15|02|2016 – Wann gibt’s was zu Essen?

Mutter zu sein ist äußerst widersprüchlich …

Drei Mahl­zei­ten rei­chen nicht, meint Edda, und steht, kaum dass sie die wei­ße Por­zel­lan­schüs­sel sau­ber geleckt hat, wie­der im Tür­rah­men zur Vor­rats­kam­mer. Die Bügel­grif­fe der drei grau­en Behäl­ter sind unnach­gie­big, müh­sam zu öff­nen, und selbst, wenn man sich mit bei­den Pfo­ten dar­an zu schaf­fen macht, gelingt es nicht den Deckel zu heben, gelingt es bloß, einen nach dem ande­ren umzu­wer­fen, wäh­rend das Fut­ter dar­in ver­schlos­sen bleibt. Drei Mahl­zei­ten aber rei­chen nicht – nicht für Edda –, und auch wenn Fleisch und Ei und Quark zu jeder Mahl­zeit gehö­ren, ist der Magen gänz­lich unzu­frie­den, will hei­ßen: leer. Mut­ter zu sein ist äußerst wider­sprüch­lich, möch­te man sagen – weil es ande­re satt, die Mut­ter selbst aber immer­zu hung­rig macht.

Im Gegen­satz dazu im Stock­werk dar­über: Nichts – nur woh­li­ges Schmat­zen. Dicht gedrängt lie­gen die Vier bei­ein­an­der, dick und rund und weich und warm, flüs­tern sich lei­se in süße­re Träu­me, oder vom Glück eine Mut­ter zu haben.

Zehn Tage sind unse­re Wel­pen nun alt und alle haben ihr Geburts­ge­wicht bei wei­tem ver­dop­pelt: Etwa 850 Gramm brin­gen die Vier auf die Waa­ge – und wäh­rend ich die­se Zei­len hier schrei­be, hat bereits die Ers­te ihre Augen auf­ge­macht.

© Johannes Willwacher