Buddy, CH Broadmeadows Body and Soul
Bud­dy, CH Broad­me­a­dows Body and Soul

Warm und kalt, Regen und Wind – auch unsere Vierbeiner haben sich da schnell mal einen Schnupfen eingefangen. Über Langeweile, Literatur – und Linderung.

Das Buch auf dem Nacht­tisch hat einen wel­li­gen Ein­band und der Schnitt, auf dem am Kopf ein dun­kel­brau­ner, an Kaf­fee oder schwe­re Soßen erin­nern­der Fleck prangt, ist ver­gilbt. Es wird zwan­zig, viel­leicht noch mehr Jah­re her sein, seit­dem ich es zuletzt in der Hand gehal­ten, letzt­lich aus­ge­le­sen habe, aber wäh­rend sich mein jün­ge­res Ich bloß aus Pflicht­be­wusst­sein durch das bald tau­send­sei­ti­ge Werk müh­te, gilt das zwei­te Mal viel­mehr dem Ver­gnü­gen. Das mag selt­sam anmu­ten, denn ver­gnüg­lich ist die Lek­tü­re eigent­lich nicht: buch­stäb­lich jeder der Prot­ago­nis­ten ist krank und bei­na­he alle fünf Sei­ten stirbt jemand. Dazwi­schen wird über Fie­ber­ther­mo­me­ter und Lie­ge­ku­ren gespro­chen, dass »Krank­heit […] den Men­schen viel kör­per­li­cher, […] ihn gänz­lich zum Kör­per« macht, und frei­lich gehus­tet – viel. Für ein Lun­gen­sa­na­to­ri­um zu Beginn des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts völ­lig nor­mal. Auf­fal­lend ist, wie nah und echt und anste­ckend sich das anfühlt – was aber, sobald ich das Buch bei­sei­te lege, erklär­lich wird. Denn krank sind auch hier alle. Alle vier.

Von wel­chem der vier Hun­de die Erkäl­tung stammt – der Hus­ten, Schnup­fen, die erhöh­te Tem­pe­ra­tur –, ist nicht schwer aus­zu­ma­chen: Hei­di war die Ers­te, bei der die trie­fen­de Nase auf­ge­fal­len ist, und bei der sich an den Nasen­flü­geln, die sonst, ganz ohne Zwei­fel, in schöns­tem Schwarz glän­zen, ein all­zu bekann­tes, gelb­li­ches Sekret abge­setzt hat. Bald dar­auf war es Ida, und schließ­lich, kaum drei Tage spä­ter, hat­te es auch die bei­den ande­ren Hun­de erwischt: ein Nie­sen und Hus­ten – all­über­all.

Gutes für die Fellnasen

Wenn die Erkäl­tung des Hun­des nicht gera­de nach tier­ärzt­li­cher Behand­lung – nach Schleim­lö­sern und Anti­bio­ti­ka – ver­langt, und eine mög­li­che ande­re, viel­leicht schwer­wie­gen­de­re Erkran­kung, die mit ähn­li­chem Sym­pto­men ein­her­geht, aus­ge­schlos­sen wer­den kann, las­sen sich Hus­ten und Schnup­fen in vie­len Fäl­len auch mit täg­li­chen Inha­la­tio­nen in den Griff bekom­men. Das hilft näm­lich auch unse­ren Vier­bei­nern. Auf äthe­ri­sche Öle, die die emp­find­li­chen Nasen unse­rer Hun­de stark rei­zen, soll­te dabei aber unbe­dingt ver­zich­tet wer­den – viel eher emp­fiehlt sich ein bewähr­tes Haus­mit­tel: ein Auf­guss aus Kamil­le. Hier kann zwar auch, wenn nichts ande­res zur Hand, auf Tee­beu­tel zurück­ge­grif­fen wer­den, qua­li­ta­tiv sind aber getrock­ne­te Kamil­len­blü­ten, die man in jeder Apo­the­ke bekommt, bes­ser. Um den Hund vor einer Ver­brü­hung zu schüt­zen ist es wich­tig, dass man ihn nicht in direk­ten Kon­takt mit dem kochen­den Was­ser tre­ten lässt – eine Hun­de­box, die man mit einem Laken abde­cken kann, ist hier von gro­ßem Vor­teil: der Hund ist sicher hin­ter dem Git­ter, der Topf mit dem kochen­den Was­ser sicher davor. Wer über kei­ne Hun­de­box ver­fügt oder sich auch selbst etwas Gutes tun will, der kann den Hund wäh­rend eines hei­ßen Wan­nen­ba­des aber auch ein­fach mit ins Bade­zim­mer neh­men – die hei­ßen Dämp­fe aus dem Erkäl­tungs­bad tun auch dem Vier­bei­ner gut. Selbst wenn er nur vor der Wan­ne sitzt.

Ob es nun der Zufall woll­te, dass ich gera­de jetzt den zer­le­se­nen »Zau­ber­berg« aus dem Regal zog, oder ins­ge­heim doch das Hus­ten und Prus­ten der Hun­de dafür Pate stand, tut nichts zur Sache – auf­fal­lend ist, dass man ein Buch sehr schnell aus­ge­le­sen hat, wenn man den Vier­bei­nern tro­cke­ne Wär­me und Bett­ru­he ver­ord­net, sich selbst zum Nichts­tun ver­don­nert hat. Viel­mehr, als den Hun­den beim Gesund­wer­den zuzu­schau­en, bleibt einem schlech­ter­dings auch nicht zu tun – vom gele­gent­li­chen Fie­ber­mes­sen, das von den Hun­den genau­so wenig gou­tiert wird, wie die all­ge­gen­wär­ti­ge Lan­ge­wei­le, ein­mal abge­se­hen. Hun­de zu haben bedeu­tet meis­tens, dass alles in Bewe­gung ist. Gera­de bedeu­tet es Still­stand. »Also Ruhe, Geduld, […], mes­sen, essen, lie­gen, abwar­ten und Tee trin­ken«.

Alle Zita­te aus: Tho­mas Mann, Der Zau­ber­berg (1924)

Unse­re Nach­zuch­ten an den Scha­fen, im Schnee oder am Strand, beim Wald­spa­zier­gang, als zer­ti­fi­zier­ter Besuchs­hund, erfolg­rei­cher K9-Such­hund – und gut ver­steckt als Teil der Innen­ein­rich­tung … 

© Johannes Willwacher