Border Collie Hündin
31|08|2019 – Hei­di in der (viel­leicht) vier­ten Träch­tig­keits­wo­che

Nur weil das Lehrbuch von Ausfluss, Fressunlust und Übelkeit spricht, muss sich eine – vielleicht – trächtige Hündin doch nicht danach verhalten. Zumindest dann nicht, wenn es dabei um Heidi geht.

Geduld ist bit­ter, aber sie trägt süße Früch­te.
Jean-Jac­ques Rous­se­au

Es scheint fast so, als hät­te sich das Leben die Decke über den Kopf gezo­gen, im Halb­schlaf gemur­melt, dass es noch fünf Minu­ten braucht und das Gesicht zum Beweis noch ein­mal fest in die Kis­sen gedrückt: von dem Leben, das in einem Hun­de­haus­halt gemein­hin herrscht – dem Drang, alles jetzt zu erle­ben, nichts für spä­ter auf­zu­he­ben –, ist der­zeit kaum mehr als ein müdes Gäh­nen übrig.

Hei­di hebt den Kopf, als ich das Schlaf­zim­mer betre­te, und obschon ihr Blick schwer und schläf­rig wirkt, folgt sie mir mit dem­sel­ben, wäh­rend ich die schwer­fäl­li­ge Schub­la­de der schwar­zen Kom­mo­de auf­zie­he, in der in schöns­ter Unord­nung Socken und Strümp­fe auf­be­wahrt wer­den, und nach kur­zem Zögern schließ­lich ein Paar her­aus­neh­me. »Nur Socken«, scheint ihr Blick zu sagen – und weil eben jene weder zum Spie­len, noch zum Essen tau­gen, hat sie den Blick schon wie­der abge­wen­det und die Schnau­ze zwi­schen den Pfo­ten ver­gra­ben, als ich mich zu ihr auf das Bett set­ze. »Sie liegt«, sage ich mit einem Seuf­zen zu mir selbst, »sie liegt und schläft«. Dann strei­fe ich mir schul­ter­zu­ckend die Socken über die nack­ten Füße, ste­he auf und gehe auf die Schlaf­zim­mer­tür zu. Hei­di bleibt lie­gen.

Vier Wochen sind seit dem ers­ten Deck­akt ver­gan­gen – und wäh­rend ich bei unse­ren übri­gen Hün­din­nen spä­tes­tens zum Ende der drit­ten Woche ers­te Anzei­chen für eine mög­li­che Träch­tig­keit bemer­ken konn­te, hält sich Hei­di zu mei­nem Miß­fal­len bis­lang aus­ge­spro­chen bedeckt. Kei­ne Übel­keit, kein Erbre­chen – kei­ne Mahl­zeit, die sie aus­ge­las­sen hat. Zwar schläft sie viel und frisst sehr lang­sam, dass sie aber seit gut acht Tagen jeden Bis­sen zehn­mal kaut – ihr Fut­ter nicht mehr in Win­des­ei­le her­un­ter­schlingt –, möch­te ich genau­so wenig als ver­läss­li­chen Hin­weis wer­ten, wie die Zit­zen, die deut­lich ange­schwol­len und gerö­tet sind. »Sie liegt und schläft«, den­ke ich also, als ich die Trep­pe her­un­ter gehe, und auch noch, als ich schließ­lich vor dem Küchen­tisch ste­he und das Maß­band aus der mitt­le­ren Schub­la­de neh­me.

Bauch und Tail­le der Hün­din hat­te ich gleich in der ers­ten Woche nach dem Deck­akt zum ers­ten Mal gemes­sen und mir als Grund­maß neun­und­vier­zig Zen­ti­me­ter auf­ge­schrie­ben. Das Maß, das ich zum Ende der vier­ten Woche notie­re – nach­dem sich Hei­di auf mein Rufen hin bequemt hat, das Bett zu ver­las­sen und die fünf­zehn Stu­fen zu mir hin­un­ter zu trot­ten –, erstaunt mich dann aber doch: vier Zen­ti­me­ter mehr. Könn­te das ein Hin­weis sein? Könn­ten sich hin­ter jenen vier zusätz­li­chen Zen­ti­me­tern unse­re nächs­ten Wel­pen ver­ste­cken?

Nach dem Ultra­schall­ter­min in der kom­men­den Woche wis­sen wir mehr.

Border Collie Hündin
31|08|2019 – Hei­di in der (viel­leicht) vier­ten Träch­tig­keits­wo­che

© Johannes Willwacher