Trächtige Border Collie Hündin
28|09|2019 – Ganz schön rund: Spa­zier­gang am 56. Träch­tig­keits­tag

Mit dem Absinken der Temperatur macht sich bei der Hündin die bevorstehende Geburt bemerkbar: wir begleiten Heidi durch die Stunden vor der Geburt ihrer ersten Welpen.

Diens­tag, 1. Okto­ber 2019, 9 Uhr

Schon am Mon­tag­mor­gen – als das Mess­ergeb­nis zum ers­ten Mal unter dem gewohn­ten Wert lag – mach­ten sich bei mir lei­se Zwei­fel breit, ob wir mit dem errech­ne­te Geburts­ter­min zum Fei­er­tag wirk­lich rich­tig gele­gen hat­ten und die Wochen­pla­nung nicht doch noch ein­mal über­den­ken muss­ten. Bis­lang hat­te sich die bevor­ste­hen­de Geburt bei kei­ner unse­rer Hün­din­nen vor dem 60. Träch­tig­keits­tag ange­kün­digt – beim letz­ten Wurf hat­te ich bis zum 65. Träch­tig­keits­tag ver­geb­lich auf das Absin­ken der Tem­pe­ra­tur gewar­tet –, die Gewohn­heit war folg­lich auch bei die­sem Wurf davon aus­ge­gan­gen, Zeit zu haben. Bei Hei­di schien nun aber alles anders sein zu sol­len, denn auch die Wer­te, die ich am Mit­tag und Abend des 58. Träch­tig­keits­ta­ges ermit­tel­te, lagen deut­lich unter den 37,8 Grad der ers­ten Mes­sun­gen: 37,5 Grad am Mit­tag und 37,0 Grad am Abend.

Trächtige Border Collie Hündin liegt im Flur
01|10|2019 – Der 59. Träch­tig­keits­tag: alles war­tet

Am Diens­tag­mor­gen, dem 59. Träch­tig­keits­tag, lag die Tem­pe­ra­tur nach dem Auf­ste­hen schließ­lich bei 36,8 Grad, kaum eine Stun­de spä­ter bei 36,6 Grad. Hat­te ich bis dahin noch über­legt, mei­ne Sachen zu packen und zur Arbeit zu fah­ren, blie­ben Hemd und Hose doch im Schrank, und wur­de statt­des­sen nicht nur die Wurf­kis­te frisch bege­zo­gen, son­dern flugs auch noch all das bereit­ge­stellt, was unter der Geburt griff­be­reit ste­hen soll.

Hei­di zeigt sich bis­lang ruhig – vom immer wie­der­keh­ren­den, ange­streng­ten Hecheln, das schon seit Tagen die Senk­we­hen beglei­tet, und dem nächt­li­chen Gra­ben zwi­schen Decken und Laken ein­mal abge­se­hen –, liegt ent­spannt auf den küh­len Flie­sen und schläft. War­ten wir ab, was die kom­men­den Stun­den mit sich brin­gen – bei erst­ge­bä­ren­den Hün­din­nen ist die Eröff­nungs­pha­se der Geburt oft­mals beson­ders lang und kann sich bis zu 48 Stun­den zie­hen.

Border Collie Hündin in der Wurfkiste
01|10|2019 – Pro­be­lie­gen für das, was da kommt

Diens­tag, 1. Okto­ber 2019, 12 Uhr

Das Früh­stück hat Hei­di nicht geschmeckt. Bloß den Quark und das auf­ge­schla­ge­ne Ei, unter das ich eine hal­be Ampul­le Cal­ci­um Fru­bia­se gege­ben hat­te, hat sie genüss­lich auf­ge­leckt, das Tro­cken­fut­ter aber ste­hen las­sen. Wäh­rend Dirk sich mit den drei übri­gen Hun­den den Wind um die Nase hat pfei­fen las­sen, haben wir die Wurf­kis­te ein letz­tes Mal aus­ge­wa­schen, fri­sche Laken aus­ge­legt und schließ­lich gemein­sam Pro­be gele­gen: gemüt­lich, ja – aber zum Gra­ben und Wüh­len tun es vor­erst auch noch die Kis­sen auf der Couch. Die Tem­pe­ra­tur ist unver­än­dert – ob sie im Lau­fe des Tages noch wei­ter sinkt oder wir den Tief­punkt bereits erreicht haben, wird sich zei­gen.

Border Collie Hündin am Tag der Geburt
01|10|2019 – Ruhe? Gibt’s nicht bis zum Schluss …

Diens­tag, 1. Okto­ber 2019, 15 Uhr

Von der Couch in das Körb­chen, von den Flie­sen mit wie­gen­den Schrit­ten die Trep­pe hin­auf, vom Bett in die Schlaf­box und kurz dar­auf in die Wurf­kis­te neben­an: lan­ge hält es Hei­di nir­gends aus. Mit jeder Stun­de, die ver­geht, scheint sie unru­hi­ger zu wer­den – ganz so wie die Wel­pen in ihrem Bauch, die sich in den weni­gen Momen­ten, in denen die wer­den­de Mut­ter nicht her­um­läuft oder gräbt, gut unter der prall gespann­ten Bauch­de­cke tas­ten las­sen. Die Tem­pe­ra­tur ist seit dem Mor­gen um ein hal­bes Grad ange­stie­gen. Ob es sich dabei um eine Schwan­kung han­delt oder wir uns bereits auf das Ein­set­zen der Geburts­we­hen zube­we­gen? Wenn es nach den stram­peln­den Wel­pen geht, die für gewöhn­lich kurz vor der Geburt immer ruhi­ger wer­den und sich kaum noch ertas­ten las­sen, haben wir noch Zeit. Und auch Hei­di wirkt – dem Hin-und-her-Geren­ne zum Trotz – noch viel zu ent­spannt, um ans Wer­fen zu den­ken.

© Johannes Willwacher