Border Collie Hündin im Heidekraut, Wacholderheide in der Gambach bei Burbach
14|09|2019 – Hei­di in der 6. Träch­tig­keits­wo­che

Das letzte Drittel der Trächtigkeit ist durch das rasche Wachstum der Welpen geprägt – und durch einen Bauch, der zusehends runder wird. Das merkt auch die Hündin.

»Nein«, sage ich, set­ze mich auf und strei­fe mir die san­di­ge Erde mit einem Seuf­zen von den Unter­ar­men, »nein, so wird das nichts«. Zehn Minu­ten sind ver­gan­gen, seit­dem ich Nell, Ida und Zion an einem der gelb mar­kier­ten Pfos­ten ange­bun­den habe, die den schma­len Pfad hang­ab­wärts säu­men, und allein mit der träch­ti­gen Jüngs­ten zwi­schen den blü­hen­den Hei­desträu­chern ver­schwun­den bin. Zehn Minu­ten, die aber kaum etwas ande­res her­vor­ge­bracht haben, als lan­ge Gesich­ter auf bei­den Sei­ten. »Nein, so wird das nichts«, sage ich wie­der und ste­cke ent­täuscht die Kame­ra weg. Glück­lich geht anders.

So leicht die ers­ten fünf Wochen der Träch­tig­keit auch schei­nen moch­ten, merkt man Hei­di in der sechs­ten Woche nun doch immer deut­li­cher an, dass ihr nicht nur das stei­gen­de Gewicht, son­dern auch die ste­tig wach­sen­de Lei­bes­fül­le zu schaf­fen macht. Dass die unge­bo­re­nen Wel­pen, die zum Wochen­be­ginn kaum mehr als drei Zen­ti­me­ter maßen, ihre Grö­ße bin­nen weni­ger Tage ver­dop­pelt haben und die Gebär­mut­ter nun bei­na­he zwei Drit­tel der Bauch­höh­le ein­nimmt, kann sie zwar nicht ver­ste­hen – sie spürt aber ganz offen­sicht­lich die Ver­än­de­rung. Auch in ihrem Ver­hal­ten macht sich die­se Ver­än­de­rung bemerk­bar, denn mehr noch als sonst sucht sie über den Tag mei­ne Nähe und genießt es sicht­lich, sich den run­den Bauch strei­cheln zu las­sen, an dem rings­um das gut aus­ge­bil­de­te Gesäu­ge bereits das Fell aus­zu­fal­len begon­nen hat.

Border Collie Hündin im Heidekraut, Wacholderheide in der Gambach bei Burbach
14|09|2019 – Hei­di in der 6. Träch­tig­keits­wo­che

»Viel­leicht«, den­ke ich, als ich den Spa­zier­gang schließ­lich mit allen vier Hun­den fort­set­ze, »viel­leicht hät­te ich es ein­fach bei einem Sel­fie bewen­den las­sen sol­len – glück­li­cher Mensch mit glück­li­chem Hund auf einem glück­li­chen Sofa –, statt auf allen Vie­ren durch die Hei­de zu krie­chen«. Weil es sich mit den Din­gen, die man unbe­dingt will, aber fast immer genau­so ver­hält, wie mit dem Schwan­ger­sein, und man nicht ein­fach mit­ten­drin auf­hö­ren kann, wer­den die Hun­de gleich am nächs­ten Pfos­ten wie­der ange­bun­den und das ver­un­glück­te Shoo­ting fort­ge­setzt. »Dann guckt sie eben so, wie sie guckt«, sage ich zu mir selbst und hal­te den Aus­lö­ser gedrückt, »es darf doch ruhig jeder wis­sen, dass selbst der bravs­ten Hün­din bei einem Bauch­um­fang von über sech­zig Zen­ti­me­tern nur noch bedingt zum Lachen zumu­te ist«. Und damit träumt sich der Blick der Hün­din über die Sen­ke und das rosa blü­hen­de Meer hin­weg, ver­liert sich irgend­wo zwi­schen dem Heu­te und dem Mor­gen. Drei Wochen noch.

Border Collie Hündin im Heidekraut, Wacholderheide in der Gambach bei Burbach
14|09|2019 – Hei­di in der 6. Träch­tig­keits­wo­che

© Johannes Willwacher