lange Schatten auf den Teppich unter mir, ich strahle und strecke krähend die Hand nach dem Hund aus, der sich mir vorsichtig von der Tür aus nähert. Nicht viel davon wird der Wahrheit entsprechen, denn die frühesten Erinnerungen, zu denen ein Mensch fähig ist, lassen die ersten beiden Lebensjahre aus. Ich erinnere mich also nicht an meine, sondern an die Erinnerungen von anderen – und füge den Worten selbst nur Bilder hinzu, die mir vertraut erscheinen. Schöne Erinnerungen leuchten immer im Licht der Nachmittagssonne.

Die ersten Erinnerungen, von denen ich annehme, dass sie meine eigenen sind, haben mit Tanten zu tun. Nicht mit solchen, die wirklich mit mir verwandt gewesen wären, eher mit solchen, die man so nannte, weil es schön und einfach war: die Tanten im Kindergarten. Es gibt Bilder aus dieser Zeit. Bilder, die mich in der Malecke zeigen, im Sandkasten oder verkleidet als Sperling mit einem Schnabel aus Tonpapier. Es gibt Begebenheiten, von denen man mir erzählt hat. Begebenheiten, die mit »Weißt du noch?« beginnen und mit einem blauen Auge und der Frühstückstasse eines jähzornigen Kindes zu tun haben. Und dann gibt es Dinge – nicht viele, nur ein paar – von denen mir niemand erzählt, die niemand fotografiert haben kann. Das Gesicht der Tante, die keine sein will, und das Gefühl, das ein Dreijähriger hat, wenn er merkt, dass er bloß ein ziemlich dummer Dreijähriger ist, ist eines davon. Manche Tanten wollen lieber Frauen sein.

Man kann darüber streiten,
was ein Welpe erinnert.

Man kann darüber streiten, was ein Welpe erinnert. Nicht wenig davon wird, wie die unfreiwillige Tante, eher gefühlt als gegenständlich sein. Als Züchter lässt man kaum etwas unversucht, um den Welpen so früh wie möglich einer Vielzahl von Reizen auszusetzen. Reize, die anschwellen, wieder verschwinden und durch neue ersetzt werden. Die auf schwankendem Boden Selbstsicherheit geben. Die mal rollen, mal lärmen, mal pieksen wie Gras. Man kann darüber streiten, was ein Welpe erinnert. Das Gefühl, das alles möglich ist, gibt von allen die beste Erinnerung ab.