Trächtige Border Collie Hündin liegt auf einem Stapel Decken
28|09|2019 – Die (schwan­ge­re) Prin­zes­sin auf der Erb­se

Die achte Trächtigkeitswoche: warum letzte Vorbereitungen im Welpenzimmer immer Überstunden für den Postboten bedeuten – und was rund um die Wurfkiste sonst noch passiert.

Immer wie­der hört man Züch­ter sagen, dass kei­ne Träch­tig­keit wie die ande­re ist. Trotz­dem ist wohl allen gemein, dass spä­tes­tens mit dem Ultra­schall das vor­han­de­ne Inven­tar inspi­ziert und auf Voll­stän­dig­keit geprüft wird, und die fol­gen­den Wochen vor allem von einem geprägt sind: von Über­stun­den für den Post­bo­ten. Wäh­rend die Grund­aus­stat­tung – eine Wurf­kis­te, eine Wär­me­lam­pe und eine Wel­pen­waa­ge – bei fast allen Züch­tern vor­han­den und zur lang­fris­ti­gen Nut­zung ange­schafft wor­den ist, fal­len näm­lich auch den lang­jäh­ri­gen Züch­tern in den Wochen vor der Geburt fast täg­lich Din­ge auf, die drin­gend noch ersetzt, ergänzt und bestellt wer­den müs­sen. Schwan­ger­schafts-Shop­ping, könn­te man sagen – selbst wenn der Züch­ter hier allein mit der Idee schwan­ger geht, wie sich Träch­tig­keit, Geburt und Auf­zucht noch ange­neh­mer, noch ver­ant­wort­li­cher, noch schö­ner gestal­ten las­sen. Ich weiß, wovon ich rede. Fra­gen Sie mal unse­ren Post­bo­ten!

Border Collie Hündin schaut unter einer Fleece-Decke hervor
28|09|2019 – Haupt­sa­che gemüt­lich, meint Hei­di

»Was hast du denn jetzt schon wie­der bestellt?”, tönt es mir aus dem Wel­pen­zim­mer ent­ge­gen, in dem sich Dirk unter lau­tem Häm­mern abmüht, die mas­si­ven Sei­ten­wän­de der Wurf­kis­te zu mon­tie­ren. Ich stel­le das lan­ge, unhand­li­che Paket, das der Post­bo­te gera­de aus­ge­lie­fert hat, vor dem Git­ter ab, das am Mor­gen in den Tür­rah­men gespannt wor­den ist, und ver­dre­he die Augen. »Drei Decken«, sage ich, wäh­rend ich mir vorn­über gebeugt mit einem Cut­ter­mes­ser an den brei­ten Kle­be­strei­fen zu schaf­fen mache, »zwei ein­far­bi­ge und eine bedruck­te«, um einen Moment spä­ter noch hin­zu­zu­set­zen, dass alle drei gar nicht teu­er waren. »Wir hat­ten ja auch wirk­lich viel zu weni­ge Decken«, erwi­dert Dirk und lässt die sper­ri­ge Boden­plat­te ruckelnd in die dafür vor­ge­se­he­nen Ver­tie­fun­gen am Rand der Wurf­kis­te rut­schen, »du hast doch erst für den letz­ten Wurf eine gan­ze Aus­wahl neu­er Vet­bet­ten gekauft«. Ich neh­me die Decken nach­ein­an­der aus dem Paket, las­se den wei­chen Stoff durch mei­ne Hän­de glei­ten und lege sie mit zufrie­de­nem Nicken neben­ein­an­der vor mir auf den Boden. »Die letz­ten haben eben nicht zur Jah­res­zeit gepasst«, sage ich und deu­te auf eine der Decken, die deko­ra­tiv mit Eichen­laub bedruckt ist. Nun ist es Dirk, der die Augen ver­dreht. »Womit ver­die­ne ich mein Geld, Dirk?«, fra­ge ich und fal­te die zwei­te, maus­graue Decke, die ich gera­de wie­der vom Boden auf­ge­ho­ben und aus­ge­schüt­telt habe, in der Mit­te zusam­men, »womit?«. Die Ant­wort lässt nicht lan­ge auf sich war­ten. »Damit, nütz­li­che Din­ge schö­ner und weni­ger nütz­lich zu machen«, lau­tet die­se – und obschon ich dar­auf nur zu ger­ne einen monu­men­ta­len design­theo­re­ti­schen Mono­log fol­gen las­sen möch­te, las­se ich es doch dabei bewen­den, ein­mal laut auf­zu­la­chen. »Kann man die Decken wenigs­tens bei 90 Grad waschen?«, will mein Gegen­über schließ­lich noch wis­sen – wor­auf ich klein­laut zuge­ben muss, beim Kauf nicht dar­auf geach­tet zu haben. »Ich sag’s ja: schön, aber sel­ten nütz­lich«, lacht auch er und schiebt die fer­tig auf­ge­bau­te Wurf­kis­te an ihren ange­stamm­ten Platz vor dem Fens­ter. »Für dich habe ich übri­gens auch noch einen neu­en Pull­over mit bestellt«, ver­su­che ich ihn abschlie­ßend zu beschwich­ti­gen. Mit Erfolg. Dass der besag­te Pull­over bloß als Uten­sil für ein Wel­pen-Foto­shoo­ting gedacht ist, muss er ja nicht wis­sen.

Illustration zur Entwicklung des Fötus beim Hund (28. bis 60. Trächtigkeitstag)
28|09|2019 – Was drin­nen pas­siert: die Ent­wick­lung des Fötus vom 28. bis 60. Tag

Die ver­gan­ge­ne, ach­te Träch­tig­keits­wo­che hat für Hei­di mit einem letz­ten Tier­arzt­be­such begon­nen, bei dem sie nicht nur die zwei­te Her­pes-Imp­fung erhal­ten hat, son­dern auch noch ein­mal gewo­gen wor­den ist. Mehr als fünf Kilo­gramm sind es, die sie zusätz­lich mit sich her­um­zu­tra­gen hat – das ent­spricht bei­na­he einem Drit­tel ihres eigent­li­chen Kör­per­ge­wichts. Aber auch wenn ihr Kör­per damit buch­stäb­lich aus der Form gera­ten ist und man ihr oft genug die Anstren­gung anmerkt, die ihr der blei­schwe­re Bauch (Umfang: 75 cm) abver­langt, beglei­tet uns Hei­di doch noch immer bei den täg­li­chen Spa­zier­gän­gen. Ein gewohn­tes Maß an Bewe­gung kann ihrer Kon­di­ti­on nur zuträg­lich sein – unter der Geburt wird sie viel Kon­di­ti­on brau­chen –, wes­halb wir uns erst dann auf den hei­mi­schen Gar­ten beschrän­ken wer­den, wenn die Tem­pe­ra­tur schließ­lich gefal­len ist, und uns nur noch weni­ge Stun­den von der Geburt der Wel­pen tren­nen. Um den Zeit­punkt nicht zu ver­pas­sen, haben wir zum Ende der ach­ten Träch­tig­keits­wo­che vor­sorg­lich das Ther­mo­me­ter aus­ge­packt und begon­nen, die Wer­te zu notie­ren. Alles war­tet, alles ist bereit.

»Wobei«, den­ke ich, als ich mich am Abend noch eimal im Wel­pen­zim­mer umschaue, »habe ich da letz­tens nicht online ein paar hüb­sche Hand­tü­cher gese­hen, die farb­lich viel bes­ser zur Ein­rich­tung pas­sen wür­den?« Ein schwe­rer Fall von Bestel­le­ri­tis.

© Johannes Willwacher