07|11|2015 – Unsere Welpen sind acht Wochen alt

Den alten Koffer, der nun weit aufgeklappt auf dem asphaltierten Gehweg im unteren Garten liegt, hatte ich zu Beginn der Welpenzeit ersteigert – nicht, weil ich unbedingt einen neuen Koffer gebraucht hätte, viel mehr, weil mir das rote Karo, mit dem der Koffer innen ausgekleidet war, fast genau so gut gefiel, wie der Gedanke, selbigen als Accessoire für die letzten Fotos unserer sieben Welpen vor dem Auszug zu nutzen, und damit eine Brücke zu den ersten, ebenfalls vor kariertem Hintergrund aufgenommenen Welpenbildern zu schlagen. Während ich also bäuchlings auf dem Boden liege und versuche, den im Halbschatten abgestellten Koffer zu fokussieren, wird mir schlagartig bewusst, dass auf dieses Shooting kein nächstes folgen und sich am Wochenende darauf fast jeder der sieben Welpen auf den Weg ins sein neues Zuhause gemacht haben wird. Mehr schlecht als recht gelingt es mir, den Gedanken herunter zu schlucken und mich auf die Aufnahmen zu konzentrieren – kaum ist der Objektivdeckel nach dem letzten Bild aber wieder aufgeschraubt, drängt auch der Gedanke wieder unnachgiebig auf mich ein. Jener, der fragt: »Was bleibt – und was gibt man mit?«

»Die Fotos, die du von den Welpen machst, sind schön, es gelingt aber nicht, die Struktur der Welpen zu erkennen«, hat in den vergangenen Wochen jemand zu mir gesagt – und weil Struktur allein dem Laien wahrscheinlich recht wenig sagt, muss ich dazu wohl noch ein wenig weiter ausholen. Allgemein üblich ist es, die Welpen im Stand abzulichten, damit das Gebäude und die Proportionen entsprechend gezeigt und beurteilt werden können. Das mag für den, der mit der Rasse vertraut ist und weiß, welche Merkmale verglichen werden können, von Interesse sein – für den Laien (und bei einem Großteil der Welpeninteressenten dürfte es sich um Menschen handeln, denen nichts ferner liegt, als über das mögliche Zuchtpotenzial eines Welpen nachzudenken) ist es das nicht. Für den Laien sind es die Erinnerungswerte. Man mag es in meinem Fall als déformation professionnelle bezeichnen – schlussendlich verfolgt nämlich auch gut gemachte Werbung, die bekanntermaßen für mein Einkommen sorgt, immer das Ziel, das Herz des Kunden zu erobern und Erinnerungswerte zu schaffen –, die Übertragung scheint mir aber in diesem Fall mehr als naheliegend: Schönes bleibt.

»Bleibende Werte, also«, denke ich, während das Macbook auf meinem Schoß surrt und sich die ersten Bilder von Koffer und Welpen über den Bildschirm schieben. Oberflächlich beurteilt, ist es leichtes Gepäck mit dem ein Welpe reist – oberflächlich gibt man dem Welpen als Züchter bloß Halsband und Leine, ein wenig Futter und ein Fotoalbum mit, das die schönsten Momente zusammenfasst. Die eigentlichen bleibenden Werte – jene, die gerade in den letzten Wochen der Welpenzeit den größten Einsatz des Züchters fordern –, fallen auf den ersten Blick weniger offensichtlich aus: die Gewöhnung an alltägliche Abläufe, die Erziehung zur Stubenreinheit, das gemeinsame Spiel und die individuelle Förderung der Welpenpersönlichkeiten. Man sagt zwar gerne, dass der Züchter zwar den Welpen, den Hund aber der neue Besitzer macht, für viele Verhaltensweisen wird der Grundstein jedoch schon in den ersten Wochen des Hundelebens gelegt. Und auch hier gilt, wenn auch auf andere Weise: Schönes bleibt.

»Bleibe auch ich?«, frage ich mich abschließend, um gleich darauf das Macbook zuzuklappen und mich mit Bleistift und Papier den ersten Notizen zu diesem Text zu widmen. Der Wunsch, dass ein Welpe sich auch nach Jahren noch erinnert, wo er geboren wurde und wer ihn aufgezogen hat, wird oftmals schon nach wenigen Monaten enttäuscht – vielleicht sind es Bruchstücke, die dem Einzelnen bekannt vorkommen, vielleicht ist es die Vorliebe für tiefe, männliche Stimmen, die ihn zeitlebens begleitet –, fast alles andere geht auf dem Weg in das neue Leben schnell verloren. Man selbst bleibt zurück: ein Welpe reist meistens mit leichtem Gepäck.