An manchen Tagen scheint man sich im steten Taumel zwischen zwei Zuständen zu bewegen. Zwei Zuständen, die sich zyklisch wiederholen und zuweilen auch überschneiden: Müde und glücklich. An guten Tagen mögen beide ausreichen, um das Züchterleben zu beschreiben.

Es fängt an mit …

Als am Freitagabend der erste Besuch, eine Familie aus Mainz, die Schuhe abstreift und auf leisen Sohlen das Welpenzimmer betritt, den lange ersehnten Welpen schließlich an sich drückt und mir berichtet, welche Hundevereine man sich bereits angesehen, welches Spielzeug man bereits gekauft und welchen Namen man sich ausgedacht hat, bin ich glücklich. Alles wartet, alles ist vorbereitet und auf vier Gesichtern strahlt es hell und warm.

Als sich am Samstagabend die Tür wieder schließt und sich zwei Menschen auf den Heimweg nach Hildesheim machen, stehe ich noch lange am Fenster und lasse das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, nachwirken. Irgendwo weiter hinten, dort, wo der Wagen hinter der Biegung der Straße verschwunden ist, wartet auf »Edda« ein wunderbares Leben – und in Jule der Mensch, der ihr all das geben wird, was es braucht, um glücklich zu sein.

Als ich am Sonntagmorgen aufwache, wiegt das Kissen schwer wie Blei. Die Augen noch halb geschlossen, wandere ich im Halbdunkel zur Wurfkiste und werfe einen schläfrigen Blick auf sechs Welpen, die bereits munter und beim zweiten Frühstück angekommen sind. Während sich einer nach dem anderen mit rundem Bauch von der Zitze löst, zufrieden streckt und von allen Seiten ein sattes Gähnen ertönt, blinzeln mich schüchtern zwei winzige Augen an. Kurz verweilt der trübe Blick auf einem Punkt in der Dunkelheit, dann rollt man sich zusammen, schmatzt und schläft gleich wieder ein. Ich beneide den Glücklichen, ergehe mich selbst aber in morgendlicher Geschäftigkeit. Gegen neun begrüße ich schließlich die ersten Besucher des Tages, unsere Landesgruppenvorsitzende und eine Anwärterin auf das Amt des Zuchtwarts – immerhin, auch andere Zweibeiner scheinen sich an diesem Morgen mit Mühe aus dem Bett gequält zu haben – und nach ein wenig Schreibkram und ein wenig mehr Geplauder wird die erste Wurfabnahme mit einem Händedruck beschlossen: Gesunde Welpen, eine saubere Zuchtstätte und ein Züchter, der trotz der offenkundigen Müdigkeit einen aufgeräumten Eindruck macht.

Als der Nachmittag kommt, kündigt es vom Fenstersims, das auch für zwei ausgewachsene Hunde einen recht gemütlichen Ausguck abgibt, bellend die nächsten Besucher an. Überschwänglich werden beide begrüßt und noch bevor man sich der Jacken und Schuhe entledigt hat, stecken zwei Nasen suchend in den mitgebrachten Taschen: Besuch meint Geschenke, weiß jeder Hund. Nachdem jeder sein Mitbringsel bekommen und mit einem gierigen Bissen verschlungen hat, lässt man den Besuch gerne herein – man ist schliesslich nur ein wenig verzogen – und wartet geduldig vor dem Welpenzimmer bis die neuen, weltbesten Freunde ihre Wahl getroffen haben. So wird aus »A-Punk« ein »Lou«, aus Tom und Sindy glückliche Hundeeltern – und dem Züchter selbst bleibt nicht viel mehr als zu sagen, dass er längst gewusst hat, wessen Kind der Kleine wird.

… und endet glücklich!