04|02|2019 – Unser D-Wurf feiert seinen dritten Geburtstag
04|02|2019 – Unser D-Wurf fei­ert sei­nen drit­ten Geburts­tag

Was bedeutet es, Züchter zu sein? Seine Würfe sorgfältig zu planen? Die Welpen mit Liebe aufzuziehen? Über Antworten, Angst und das Unerwartete …

Als Züch­ter bil­det man sich ger­ne ein, auf alles Ant­wor­ten zu haben. Viel­leicht, weil die Erwar­tungs­hal­tung der Wel­pen­käu­fer das bestimmt, und es einem inso­fern zu eigen gewor­den ist, allen mög­li­chen Fra­gen mit Über­le­gen­heit begeg­nen zu kön­nen. Was man weiß, das gibt man wei­ter. Und was man nicht weiß, das schlägt man nach, über­legt, bis sich eine Erklä­rung gefun­den hat – weil sich alles erklä­ren, alles vor­her­se­hen, alles ver­ant­wort­lich ver­tre­ten las­sen muss: alles wird gut.

Im Mär­chen gelingt das – da passt Aschen­put­tel der Schuh, wird der Frosch zum Prin­zen und Dorn­rös­chen wach­ge­küsst. Es war ein­mal – und dann leb­ten sie glück­lich bis an ihr Lebens­en­de. Alle Ant­wor­ten sind da, alles ver­läuft ganz genau so, wie man es erwar­tet. Das Pro­blem ist nur, dass man frü­her oder spä­ter ein­se­hen muss, dass das Leben kein Mär­chen ist – dass man eines Mor­gens auf­wacht und fest­stellt, dass der Wolf nicht mit einem Magen vol­ler Wacker­stei­ne im Brun­nen ertrun­ken ist, dass er noch immer knur­rend vor dem Bett sitzt und die Zäh­ne fletscht. Was soll man tun? Was sagen, was den­ken? Zieht man sich die Decke über den Kopf und ver­sucht, das Unge­heu­er weg­zu­träu­men? Oder stellt man sich ihm – dem Uner­war­te­ten, der Angst, dem Riss in der Welt?

Der Riss, den der plötz­li­che Tod von Boun­ty im letz­ten Herbst hin­ter­las­sen hat, klafft auch heu­te – zum drit­ten Geburts­tag sei­ner Geschwis­ter – noch weit offen. Ich habe mich schwer getan, damit umzu­ge­hen – und tue es noch immer. Nicht nur, weil sich kei­ne Ant­wor­ten fin­den las­sen – wie­so, wes­halb, war­um –, son­dern auch, weil sich mein Selbst­ver­ständ­nis als Züch­ter dadurch in Fra­ge gestellt sieht. Weil ich eben nicht der bin, der ich sein woll­te – nicht der net­te Mär­chen­on­kel, der jedem sein Hap­py­end ver­kauft. Denn egal wie gut und sorg­fäl­tig ich auch pla­ne – wie gut sich die Geschich­te, die ich schrei­be, auf dem Papier auch liest –, steht das ech­te Leben doch viel­mehr für das Uner­war­te­te. Für all das, was sich nicht pla­nen, nicht ver­spre­chen lässt.

Da zu sein – mich zu erin­nern, Anteil zu neh­men, nichts zu ver­ges­sen –, ist des­halb viel­leicht das Ein­zi­ge, das ich zuver­läs­sig ver­spre­chen kann. Ich weiß nicht, wie vie­le Jah­re auf die­sen oder jenen Geburts­tag fol­gen wer­den, ob am Ende immer alles gut oder alles noch viel schlim­mer wer­den wird – auch ich habe nicht alle Ant­wor­ten. Aber Hoff­nung. Zuver­sicht. Und Lie­be. Und euch Drei­en – Spen­cer, Nana und Zep­po – wün­schen ich davon heu­te für vier!

© Johannes Willwacher