Studioaufnahme zur Ernährung der trächtigen Hündin mit Quark, Eiern, Harzer Käse, Brombeeren, Honig, Banane und Platinum Welpenfutter
21|09|2019 – Es ist ange­rich­tet: Die 7. Träch­tig­keits­wo­che

Die siebte Trächtigkeitswoche, vier Futternäpfe – und drei Border Collies, die die Welt nicht mehr verstehen: ein Blick in unsere Küche zur Mittagszeit.

Im Leben eines jeden Hun­des gibt es Gesetz­mä­ßig­kei­ten, auf die er sich ver­lässt. Das sieht auch bei unse­ren vier Hun­den nicht anders aus. Zwei aus­ge­dehn­te Spa­zier­gän­ge, auf denen geschnüf­felt, gerannt und gespielt wer­den darf, gehö­ren dabei im Tages­ab­lauf genau­so dazu, wie die Gewiss­heit, dass nie­mand schimpft, wenn es sich einer der Vier im Bett oder auf dem Sofa gemüt­lich macht, oder dass jed­we­der Besuch – vom freund­li­chen Post­bo­ten, der sich immer eine Lecke­rei abschwat­zen lässt, über den Strom­ab­le­ser, der sich auch nach Jah­ren noch immer ängst­lich hin­ter sei­nem Klemm­brett ver­schanzt, bis zu den züch­tig zurecht­ge­mach­ten Zeu­gen Jeho­vas, die zumeist ver­geb­lich die Klin­ke put­zen – ein­zig und allein wegen der Hun­de kommt. Wäh­rend über die vor­ge­nann­ten Gesetz­mä­ßig­kei­ten dis­ku­tiert wer­den und ein Spa­zier­gang auch ein­mal frü­her, spä­ter oder gar nicht statt­fin­den kann, gibt es bei der täg­li­chen Füt­te­rung kei­ner­lei Dis­kus­sio­nen: jedem Hund ste­hen jeden Tag zwei Mahl­zei­ten zu, die in Abhän­gig­keit von den Aus­lauf­zei­ten zeit­nah gereicht wer­den müs­sen. Zwei – nicht eine oder drei –, Zwi­schen­mahl­zei­ten, die aus der Hand gefüt­tert wer­den, nicht inbe­grif­fen. Wen wun­dert es also, dass drei von vier Hun­den die Welt nicht mehr ver­ste­hen, wenn allein für den Vier­ten plötz­lich eine neue Gesetz­mä­ßig­keit gilt?

Studioaufnahme zur Ernährung der trächtigen Hündin mit Quark, Eiern, Harzer Käse, Brombeeren, Honig, Banane und Platinum Welpenfutter
21|09|2019 – Schmeckt nicht, gibt’s nicht: was Hei­di sich schme­cken lässt

Es ist halb eins, als ich einen der vier wei­ßen Fut­ter­näp­fe von den Die­len auf­klau­be und auf der Küchen­an­rich­te vor mir abstel­le, auf der ich zuvor schon die Zuta­ten für die Mit­tags­mahl­zeit bereit­ge­stellt habe, die Hei­di im letz­ten Drit­tel der Träch­tig­keit zusätz­lich gereicht bekommt. Das lau­te Klim­pern, mit dem der Löf­fel bei jeder Zutat, die ich mit sorg­fäl­ti­gem Rüh­ren unter­he­be, gegen das wei­ße Por­zel­lan schlägt, bleibt den Hun­den nicht lan­ge ver­bor­gen – und so ver­sam­meln sich die Vier nach und nach in mei­nem Rücken und beäu­gen jede mei­ner Hand­be­we­gun­gen mit wach­sen­der Neu­gier: auf das Wel­pen­fut­ter fol­gen zwei Löf­fel Quark und ein Löf­fel Honig, auf das auf­ge­schla­ge­ne Ei und die klein geschnit­te­ne Bana­ne eine Hand­voll fri­scher Brom­bee­ren. Als ich den Löf­fel schließ­lich am Rand der Scha­le abstrei­fe, gibt es in mei­nem Rücken kein Hal­ten mehr und jeder der vier Hun­de stürmt in freu­di­ger Erwar­tung an sei­nen ange­stamm­ten Platz. Die Hoff­nung, dass die eben zube­rei­te­te Mahl­zeit im letz­ten Moment doch noch auf alle vier Näp­fe auf­ge­teilt und nicht nur die träch­ti­ge Jüngs­te gefüt­tert wird, muss ich aber auch an die­sem Tag zer­stö­ren – und stel­le den Napf mit einem: »Ja, wenn ihr alle schwan­ger wärt«, vor die war­ten­de Hün­din hin.

Das ungläu­bi­ge Bel­len, mit dem Nell jeden Bis­sen beglei­tet, den Hei­di has­tig aus der Scha­le schlingt, klingt bei­na­he so, als lie­ße es sich in Wor­te über­set­zen: »Aber, aber, aber …«, scheint die Hün­din immer wie­der zu rufen. Wäh­rend sie dabei aber auf ihrem Platz neben dem Kühl­schrank ver­harrt und das Bel­len bloß mit einem abwech­seln­den Auf­stamp­fen ihrer Pfo­ten zu bekräf­ti­gen ver­sucht, hat Zion längst die Geduld ver­lo­ren, sich von sei­nem Platz erho­ben, mit den Vor­der­läu­fen an der Anrich­te empor­ge­zo­gen und ange­schickt, die Zun­ge nach den Res­ten von Quark, Ei und Honig aus­zu­stre­cken, die an dem dort lie­gen geblie­be­nen Löf­fel kle­ben. Allein Ida hockt noch vor ihrem Napf neben dem Küchen­tisch und tröp­felt lei­se vor sich hin. Als Hei­di aber schließ­lich ihre Mahl­zeit been­det hat, erhebt sich auch die Zweit­äl­tes­te von ihrem Platz und schiebt sich zwi­schen Nell und Zion, um – der Gesetz­mä­ßig­keit fol­gend – auch ihre Zun­ge noch ein­mal durch das längst sau­ber geputz­te Por­zel­l­an­rund wan­dern zu las­sen.

Trächtige Border Collie Hündin in der 7. Woche der Trächtigkeit, Studioaufnahme
21|09|2019 – Hei­di in der 7. Träch­tig­keits­wo­che

Bezo­gen auf das Aus­gangs­ge­wicht bringt Hei­di zum Ende der sieb­ten Träch­tig­keits­wo­che gut vier­ein­halb Kilo mehr auf die Waa­ge – ihr Bauch­um­fang ist auf stol­ze 68 Zen­ti­me­ter ange­wach­sen. Was davon den Wel­pen und was dem guten Fut­ter geschul­det ist? Wir wer­den es erfah­ren – in nicht ganz zwei Wochen. Bis dahin begnü­gen wir uns damit, die unge­bo­re­nen Wel­pen beim all­abend­li­chen Schmu­sen und Strei­cheln unter unse­ren Hän­den zu spü­ren: eine Gesetz­mä­ßig­keit, die nicht nur die Hün­din genießt. Satt vor Glück!

© Johannes Willwacher