Border Collie Welpe nach der Geburt
02|10|2019 – Die erst­ge­bo­re­ne Toch­ter von Hei­di und Zion

Sechs Welpen hat Heidi am 1. Oktober das Leben geschenkt – eine leichte, unkomplizierte Geburt, die trotz allem doch aufregend gewesen ist. Am meisten wohl für mich.

»Ich soll­te mich noch ein­mal hin­le­gen«, sage ich zu Dirk, der Zion gera­de das Geschirr über den Kopf gezo­gen hat, »die Nacht wird lang wer­den«. Dirk nickt, nimmt die Lei­nen vom Haken, zieht den Reiß­ver­schluss der Regen­ja­cke zu und sich die Kapu­ze tie­fer ins Gesicht. Dass Hei­di es noch bis zum errech­ne­ten Geburts­ter­min am kom­men­den Don­ners­tag aus­hal­ten wird, scheint auch ihm unwahr­schein­lich. »Wir wer­den die Nacht wohl mit Hecheln und War­ten ver­brin­gen«, sagt er und leint Nell und Zion an. Wäh­rend die drei im Regen ver­schwin­den, blei­be ich allei­ne zurück. Es ist kurz nach fünf.

Als ich kaum fünf Minu­ten spä­ter ins Schlaf­zim­mer kom­me, liegt Hei­di in ihrer Box, den Kopf nach hin­ten abge­wandt. Weil die Hün­din auf mei­ne Anspra­che nicht reagiert, las­se ich mich neben dem Bett auf die Knie sin­ken – wei­ter kom­me ich gar nicht, denn kaum habe ich mich ein Stück näher an die Box her­an bewegt, höre ich es aus dem Inne­ren stöh­nen. Ich grei­fe mit der Hand über die Hün­din hin­weg, sehe die ers­ten Wehen in Wel­len über ihren Rücken lau­fen, dann ertas­te ich hin­ter ihr etwas Feuch­tes. Frucht­was­ser. »Auf jetzt, los«, sage ich noch ein­mal zu Hei­di, die zwar seufzt und stöhnt, sich aber schließ­lich doch bequemt, mir ins Neben­zim­mer zu fol­gen. Es ist zwan­zig nach fünf.

Die Wehen sind stark und gleich­mä­ßig, die Scham der Hün­din bald schon so weit gedehnt, dass sich zwi­schen den lan­gen Fell­sträh­nen die ers­te Frucht­bla­se erken­nen lässt. Ich rede beru­hi­gend auf die Hün­din ein, ver­su­che die Wehen mit strei­cheln­den Hän­den zu ver­stär­ken – nach­dem sich die Hün­din ein­mal umge­wen­det und erschro­cken in die Höhe gestemmt hat, hängt der ers­te Wel­pe in Steiß­la­ge aus ihr her­aus, nur noch Res­te der Frucht­bla­se um die win­zi­gen Pfo­ten. »Du musst pres­sen«, wei­se ich die Hün­din mit zit­tern­der Stim­me an, »nur noch ein­mal pres­sen, dabei kann ich dir nicht hel­fen«. Weil die erhoff­te Wehe aber aus­bleibt und der Kopf des Wel­pen noch immer tief im Geburts­ka­nal der Hün­din steckt, schie­be ich schließ­lich vor­sich­tig zwei Fin­ger am Kör­per des Wel­pen vor­bei und schaf­fe es so, ihn aus der miss­li­chen Lage befrei­en. Schnell ist die erst­ge­bo­re­ne Hün­din von Blut und Schleim befreit und abge­na­belt, schnell liegt sie laut schmat­zend an der Zit­ze ihrer Mut­ter. Der zwei­te Wel­pe folgt kaum zehn Minu­ten spä­ter – und auch der drit­te ist schon gebo­ren, als Dirk gegen halb sie­ben vom Spa­zier­gang zurück­kehrt.

17.55 Uhr – No. 1 | 298 Gramm | Hün­din
18.05 Uhr – No. 2 | 288 Gramm | Rüde
18.35 Uhr – No. 3 | 296 Gramm | Rüde
18.50 Uhr – No. 4 | 312 Gramm | Rüde
19.40 Uhr – No. 5 | 278 Gramm | Hün­din
21.50 Uhr – No. 6 | 286 Gramm | Rüde

In weni­ger als zwei Stun­den schenkt Hei­di fünf Wel­pen das Leben. Der sechs­te Wel­pe lässt ein wenig län­ger auf sich war­ten und erblickt erst gegen 22 Uhr das Licht der Welt. Im Gegen­satz zu sei­nen Geschwis­tern braucht es aber erst noch eine kal­te Dusche und ein paar kräf­ti­ge Schlu­cke Wel­pen­milch, um sei­ne Lebens­geis­ter zu wecken. Dann aber lie­gen alle Sechs zufrie­den schmat­zend bei­ein­an­der – und nicht nur Hei­di, son­dern auch wir kön­nen unser Glück gar nicht fas­sen.

© Johannes Willwacher